Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
09.12.2016

Leise rieseln die Blätter auch hier

Das alte Kirchenjahr ist zu Ende. Das heißt aber nicht, dass es auf den Friedhöfen totenstill ist. Neben Beerdigungen müssen auch in Penzlin noch Laub geharkt und Bäume geschnitten werden. Alles muss so schön sein, wie es solch ein würdevoller Ort verlangt. Und nicht nur, weil auch der Bundespräsident jederzeit hier innehalten könnte.

Penzlin. Ohne Weste über dem warmen Pullover geht es bei diesen Temperaturen nicht mehr. Doch zum Glück kommt Wärme ja auch mit der Bewegung. Und davon hat Roberto Klein genug. Denn wie die Kollegen vom Stadtbauhof ist auch der Penzliner Friedhofsverwalter noch immer mit Laub harken beschäftigt. „Das Gros der Blätter habe ich schon aufgenommen. Hier stehen vor allem Linden, eine Eiche und eine Kastanie”, verweist der 57-Jährige auf das Areal an der Neubrandenburger Chaussee, das fast bis hinunter zum Stadtsee reicht und mehr als 1,5 Hektar Fläche zu bieten habe.
Gegenwärtig bringt er an einigen Stellen auf den Wegen Brechsand ein, um diese wieder stabiler zu machen. Aber auch Sträucher und Hecken müssen auf der Anlage mit den verschiedenen Ebenen noch geschnitten werden. Und das nicht nur in Punschendörp. Denn zur Kirchengemeinde Penzlin-Groß Lukow gehören insgesamt acht Friedhöfe, die in Ordnung gehalten werden müssen. So sind es in Penzlin schon 70 Gräber, deren Pflege von den Angehörigen Verstorbener in die Hände der Friedhofsverwaltung gelegt wurde.
Roberto Klein wurde im Mai 2015 Nachfolger von Kirchgemeindemitarbeiter Peter Lauermann und hat seinen Rhythmus zwischen Schreibtisch und den praktischen Arbeiten auf den Friedhöfen gefunden. „Ich war viele Jahre auf dem Bau tätig, pendelte zuletzt als Fliesenleger ständig nach München. Darum bin ich froh, wieder in der Heimat Arbeit gefunden zu haben“, sagt der gebürtige Neustrelitzer, der mit seiner Familie in Marihn wohnt.
Die Arbeiten auf dem Grundstück zuhause ähneln mitunter den Aufgaben im Beruf, die eben sehr vielfältig sind. Oft ist Roberto Klein nicht allein unterwegs auf dem Friedhof. Denn gerade ältere Bürger nehmen es sehr genau mit der Grabpflege und schauen regelmäßig vorbei.
Am jetzigen Standort gibt es den Friedhof seit 1780, weiß Pastor Hartmuth Reincke. Nach einem Flächentausch mit der Stadt Penzlin. Denn früher wurden die Verstorbenen rings um die Kirche beerdigt, wie es vielerorts der Fall ist. Allerdings ist heute vieles anders. „Die Stadt baute 2006 die Friedhofskapelle, die von uns bewirtschaftet wird. Damit wurden wirklich beste Bedingungen für feierliche Zeremonien geschaffen”,so der Pastor. Um der geänderten Friedhofskultur entgegen zu kommen, wurde in Penzlin auch eine Gemeinschaftsanlage für Urnengräber angelegt. Raseneinzelgräber verringern zudem den Pflegeaufwand. Grabstellen werden heute nur noch für 25 Jahre bereit gestellt, früher waren 30 Jahre normal. „Unsere Friedhofsordnung orientiert sich an konservativen Richtlinien, die auch die Grabgestaltung betreffen. So wollen wir keine zubetonierten Flächen haben”, sagt Hartmuth Reincke. Er sieht die Friedhöfe als Orte der Geschichte und Begegnung, die Parklandschaften ähneln. Hier nehmen Menschen voneinander Abschied, haben Verbindung zu den Toten.
Auf dem Penzliner Friedhof finden sich auch die Grabstellen von ehemaligen Penzliner Bürgermeistern wie Rudolf Beyer (1889-1919) und Wilhelm Scharff, der die Stadt von 1945 bis 1946 regierte. Auch die Großmutter von Bundespräsident Joachim Gauck ist hier begraben. Darüber weiß auch Roberto Klein Bescheid. Kennt der Friedhofsverwalter hier doch jeden Stein.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

09.12.2016 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de