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03.02.2016

Letztes Kapitel Bücherbus: Eine Gemeinde fordert ihren Anteil

Es war einmal... Da rollten zwei Bücherbusse durch die Müritzregion. Dann nur noch einer. Und nun ist gar keiner mehr zu den Lesern auf dem Land unterwegs. Denn die fahrende Bibliothek konnte nicht mehr finanziert werden. Fast 4000 Medien sollten auch an die Vereins-mitglieder gehen. Aber das ist wohl nicht passiert.

Möllenhagen. Der Tagesordnungspunkt „Anfragen und Mitteilungen“ bietet bei Ausschusssitzungen meist nichts Spektakuläres. In Möllenhagen schlugen dagegen die Wellen hoch. Bürgermeister Thomas Diener (CDU) berichtete, dass Medien aus dem Bücherbus des Müritz-Bibliotheksvereins verschenkt würden. Schlimmer noch, sie seien sogar für die Mülltonne bestimmt gewesen. Durch Zufall hatte er erfahren, dass in der Warener Stadtbibliothek am 19. Januar extra ein Stöbertag für Lesefreunde angesagt war. „Mit Entsetzen habe ich mit ansehen müssen, wie Leute über Bücherberge kletterten und sich aus dem Wust bedienten“, sagte er. Noch vor Ort hätte er in der Stadtverwaltung Einspruch erhoben gegen diese Aktion.
„Nach dem Aus des Bücherbusses wurde auf der Mitgliederversammlung des Müritz-Bibliotheksvereins im Dezember 2015 entschieden, dass der Bestand an 4000 Medien auf die Mitglieder aufgeteilt wird. Bücher und DVDs könnten in Schulbibliotheken oder sozialen Einrichtungen Platz finden“, berichtete das Gemeindeoberhaupt. Als Vereinsmitglied habe die Gemeinde Möllenhagen den Bücherbus, der in den Dörfern immer gern gesehen wurde, all die Jahre unterstützt. Darum hatte man sich bereits Gedanken gemacht, wo die Kommune ihren „Bücheranteil“ unterbringen könnte. Schulleiterin Ute Pasch hatte die Idee, diesen Bestand in ihrem Haus aufzunehmen. „Wir haben ohnehin schon daran gedacht, die Schulbibliothek öffentlich zu machen“, sagte sie während der Ausschusssitzung in Möllenhagen.
Auch mit dem stillgelegten Bus hätten sich die Möllenhagener anfreunden können. „Mit einer Unterschriftensammlung plädierten Schüler dafür, dass die Gemeinde einen Jugendtreff schaffe. Der Bus wäre ideal dafür gewesen, hätte seinen festen Platz neben der Schule bekommen können“, kommt Thomas Diener auf Überlegungen zu sprechen, die sich nun allerdings erledigt haben. Denn wie er herausgefunden habe, sei der Bücherbus längst verkauft.
Kreissprecherin Haidrun Pergande bestätigt das. Mit Hilfe der Personenverkehrsgesellschaft Mürtitz (pvm) wurde der mehr als 20 Jahre alte Bus veräußert. Sie verweist dabei auf den Kreisausschuss im Dezember. Dort wurde über den Beschluss der Mitgliederversammlung des Müritz-Bibliotheksvereins informiert, den Betrieb zum 31. Dezember 2015 aufzugeben. Damit gingen laut Satzung Medienbus und der gesamte Buchbestand in das Eigentum des Landkreises über. Das bestätigt auch Vereinsvorsitzende Cornelia Grosch. „Der Bus war immer schon in Eigentum des Landkreises, der Verein hat ihn nur bewirtschaftet“, sagte sie. Von den Büchern sollten die 20 Mitgliedsgemeinden jedoch einen Anteil erhalten.
Zumindest im Fall Möllenhagen scheint es da bisher aber keine Absprachen zwischen Kreis und Gemeinde gegeben zu haben. Der Stöbertag in der Warener Stadtbibliothek, bei dem sich jedermann nach Herzenslust am Büchervorrat bedienen konnte, hat dafür allerdings schon stattgefunden. Die Stadt habe den Landkreis dabei nur unterstützt, indem sie die Bücher zunächst in ihrer Bibliothek aufgenommen hatte, teilte Sprecherin Steffi Schabbel mit.
Dirk Rautmann, Leiter Zentrale Dienste und Schulverwaltungsamt des Landkreises, möchte die restlichen Bücher nun wieder der Öffentlichkeit zukommen lassen. Der verbliebene Bestand werde jetzt an der Beruflichen Schule in Waren sortiert. Es gebe sogar eine Idee für ein Projekt im Medienbereich. Und die ehemaligen Vereinsmitglieder? „Gemeinde- und Schulbibliotheken im ehemaligen Versorgungsgebiet des Bibliotheksbusses Bücher für ihre Bestände zukommen zu lassen, ist auf jeden Fall beabsichtigt“, sagte der Amtsleiter. Er beteuerte außerdem, dass keine Bücher vernichtet werden.
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m.jacobs@nordkurier.de

03.02.2016 
Quelle: Nordkurier 

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