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29.08.2016

Magie der Alten soll den Bauernschrank füllen

Für die Überarbeitung der Ausstellung in der Alten Burg Penzlin bekommt Museumsleiterin Andrea Rudolph wissenschaftliche Hilfe von einem Österreicher. Der kennt sich mit Wossidlos Forschungen aus und hilft, ein besonderes Stück Ausstellung zu gestalten.

Penzlin. Der Klagenfurter Reinhard Kern, seit einigen Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wossidlo-Archiv für Volkskunde der Universität Rostock, folgte einer Einladung von Museumsleiterin Andrea Rudolph nach Penzlin. Für den besseren Besuchereinblick in Aspekte des Volksglaubens soll im Obergeschoss der Burg eine enge Bauernstube mit Bauernschrank und Wiege eingerichtet werden. „Die geplante Ausstellungsstation zur Alltagsmagie in Mecklenburg unterscheidet zwei Zuständigkeitsbereiche von Magie: den weiblichen mit Stube, Wiege, Schrank und Türschwelle. Der männliche Bereich zeigt die Tätigkeit des Schäfers oder Kuhhirten außerhalb der Bauernstube“, berichtet Andrea Rudolph. Im weiblichen Bereich könnten Aussagen zu Zaubermitteln einen Platz finden, die in Beziehung zu Topf, Kesseln, Scheren, Knoten, zu Schutz oder Zerstörung von Gesundheit stehen. Im männlichen Bereich könnten Dämonenbeschwörung, Hexenbannen, Wettersegen, Wiedergewinn oder Vermehrung von Geld, Gelingen von Handwerk, Totensegen und Totenbrauch eine geschlechtsspezifisch bedingte Rolle spielen.
„Der Bauernschrank soll Amulette und Talismane als wirkmächtige Gegenstände zeigen, die durch zusätzliche Zauberformeln und Segenssprüche Bekräftigung fanden. Viele Sprüche enthalten Elemente sowohl christlicher als auch heidnischer Kultur“, war von Reinhard Kerb zu erfahren. Er verweist auf die über zwei Millionen Belege umfassende Zettelsammlung, handschriftliche Aufzeichnungen des Warener Gymnasialprofessors und Volkskundlers Richard Wossidlo (1859-1939). Dieser hatte umlaufende Hexensagen, Spukgeschichten, mecklenburgische Rätseltexte, kurz Volksüberlieferungen des Glaubens und Aberglaubens, zwischen 1883-1939 gesammelt. Zu solchen gehörten auch Handlungen und Sprüche, mit denen Landfrauen angeblich zu Teufelsbündnerinnen wurden. Der Reichtum an mecklenburgischen Aberglauben erfordere für die Ausstellung eine überlegte Auswahl und Anordnung des Stoffes, erklärte Andrea Rudolph.
Reinhard Kerb, der mecklenburgisches Platt bestens beherrscht und ausgewählte Bereiche des Zettelarchivs fachlich erschließt, stellt Material für acht Ausziehplatten des Penzliner Bauernschranks zusammen. Jobst-Peter Brach von einer Warener Designfirma sieht darin eine besondere Herausforderung an den Gestalter. Wie bekommt man es hin, dass der Bauernschrank mit seiner spezifischen Form den Besucher zugleich mit der „Zettelwirtschaft“ Wossidlos bekannt macht? Die hierfür gefundene Lösung wird demnächst ein Höhepunkt des Museumsbesuchs in der Alten Burg sein, verspricht Andrea Rudolph.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

29.08.2016 
Quelle: Nordkurier 

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