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25.02.2016

Mehr als Fassade: Was Häuser erzählen

Seit Bäcker Manske Ende 2015 seinen Betrieb in der Penzliner Turmstraße schloss, wird in der Kleinstadt in den frühen Morgenstunden kein traditioneller Backofen mehr angeheizt. Bäckerstochter Renate Dörschel weiß noch genau, was es hieß, wenn es nachts im Zimmer klingelte.

Penzlin. Aus dem Alltag einer Bäckerfamilie kann Renate Dörschel berichten, die im Haus in der Turmstraße 13 zu Hause ist. Denn hier baute Großvater Emil Boldt das Haus nach dem Stadtbrand 1916 wieder auf und eröffnete seine Bäckerei. Sowohl die Söhne Wilhelm als auch Erich lernten dieses Handwerk und führten den Familienbetrieb weiter.
„Ich habe von Anfang an im Geschäft mitgearbeitet, in der Backstube geholfen und im Laden die Waren verkauft“, erzählt Renate Dörschel, die Tochter von Wilhelm Boldt ist. Hatte der Vater in aller Frühe den Ofen geheizt und den Teig für die Backwaren zubereitet, ertönte in ihrem Zimmer ein Klingelton. Das hieß „Aufstehen!“ – zwischen 3 und 4 Uhr.
„Wir hatten damals einen Doppelstockofen, der mit Holz befeuert wurde. Zur Weihnachtszeit kamen auch die Festtagsbraten der Penzliner Kunden rein. Auch deren Kuchen wurden hier gebacken und Äpfel und Birnen zu Dörrobst bereitet“, erzählt die 76-Jährige, die noch heute für Blechkuchen aus Hefeteig schwärmt. Auch im Zubereiten von Torten kannte sie sich bestens aus, war aber nie ein großer Fan dieser süßen Kuchen.
Nach der Wende übernahm Hubert Kruse das Ladengeschäft in der Turmstraße und verkaufte neben Käse auch andere Lebensmittel. Jetzt sind dort Backwaren aus den Mecklenburger Backstuben im Angebot. In der Wohnung von Renate Dörschel erinnern alte gerahmte Fotos an historische Zeiten. Dazu gehört auch ein besonderes Motiv vom Großvater. Bäckermeister Emil Boldt wurde 1928 die Schützenkönigswürde in Penzlin zuteil.
Interessiert an der Stadtgeschichte unterstützte Renate Dörschel zum 750. Jubiläum Penzlins die Herausgabe von Veröffentlichungen. So lieh sie den Autoren Kurt Köhn und Wolfgang Fuhrmann Fotos und Ansichtskarten für die Bildbände „Penzlin mien Punschendörp“. Wer darin blättert, wird stauen, wie vielseitig das Gewerbe einst in der Kleinstadt war. Bäckerläden gab es reichlich an der Zahl. Neben Boldts kneteten auch Wilhelm Wagner, Wilhelm Köhler, Johannes Wendt und Bäcker Wöllert beispielsweise Brot- und Kuchenteig. Die Initialen „E. B. – 1917“ am Haus in der Turmstraße 13 erinnern noch heute an den Familienbetrieb Boldt. Es finden sich aber auch noch andere Inschriften auf Hausfassaden.
So ist in der Großen Straße der Name „Rudolf Wittmann“ zu lesen, der einst ein Textilgeschäft in Penzlin führte. In der Warener Straße war es der Kolonialwarenhändler Hermann Krause, der die Einwohner nicht nur mit Lebensmitteln versorgte. Auch sein Name ist noch an der Fassade des Geschäftshauses zu lesen. Und in der Bahnhofstraße führte Malermeister Hermann Gerwoll sein Geschäft. Enkel Wolfgang hat dieses Haus aufwendig saniert und den Namen seines Großvaters über der Eingangstür mit besonderer Farbgebung hervorgehoben. Darüber freuen sich besonders die alten Penzliner.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

25.02.2016 
Quelle: Nordkurier 

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