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12.07.2013

Mit den Russen kamen die Brände

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam auch die Rote Armee nach Penzlin. Für die Bevölkerung war es längst nicht das Ende des Schreckens. Hunderte Tote und eine Stadt in Schutt und Asche.
Von Susan Lambrecht

Penzlin. Penzlin gehörte zu den Städten, die durch die Ereignisse am Ende des 2. Weltkrieges besonders schwer zerstört wurden. In dem mit Hilfe von Akten aus dem Landeshauptarchiv Schwerin zusammengestellten Buch „Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich“ (Bremen 2011) heißt es dazu: „Penzlin ist am 30.4.1945 von Einheiten der Roten Armee besetzt worden. Am Tag darauf wurden mehr als 70 Wohn- und Geschäftshäuser sowie das Rathaus durch Brandstiftung zerstört, mehr als 230 Einwohner begingen bei Kriegsende Selbstmord.“
Augenzeugen berichteten darüber, dass die Russen bei der Zerstörung der Häuser planmäßig vorgegangen waren und Zündschnüre ausgerollt hatten. Besonders die Große Straße und die Hirtenstraße waren von der Brandstiftung betroffen.
Von Asko Saur aus Ahrensburg wurde dem Stadtarchiv Penzlin kürzlich ein schriftlicher Augenzeugenbericht seines Vaters übergeben, der die angespannte Atmosphäre vor dem Einzug der Russen in Penzlin sehr anschaulich schildert: „Am Sonntag, dem 29.4. morgens, um vier Uhr, gab es Panzeralarm, ohne Unterbrechung von 1 Stunde Dauer, dann war wieder Totenstille. Die meisten Einwohner waren in die Wälder Horst und Smort und in die Anlagen am See geflüchtet.“ Die Familie Saur war auch zum See gegangen, aber als alles ruhig blieb, beschlossen sie, in ihr Haus in der Straße „Am Wall“ zurückzugehen und alles weitere abzuwarten. Nachdem sie „bis auf lange Zeit das letzte ordentliche Mittagessen“ eingenommen hatten, passierte folgendes: „Die Stille um uns wirkte außerordentlich auf‘s Gemüt und trieb uns wieder hinaus. Meine Frau und ich mit den Kindern machten noch einen Spaziergang an den See, aber als wir dorthin kamen, hatten sich viele Penzliner an den Hängen am See Nischen gegraben, diese mit Decken ausgelegt und starrten uns verwundert an, dass wir noch mit Kindern spazieren gingen. Es war peinlich und wir kehrten um. Der Abend kam und als es dunkel wurde, konnte man aus dem oberen Fenster sehen, dass überall in den Dörfern nach Osten Brände loderten.“ In dem Moment, als die Russen mit ihren Gewehrkolben gegen die Türen der stattlichen Villen in der Nachbarschaft klopften, bricht der Bericht ab. Waren die Erlebnisse zu traumatisch, um weiter schreiben zu können?
In diesem Bericht ist auch von Flüchtlingen die Rede, die gemeinsam mit den Penzlinern das Kriegsende erlebten. Schon 1941 wurden rund 450 Umsiedler aus Litauen in Penzlin untergebracht, sie wurden unter anderem in der Neuen Burg einquartiert. Viele weitere Flüchtlinge kamen noch hinzu. Noch 1947 lebten, zusätzlich zu den 2615 Einwohnern, 1210 Flüchtlinge, Vertriebene und Umsiedler in dem kleinen Städtchen. In Penzlin gab es nach der Brandstiftung nur noch ca. 350 Wohnhäuser.
Zu den Flüchtlingen gehörte auch die Familie Hundt. Dietrich Hundt schildert in seinem Buch „Bevor der Wind alle Spuren verweht“ (Oldenburg 2008) lebendig seine Kindheit in den schweren Jahren nach 1945. So hatte er miterlebt, wie eine Wand des abgebrannten Rathauses endgültig einstürzte: „Ansonsten ging noch immer mehr kaputt als aufgebaut wurde. So fiel bei einem starken Sturm der Nordgiebel des ausgebrannten Rathauses auf den Marktplatz. … Der Wind drückte immer wieder das ungestützte Giebelmauerwerk nach innen, ließ der Winddruck nach, so schwang die Mauer wieder zurück. Es sah gewaltig aus, und Dieter war so beeindruckt, dass er sich nicht von seinem Platz an der Kirchenwand weg bewegte. Schließlich war die Wand so weit losgewackelt, dass sie mit Getöse auf den Marktplatz fiel.“

(Susan Lambrecht gehört zum Arbeitskreis Stadtgeschichte)
12.07.2013 
Quelle: Nordkurier 

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