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26.08.2015

Nach dunklem Kapitel: Es werde wieder Licht

Kleine Dorfkirchen haben es schwer, sind für Sanierungen doch beträchtliche Summen nötig. In Alt Rehse wurde Stück für Stück geschafft, auch Dank Spenden. Nun soll das zweite Fenster wieder Durchblick bekommen. Dabei geht es auch um Geschichtsbewältigung.

Alt Rehse. Fünf Kirchen hat Alt Rehse im Laufe der Geschichte gesehen. Eine davon sogar auf einem Ackerstück am Malliner Weg. Doch Zerstörung, Blitzeinschlag und Brände machten diese Gotteshäuser zunichte. Der Grundstein für die jetzige kleine Kirche an Dorfteich und Park wurde 1889 gelegt.
Der Feldsteinbau mit Fachwerk-Turm und hohen Spitzbogen-Fenstern hat eine wechselvolle Geschichte erlebt, ein besonders schweres Schicksal erlitten. Da ist sich Wolfgang Köpp ganz sicher. Bis zum vorigen Jahr war im Inneren eine markante Backsteinausmauerung zu sehen, die inzwischen mit weißer Farbe überdeckt ist. Sie stammte noch aus der Nazizeit, die Alt Rehse einen unrühmlichen Stempel aufdrückte.
„1947 war ich das erste Mal in dieser Kirche als meine Cousine heiratete. Irgendwie empfand ich die Atmosphäre bedrückend“, erinnert sich der 82-Jährige und hat als Ortschronist auch die Erklärung parat.
So wurde auf Betreiben von Martin Bormann, Reichskanzleileiter von Hitler und Kirchenpatron von Alt Rehse, das Innere der Kirche umgestaltet. Die Wände kleidete man mit den gleichen Backsteinen aus wie sie von 1935 bis 1939 auch für die Häuser des „Musterdorfes“ verwendet wurden. Die Buntglasfenster verschwanden und wurden gegen fast undurchsichtiges Milchglas getauscht. Wie Wolfgang Köpp von einem Kirchenbaumeister erfuhr, sollte diese Kirche in eine „Weihehalle“ der SS umfunktioniert werden. 1942 gab Bormann das Patronat an den Oberkirchenrat in Schwerin zurück und schrieb an seine Frau: „Liebes Muttchen, wenn der Krieg zu Ende ist, denke ich, wird uns der Führer Alt-Rehse schenken und dann ziehen wir dort hin“ – nachzulesen in der Dorfchronik „Schau auf dieses Dorf“.
„Es kann nur in unser aller Interesse sein, den ursprünglichen Zustand im Kirchenraum wieder herzustellen“, gibt der Alt Rehser zu verstehen und hat in Pastorin Erika Gebser von der Kirchgemeinde Wulkenzin-Weitin eine Unterstützerin gefunden.
Dass eines der Fenster wieder mit Bleiglas ausgestattet werden konnte, daran hat er großen Anteil. Rief er doch im Freundes- und Bekanntenkreis zur Spendensammlung auf. So eine Aktion wird nun noch einmal angestrebt, um auch das zweite Fenster wieder durchsichtig zu machen.

26.08.2015 
Quelle: Nordkurier 

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