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13.10.2016

Nicht alles Gold, was hier glänzt?

Während in Demmin noch immer an einer gesicherten Zukunft für das national bedeutsame Heinrich-Schliemann-Museum gebaut wird, sind dem Haus in Ankershagen in vieler Hinsicht die Hände gebunden. Die Linksfraktion wünschte nun die Übergabe an das Land. Doch das Ganze ging erst mal anders aus.

Ankershagen. Als nach stundenlangen Debatten die Kreistagssitzung schon fast zu Ende war, steigerte Sabine Lauffer noch einmal ihre Aufmerksamkeit. Denn die Geschäftsführerin der in Demmin ansässigen, kreislichen Wirtschaftsfördergesellschaft WMSE war vor allem wegen eines weit hinten auf der Tagesordnung stehenden Antrags der Linksfraktion gekommen. Gegenstand: das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen. „Ich habe“, sagt sie, „dem entgegen gefiebert.“
Das ist keine Überraschung. Die drei Museen des Landkreises machen einen eigenen Geschäftsbereich bei der WMSE aus. Seit sie die Einrichtungen in Ankershagen, Alt Schwerin und Mirow vom Großkreis übernommen hat, will Sabine Lauffer die Museen gemeinsam vermarkten und nach Möglichkeit Synergieeffekte nutzen, um Kosten zu sparen. Dabei bildet die Ankershagener Institution so etwas wie den Dreh- und Angelpunkt.
Das Museum für den berühmten Archäologen steht im Blaubuch national bedeutsamer Kultureinrichtungen. Damit ihm die Gemeinnützigkeit und damit der Blaubucheintrag trotz der Zugehörigkeit zur nicht gemeinnützigen WMSE erhalten bleiben, baut diese seit geraumer Zeit an einer eigenen Tochtergesellschaft für die drei Museen, der gemeinnützigen MuSeEn gGmbH. Derzeit liege das Ganze beim Innenministerium, sagt Sabine Lauffer. „Die rechtlichen Mühlen mahlen langsam. Wir sind im Prozess, aber es ist noch nicht abgeschlossen.“

Konzeption für eine Dauerausstellung

Das Steuerrecht ist indessen nicht das einzige Problem. Daneben geht es auch um ganz praktische Fragen. Das alte Pfarrhaus, in dem Schliemann seine Kindheit und Jugend verbrachte, bräuchte dringend eine bauliche Instandsetzung. Gleichzeitig arbeitet das Museum an einer Konzeption für eine neue Dauerausstellung.
In dieses Demminer Räderwerk schien nun der Antrag der Kreistags-Linken hineinzuplatzen. Nach deren Wunsch sollte das Land das Museum übernehmen, der Landrat sich dafür bei der Landesregierung einsetzen. „Die WMSE leistet großartige Arbeit“, so Linken-Sprecher Torsten Koplin. „Aber jedes Engagement findet seine Grenzen in den zur Verfügung stehenden Ressourcen.“ Um das Schliemann-Museum langfristig und nachhaltig in der Liga zu erhalten, in der es spiele, müsse das Land es übernehmen.
Diese Liga machte Koplin mit einigen Beispielen deutlich: das Händel-Haus in Halle, die Wartburg bei Eisenach, die Luther-Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Ein Nebenhaus des Museums beherberge sogar das größte Schliemann-Archiv außerhalb Athens, so Koplin. Doch mit dem baulichen Erhalt und einer notwendigen neuen Dauerausstellung – ihre Kosten beziffern die Linken auf einen sechsstelligen Betrag – wäre der Kreis überfordert. „Der Kreis und die WMSE können es nicht stemmen“, sagt Koplin.

Beteiligung des Landes eher unwahrscheinlich

Was aber wäre, wenn die Linken sich mit dem Vorschlag einer Landesträgerschaft tatsächlich durchsetzten? Wäre dann nicht die monatelange Arbeit in Demmin schlichtweg vergeblich gewesen? Da winkt Sabine Lauffer ab. „Ich hatte damit keine Bauchschmerzen“, sagt sie in der Kreistagssitzung. „Umstrukturierungen stehen immer wieder im Raum, das zeigt das normale Leben. Mich hat die finanzielle Sachlage zu beschäftigen. Der Kreis hat den Betriebskostenzuschuss für die Museen bei einer Million Euro gedeckelt, damit muss ich auskommen. Wir machen erst einmal alles Notwendige.“
Aus Torsten Koplins Sicht müsste eine Landesträgerschaft die WMSE-Konzepte nicht unbedingt über den Haufen werfen. Das ließe sich beispielsweise über einen Geschäftsbesorgungsvertrag regeln, überlegt er. Doch die ganze Frage ist ohnehin erst einmal aufgeschoben. Zur Überraschung selbst vieler Genossen seiner eigenen Fraktion ließ Koplin deren Antrag plötzlich in die Ausschüsse verweisen.
Grund dafür war ein Schreiben des Bildungsministeriums, das ihm Kreisverwaltungsmitarbeiter erst während der Sitzung vorlegten. Er habe es nur kurz überfliegen können, sagt er, und erinnere sich nur an zwei Punkte: Die steuerliche Frage wäre wohl kein Problem, und: Der Blaubuch-Prozess laufe aus. Gerade das könnte eine neue Sachlage ergeben. „Deshalb wollen wir schauen, ob unser Antrag noch einmal qualifiziert werden muss.“
Wie auch immer der dann aussehen mag, in Demmin glaubt Sabine Lauffer ohnehin nicht an eine Beteiligung des Landes. „Das“, sagt sie, „hat es mir schon früher signalisiert. Trotzdem kann man natürlich immer wieder nachfragen.“
Kontakt zum Autor
g.wagner@nordkurier.de

13.10.2016 
Quelle: Nordkurier 

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