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22.09.2017

Penzlin arbeitet grausame Historie auf

Das Wohnhaus der letzten jüdischen Familie in Penzlin steht nicht mehr. Darum sollen kleine Messingtafeln im Bereich der Bahnhofstraße an die ehemaligen Mitbürger erinnern, die von den Nazis umgebracht worden waren.

Penzlin. Es ist beschlossene Sache, dass auch in Penzlin mit Stolpersteinen an Schicksale von Menschen erinnert wird, die während der Nazizeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses der Stadtvertretung dafür aus, im Bereich der Bahnhofstraße vier kleine Messing-Gedenktafeln in das Pflaster einzuarbeiten. Denn hier befand sich das Haus von Herta und Georg Pinkus, der letzten jüdischen Familie in Penzlin. Beide wurden 1942 deportiert und kamen in Auschwitz ums Leben. Auch Tochter Hannelore erlitt dieses Schicksal in Lodz. Sie lebte zum Zeitpunkt ihrer Deportation im Hamburger Paulinenstift. Nur Sohn Werner überlebte aufgrund der Flucht über die Schweiz nach England den Holocaust.
„Er starb 1981 in der Nähe von Manchester, hinterließ einen Sohn”, weiß Stadtarchivarin Susan Lambrecht zu berichten. Sie hat im Auftrag des Ausschusses in städtischen und Landes-Akten geblättert, um mit einer fundierten Zuarbeit das Projekt der Stadt zu unterstützen. Dabei stieß sie auf neue Fakten. So war anfangs nicht auszumachen, wo Werner Pinkus 1922 geboren wurde. Weder in Penzlin noch in Waren gab es dazu Aufzeichnungen. „Im Internet fand ich den Namen der Autorin Sylvia Ulmer, die sich mit der Geschichte der Juden in Mecklenburg beschäftigt. Sie erstellt sogar Stammbäume der Familien”, berichtet die Penzliner Archivarin, die sich auch persönlich mit der Ahnenforschung beschäftigt. Im Fall der Familie Pinkus erhielt sie sogar wertvolle Hinweise aus Amerika. So konnte Berlin als Geburtsort für den Sohn Werner ausgemacht werden — ein besonderer Moment innerhalb dieses traurigen Recherchethemas.
Mit dem Anliegen, an die Angehörigen der Familie Pinkus in Penzlin zu erinnern, hatte sich Ausschussvorsitzenden Dagmar Kaselitz (SPD/Linke) an den Künstler Gunter Demnig gewandt, der seit 1992 mit seiner Aktion zum neuen Gedenken beiträgt. Und das nicht nur in Deutschland. Wie Bürgermeister Sven Flechner während der Ausschusssitzung informierte, unterstützt die Landeszentrale für Politische Bildung das Penzliner Vorhaben mit 5000 Euro, das noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll. Um das Geld voll auszuschöpfen, soll außer den Stolpersteinen auch eine Tafel oder eine Stele im Bereich des Postgebäudes angebracht werden. Darauf könnte ein Foto des Wohnhauses der Familie erscheinen, das 1988 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.
Generell auf das jüdische Leben in Penzlin mit einigen wenigen Fakten hinzuweisen, das ist den Ausschussmitgliedern wichtig. So sollte nach deren Vorschlägen auch auf die einstige Synagoge verwiesen werden, die 1791 in der Weberstraße (heute Hirtenstraße 17-19) eingeweiht wurde. Das Fachwerkhaus brannte 1945 mit anderen Gebäuden dieses Viertels nieder. Und dann gibt es noch den jüdischen Friedhof in Penzlin, der um 1850 angelegt wurde. Die letzte Beisetzung erfolgte am 16. November 1923 mit Johanna Jacob, der Mutter von Herta Pinkus. „Hier müsste das Tor gerichtet werden und einige der Grabsteine neu aufgestellt werden”, schlussfolgert der Bürgermeister.
Dass Mitbürger vor dem Anwesen des jüdischen Friedhofes ihren Müll entsorgen, merkte Pastor Hartmuth Reincke kritisch in der Ausschusssitzung an.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

22.09.2017 
Quelle: Nordkurier 

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