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01.06.2016

Penzlin hilft: Party, Probleme und ein Pausbäckchen

Nähe schafft Vertrauen: Ob Burgfest, Musiknachmittag oder Walpurgisnacht – die Penzliner haben sich von Anfang an um ihre neuen Nachbarn bemüht und sie in den Alltag der Stadt mit einbezogen. Vor einem Jahr kamen 22 junge Afrikaner nach Punschendörp, mit den Syrern leben mittlerweile an die 50 Flüchtlinge hier. Eine Bilanz nach einem Jahr.

Penzlin. Der Regen zog zwar so manchen Strich durchs Programm, konnte aber der guten Stimmung nichts anhaben. Puppenspieler Stefan Rätsch hatte sich einfach ein wetterfestes Cape umgehangen und begeisterte am Montag in Penzlin Klein und Groß mit der Geschichte „Der Drache mit dem Kaffeekrug“. Und Bodo Wolff konnte trotz nassen Grüßen von oben entspannt zuschauen: „Zum Glück haben wir mit dem Jugendclub und den Mitstreitern von der Mobilen Jugendarbeit der Caritas in der vergangenen Woche das Dach vom Carport hier am Alten Rathaus erneuert. Nun schützt es uns vor den Regenschauern“, freute er sich.
Zum Feiern gab es allen Grund: Denn im Mai vor einem Jahr zogen die ersten Flüchtlinge nach Penzlin. 22 junge Männer aus Ghana und Mauretanien, die vom CJD betreut wurden. Im Herbst kamen 24 Asylbewerber aus Syrien hinzu, weitere Landsleute folgten. „Jetzt sind es an die 50 Flüchtlinge, die hier ein Zuhause gefunden haben. Genau kann man das immer gar nicht sagen. Denn manche von ihnen waren zwischendurch auch mal zu Besuch in Hamburg oder einer anderen Stadt. Jetzt sind sie fast alle wieder da“, sagte Dagmar Kaselitz, die sich von Anfang an stark einbrachte in die Flüchtlingspolitik der Stadt.
Für regelmäßige Treffen stellte die SPD-Landtagsabgeordnete jeden Montag ihr Wahlkreisbüro zur Verfügung. Inzwischen platzte es aber aus allen Nähten, so dass der Treff in das Alte Rathaus verlegt wurde. Öffentlichkeit und viele Informationen an die Penzliner über die Neuankömmlinge – das war ihr und Bürgermeister Sven Flechner ganz wichtig. Und so wurden viele Helfer mobilisiert, es gab zahlreiche Spenden für die Hilfesuchenden sowie Einladungen zum Sport. Mit dem Verein weltoffen-Penzlin kamen Mitstreiter hinzu, die sich für Flüchtlingshilfe und Integration einsetzen.
Und seit dem 1. Februar kümmert sich Bodo Wolff als Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes um die Organisation und das Zusammenleben der neuen Nachbarn. „Ich hatte es geschafft, für jeden der afrikanischen Flüchtlinge ein Fahrrad zu organisieren. Als die syrischen Familien zu ihnen in den Wohnblock zogen, liehen sie ihre Räder bereitwillig aus. Nun bin ich ständig am reparieren, da nicht alle schon Fahrrad fahren konnten“, erzählte er. Also wurde ein Training mit dem Erläutern von Verkehrszeichen in Penzlin angesetzt.
Den Deutschkurs der Afrikaner sponserte Bernd-Albrecht Freiherr von Maltzan. Das ÜAZ startete im Dezember 2015 einen Sprachkurs für die Syrer in der Neuen Burg. Sogar in den Winterferien drückten Eltern und Kinder die Schulbank und überraschten die Penzliner bald mit guten Deutschkenntnissen. „Das Gros der Syrer hat inzwischen ein Bleiberecht bekommen. Wenn diese neuen Nachbarn nun richtige Penzliner werden wollen, brauchen sie eine eigene Wohnung. Und das ist total schwierig“, sprach Dagmar Kaselitz ein Problem an. Denn in der Kleinstadt gebe es keinen Leerstand. Darum seien private Vermieter gefragt. Unzufrieden sei sie auch, dass keiner der Flüchtlinge eine Arbeit findet – trotz großer Bemühungen. Knackpunkt bei den Afrikanern sei vor allem, dass sie über keine richtige Identität verfügen, sprich: die richtigen Papiere fehlen. Auch seien ihre Asylanträge noch nicht bearbeitet.
Dass die Anteilnahme für die neuen Mitbürger hoch geblieben ist, das zeigen auch die Patenschaften von Penzliner Familien mit Flüchtlingen. Gut geklappt habe außerdem die Integration der syrischen Kinder in Schule und Kita. Und es gibt eine Liebe zu einem der afrikanischen Männer in der Stadt, deren Ergebnis wohl bald im Kinderwagen zu bewundern sein wird.

Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

01.06.2016 
Quelle: Nordkurier 

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