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24.07.2015

Penzlin macht Theater – und Mama Afrika ist der Star

In der Burgstadt sind mittlerweile 20 Flüchtlinge angekommen und lernen das neue Zuhause von Tag zu Tag besser kennen. Motivation gibt der Deutschkurs. Aber auch die Penzliner selbst wollen, dass sich die neuen Nachbarn heimisch fühlen in Mecklenburg. Ein Musterbeispiel für gelungene Integration.

Penzlin. „Wo kriegen wir so viele historische Gewänder her?“, fragte Gerhard Kresin etwas ratlos am Mittwochabend seinen Mitstreiter Michael Baaß. Beide agieren als Graf beziehungsweise Kastellan im Penzliner Burgadel, der zum Mittelalterfest am 22. und 23. August wieder ein besonderes Theaterstück anbietet. Diesmal einige der 20 Asylbewerber aus Afrika in das Regiebuch mit auf zu nehmen, ist eine besondere Idee der beiden Stadtvertreter. „Wer Talent hat fürs Spiel und hier mitmachen möchte, der ist herzlich willkommen. Er müsste auch keine Sprechrolle übernehmen, die das Beherrschen der deutschen Sprache voraussetzt“, wandte sich Gerhard Kresin zuvor an die Runde, die sich zu einem Filmabend in den Räumen der Diakonie-Sozialstation zusammen gefunden hatte. Mehr als 20 Penzliner waren gekommen, um den neuen Nachbarn ihre Stadt vorzustellen. Hatte der Drehbuchschreiber mit zwei, drei Interessenten aus den Reihen der Afrikaner gerechnet, so waren es schließlich elf Bewerber. Da müsse man eben noch mal beim Burgverein in Burg Stargard nach weiteren Kostümen nachfragen, der den Penzlinern in dieser Frage seit Jahren hilfreich zur Seite steht.
„Nachdem wir in einer ersten Zusammenkunft mit den Asylbewerbern über Ghana und Mauretanien als deren Herkunftsländer informiert und uns über ein Flüchtlingsschicksal eines jetzt in Neubrandenburg lebenden Ausländers ausgetauscht haben, wollen wir nun die Stadt Penzlin näher bekannt machen“, eröffnete Dagmar Kaselitz die Veranstaltung. Anschließend wurden Ausschnitte eines Films gezeigt, die an die Feierlichkeiten zum 750-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2013 erinnern. So bekamen die 20 Afrikaner im Alter von 20 bis 35 Jahren auch einen ersten Einblick in das jährliche Burgfest mit erwähntem Theaterstück. „Da es bisher bei uns keine Afrikaner gab, haben wir uns speziell zum Kinderfest eine Trommlergruppe eingeladen“, wies Dagmar Kaselitz auf einen besonderen Höhepunkt im Festjahr hin. Was es mit den Hexen in Penzlin auf sich habe und ob sie heute noch verfolgt würden, das interessierte einige der ausländischen Mitbürger sehr. Um hier Klarheit zu schaffen, ist als nächstes der Besuch der Alten Burg geplant, kündigte Dagmar Kaselitz an.
„Mama Afrika“ wird sie inzwischen liebevoll von einigen der Afrikaner genannt, was die SPD-Landtagsabgeordnete besonders berührt. Mit Ankunft der Flüchtlinge Ende Mai richtete sie in ihrem Wahlkreisbüro in der Großen Straße 34 ein Koordinierungsbüro ein, über das die Penzliner die neuen Nachbarn unterstützen können. So gibt es jeden Montag einen offenen Gesprächskreis, bei dem sich Asylbewerber und Einheimische kennen lernen können. „Auch wenn die Unterbringung der Flüchtlinge im Verantwortungsbereich des Landkreises liegt, haben wir uns in der Stadt darauf geeinigt, uns dieser neuen Herausforderung zu stellen. Öffentlichkeit und regelmäßige Informationen sind dabei ganz wichtig“, kommt sie auf spezielle Veröffentlichungen auf der Internetseite der Stadt zu sprechen. So habe sich eine gute Willkommenskultur in Penzlin entwickelt, die den Flüchtlingen das Integrieren erleichtert. Sie seien dennoch sehr zurückhaltend, geben wenig über ihr bisheriges Leben preis. Direkt betreut werden die neuen Einwohner von den Mitarbeiter des CJD.
Seit vergangener Woche besuchen die Afrikaner, die sich in Englisch und Französisch verständigen, einen Deutsch-Kurs der Kreisvolkshochschule vor Ort. Dozent Horst Rieck übernahm während des Filmabends das Dolmetschen. „Ermöglicht wurde dieser Lehrgang durch eine Spende vom Bernd-Albrecht Freiherr von Maltzan, dessen Familie einen besonderen Bezug zu Penzlin hat“, erwähnte Dagmar Kaselitz einen Glücksfall für die Stadt. Als Mäzen unterstütze der Ex-Banker aus Frankfurt/Main viele Projekte im Penzliner Land und habe beispielsweise auch die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in die Kleinstadt geholt. „Zum Konzert am 31. Juli auf dem Burghof werde ich die Flüchtlinge mit einer Freikarte überraschen und denke, dass ihnen die Jazz-Klänge gefallen werden“, gab Bernd-Albrecht Freiherr von Maltzan auf Nordkurier-Anfrage bekannt. Seine Anregung, den Asylbewerbern das Schwimmen bei zu bringen, wurde inzwischen aufgegriffen. So bietet Tierärztin Heike Hoch aus Mollenstorf den Afrikanern einen Kurs am Zahrener See an.
Nach Auskunft von Dagmar Kaselitz haben die Flüchtlinge einen Antrag auf Asyl in Deutschland gestellt, der von den Bundesbehörden geprüft und bearbeitet werde. Sie bekommen vom Sozialamt Geld auf der Grundlage des Asylbewerberleistungsgesetzes. Damit müssen sie zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung, Telefon und auch Fahrkosten begleichen. Einbehalten werde ein Anteil für Betriebskosten, die in den vier Wohnungen anfallen. In den ersten drei Monaten dürfen Asylbewerber keine reguläre Arbeit aufnehmen. Stimmen Ausländerbehörde und Arbeitsagentur zu, dann könnten sie nach dieser Zeit unter bestimmten Voraussetzungen einen Arbeitsvertrag unterzeichnen. Gegen ehrenamtliche Arbeit sei aber nichts einzuwenden. In Penzlin ist das Spektrum dafür riesengroß. Schließlich gibt es allein im Stadtgebiet 52 Vereine.

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24.07.2015 
Quelle: Nordkurier 

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