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24.08.2015

Premiere: Flüchtlinge sitzen an der Rittertafel

Das Penzliner Burgfest macht seinem Namen alle Ehre: Neben einem markanten Gebäude trifft man dort auch allerhand Burgfräuleins, einen Burggrafen und auch einen Kastellan. Dieses Jahr waren sogar Gäste aus Afrika an der Rittertafel dabei.

Penzlin. Uozo im Mittelalter? Beim „Spiel an der Rittertafel“ beim Penzliner Burgfest gehörte das Getränk neben Bier und Wein einfach dazu. Kein Wunder, denn dieses Mal hatte die Laientheatergruppe um Burggraf Gerhard Kresin das Thema Griechenland mit ins Stück eingearbeitet. „Der Burggraf war viel unterwegs und hatte auch in Griechenland eine Burg gebaut, und dafür einen Kastellan eingesetzt“, erzählt Kresin. Doch für die dortige Burg wurde immer wieder Geld benötigt. Das sollte der Kastellan nun zurück bringen. Doch er reiste mit leeren Händen an. „Hier wäre wohl nur noch eine Lösung möglich – ein Schuldenschnitt gegen Arbeitskräfte“, sagte Burggraf Gerhard und hatte die Schmunzler auf seiner Seite.
Das „Spiel an der Rittertafel“ ist nur einer der vielen Höhepunkte des 24. Burgfest in Penzlin gewesen. An drei Tagen tauchten zahllose Besucher in die Zeit des Mittelalters ein – von Speis‘ und Trank über Musik bis hin zu Kampfgegenständen schien diese Zeit auf dem Burggelände zum Greifen nah.
Doch zurück zum „Spiel an der Rittertafel“: Der Schuldenschnitt ist zugleich die Stelle, an der auch die Flüchtlinge, die seit mehreren Wochen in Penzlin leben, in das Stück einbezogen wurden – ein Novum für das Schauspiel. Für Kresin sowie die anderen Mitstreiter ein spannendes Unterfangen: Nicht die Kostüme, sondern die englische und französische Sprache sowie der starke Akzent seien eine Herausforderung gewesen und mit einem Dolmetscher gemeistert wurde, sagt Kresin.
Den Flüchtlingen, die aus Ghana sowie Mauretanien stammen, hat das Theaterspielen Spaß gemacht. „Wir haben es alle genossen, auf der Bühne zu stehen“, sagt Michel Esiedu. Auf der Bühne sei niemand aufgeregt gewesen. Der Abschluss war besonders originell: Die Ghanaer, deren Hautfarbe tief dunkel ist, verteilten an die Gäste dunkle Schaumküsse. Nach dem Stück hielt die Zuschauer nichts mehr auf ihren Stühlen: Stehend und jubelnd applaudierten sie dem mehr als gelungenen Theaterstück.
Auch Hermann Gerken sowie Hans-Volker Feldmann von der Partnerstadt Otterndorf haben sich die ein oder andere Aufführung auf dem 24. Burgfest angeschaut. Für Gerken und Feldmann, einst Bürgermeister und stellvertretendes Stadtoberhaupt von Otterndorf, ist der regelmäßige Besuch von Penzlin eine Selbstverständlichkeit. Immerhin besteht die Partnerschaft schon seit 1990, bereits in den 1980er Jahren seien sie ein paar Mal in Penzlin gewesen, erzählen die beiden Männer. Grund genug, dass dieses Jahr das Burgfest unter dem Motto „Hexe grüßt Otter“ stand. Erst nach dem Mauerfall wurden Otterndorf und Penzlin Partner – und zwar ganz offiziell. „Wir sind gleich am 15. Januar 1990 hier gewesen und wurden völlig unbefangen von den Penzlinern aufgenommen“, sagt Feldmann. Und Gerken ergänzt: „Es ist von Anfang an eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewesen“. Als es um den Aufbau von neuen Strukturen nach der Wende ging, organisierten die Ottendorfer sogar einen Austausch mit Lehrern und Beamten, zeigten ihnen, wie bei ihnen die Verwaltung funktioniert. „Unser erster Computer und Kopierer stammt aus Otterndorf“, erinnert sich Sven Flechner. Dass wir die Ortsumgehung erhalten haben, ist auch der Hilfe sowie wichtigen Dokumenten aus Otterndorf zu verdanken, fügt Gerhard Kresin, der auch FDP-Stadtvertreter ist, hinzu. Die feste Bande zwischen beiden Orten bestehen nach wie vor: Die beiden Männer- sowie Frauenchöre der beiden Städte besuchen sich immer noch gegenseitig.

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24.08.2015 
Quelle: Nordkurier 

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