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21.10.2016

Prost, Punschendörp!

750 Jahre Stadtgeschichte wurden zum Jubiläum 2013 von den Penzlinern gründlich erforscht. Und doch blieben etliche Fragen offen. Nun schneite ein Magdeburger ins Stadtarchiv und brachte Punschendörp Geschenke und Antworten mit.

Penzlin. Es ist nur eine Vermutung, dass das Bier aus der Penzliner Brauerei nicht schmeckte und das kleine Unternehmen deswegen den Bach runterging. Generell ist wenig bekannt über diese Produktionsstätte, die es Ende des 19. Jahrhunderts in der Stavenhagener Straße hinter den Penzliner Bahngleisen gegeben hat.
Etwas Licht ins Dunkel bringt jetzt ein Nachkomme, dessen Großmutter als Tochter des Brauereibesitzers in Penzlin geboren wurde. Wolfgang Müller aus Beyendorf bei Magdeburg stattete am Donnerstag der Stadtarchivarin Susan Lambrecht einen Besuch ab. Dabei war er nicht mit leeren Händen gekommen. Er hatte zahlreiche historische Fotos auf einen Stick gezogen und brachte von seiner Mutter Johanna Everling die Kopie einer „Ahnengalerie“ mit.
„Als meine Mutter mir diese Dokumente in die Hand drückte, bin ich eigentlich erst auf Penzlin aufmerksam geworden. Vor zwei Monaten war ich hier mal auf Durchreise und versuchte, mich zu orientieren. Doch das war eigentlich erfolglos. Eine Frau gab mir den Hinweis, mich mit Susan Lambrecht von der Stadt in Verbindung zu setzen“, sagte der 66-Jährige, der von Beruf Elektriker ist. „Ich bin kinderlos und da würden diese Dinge aus der Familiengeschichte irgendwann wohl weggeschmissen werden. Hier bekommen sie ihren Platz vielleicht im Archiv der Kommune“, fügte der Gast hinzu.
Auch Wolfgang Fuhrmann und Hans-Günter Beulke vom Arbeitskreis Stadtgeschichte staunten nicht schlecht über die Fotos, deren Dateien sich am Bildschirm öffneten. Fakt ist, dass Max Schrader (1873-1935) um 1900 die Brauerei in der Stavenhagener Straße eröffnet hat. Dabei soll es sich um ein Hochzeitsgeschenk seines Vaters gehandelt haben. Ehefrau Maria starb bei der Geburt der Tochter, Müllers Großmutter, im Kindsbett und wurde in Penzlin beerdigt. Später heiratete er wieder und Ehefrau Nr. 2 schenkte ihm zwei Söhne. 1908 soll der Unternehmer eine Villa gebaut haben, aber wo? Vermutlich in der jetzigen Puchower Chaussee.
„Die Brauerei wurde 1912 an ein Großunternehmen verkauft und die Schraders gingen nach Stettin“, erzählte Wolfgang Müller. „Damit wird klar, dass es der Konkurrenzdruck war, der zur Schließung der Firma führte“, meinte Wolfgang Fuhrmann. Er besitzt heute die einzige Postkarte, die die Brauerei zeigt. Was dort gebraut wurde – ob Pils, ob Dunkles – das wisse heute keiner mehr. Worin es abgefüllt wurde schon. Bei Erdarbeiten am Penzliner Wall wurden von Horst Böttcher zwei Bierflaschen mit dem Aufdruck der Brauerei gefunden, die heute schon Seltenheitswert haben.
„Um 1885 entstand rings um den Bahnhof ein kleiner Industriestandort. So gab es neben der Brauerei auch eine Ziegelei und einen Baubetrieb“, wusste Susan Lambrecht aus der Geschichte zu berichten. Sie hatte für Wolfgang Müller aus den Sterbebüchern der Stadt wichtige Kopien gezogen. Warum es keine richtigen Urkunden dazu gebe, habe nach ihren Aussagen ebenfalls mit Penzliner Geschichte zu tun. „Beim Brand des Rathauses 1945 sind alle Akten verbrannt. Darum wurden Zweitschriften angefertigt, die dann in den Rang einer Erstschrift kamen“, klärte die Archivarin auf.
Klar ist, dass die Penzliner mit Wolfgang Müller gerne weiter im Gespräch bleiben möchten. Trägt er doch mit seinem Wissen dazu bei, dass Lücken in der Historie geschlossen werden können.
Und wie hält es der Magdeburger mit dem Gerstensaft? „Ich habe in meiner Unterkunft in Penzlin beim Fußball ein Bier getrunken. Ein Warsteiner...“
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21.10.2016 
Quelle: Nordkurier 

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