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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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04.03.2013

Punschendörper halten schon lange zusammen

Diese Stadt zieht magisch an“, unter diesem Motto feiern die Penzliner die 750- jährige Geschichte der Stadt. Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll das Burg- und Stadtfest im August sein.
Von unserem Mitarbeiter
Wolfgang Fuhrmann

Penzlin. „… auf einem unebenen, hügeligen Boden, 147 Fuß über der Meeresfläche, und an einem See, in fruchtbarer, anmuthiger Gegend, hat 2 Thore, überdies noch einen Ausgang nach der Burg, 5 Straßen, mehrere kleine Nebengassen, 336 Häuser, und 2297 Einwohner.“ So wird 1843 im „Handbuch des Mecklenburger Landes“ das Städtchen Penzlin im Osten des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin beschrieben. Heute würde man fragen: Zwei Tore, 5 Straßen – das soll eine Stadt sein? Ist doch nur ein größeres Dorf!
Doch Vorsicht – die Größe sagt noch nichts über die Bedeutung und die Bewohner, auch Punschendörper genannt. Penzlin ist ein Punschendorf? In dem Namen steckt ja eindeutig das Wort Dorf! Und wer oder was sind die Punschen? Man wird das wohl nie enträtseln, das ist ein echtes Stadtgeheimnis.
Im 12. Jahrhundert, im alten Tollenser- und Redarier-Landlebten hier Slawen. Zwei Stämme, deren Grenzen bei Penzlin zusammenstießen, verehrten das nahe gelegene Heiligtum „Rethra“. Ein Beweis für dessen Existenz wurde jedoch trotz intensiver Suche nie erbracht. Es entwickelte sich ein kleines slawisches Dorf, der „Ort des Pecela“, später in Urkunden des Kloster Broda Pacelin genannt. In den Kriegen des Sachsenherzogs Heinrich des Löwen kam es gerade in dieser Gegend zu heftigen Verwüstungen, die slawische Bevölkerung wurde verdrängt und durch deutsche Siedler ersetzt. Das Land kam unter die Herrschaft des mecklenburgischen Fürsten Heinrich Borwin, der bei Penzlin um 1230 ein Schloss errichten ließ. Der Ort wurde immer bedeutender, die Punschendörper immer selbstbewusster – es kam zur Stadtgründung. Erhalten geblieben ist eine Bestätigungsurkunde, datiert am 28. Februar 1263.

Heinrich und Nikolaus ermorden ihren Vater
In den Jahrhunderten darauf gab es ein ständiges Auf und Ab. Die Familie von Maltzan wanderte schon 1194 aus Lüneburg ein, 1288 diente das Schloss den Brüdern Heinrich II. und Nikolaus I. von Werle-Güstrow als Residenz. 1291 töteten sie ihren Vater, da sie sich durch seine erneute Heirat um ihr Erbe betrogen fühlten. Daraufhin kamen Land und Stadt an ihren Vetter Nikolaus von Werle-Parchim, den Brüdern wurden die Tore der Stadt und der „Schlösser“ verriegelt. Heute geht man davon aus, dass auf dem Burgwall das Schloss der Fürsten von Werle gestanden hat. Es soll 1307 eingeäschert, aber später wieder aufgebaut worden sein. Von 1317 ist überliefert, wie der Fürst von Werle gegen gewalttätige Vasallen seines Landes vorging. Damals hatte ein Siegfried Metzeke mit 14 Spießgesellen den herzoglichen Hofkaplan, den Penzliner Kirchherrn Arnold, „mit üblen Worten geschmäht und außerdem mit Schlägen und Verwundungen aufs Übelste zugerichtet“. In einer Büßer-Prozession mussten die Delinquenten, nur in Hemd und Hosen, Wachslichter tragend, vom Tatort her in die Stadt gehen, den Kirchhof umrunden und von den 15 Wachslichtern acht dem Pfarrer übergeben. Mit den übrigen mussten sie dann in acht Kirchen der Umgebung den gleichen Umgang vollziehen. Für die „Punschendörper“ war das sicher ein Heidenspaß.
Anno 1414 beurkundeten die Fürsten von Werle dem Lüdeke Maltzan und seinem Sohn Heinrich, Haus, Stadt und Land Penzlin für 3000 Mark lübischer Silberpfennige verpfändet zu haben. Dies ist die erste urkundlich gesicherte Verbindung zwischen den Rittern Maltzan und der Burg Penzlin. Das bedeutete auch, dass alle im Pfandgebiet wohnenden Leute den Maltzans zu huldigen hatten. Ihnen unterstanden die Niedergerichtsbarkeit, das Patronat über Kirche und Schule und sie waren berechtigt einen Dammzoll zu erheben. Immer wieder gab es Auseinandersetzungen.
Der Sage nach war der Große Stadtsee früher Eigentum der Stadt. Die Punschendörper jedoch hatten damals die Verpflichtung, den Maltzans von Penzlin ein Reitpferd zu halten, was zu manchen Misslichkeiten Anlass gab. Um der Aufgabe enthoben zu sein, verpfändete die Stadt den See an die Maltzans. Wenn aber die Wellen des Sees einen genau bezeichneten Stein berühren würden, sollte der See an die Stadt zurückfallen. Maltzan jedoch ließ an dem aus dem See fließenden Bach eine Mühle, die Baronsmühle, errichten. So konnten die Wellen niemals den Stein erreichen.

„St. Marien“ mit einem stumpfen Turm
Drei große Brände, die zum Totalschaden der Stadt führten, mussten die Penzliner überstehen, mussten mit ansehen, wie der hohe Kirchturm von „St. Marien“ nach dem Brand 1725 einstürzte und wegen fehlender Mittel nur ein abgestumpftes Dach erhielt. In den Kellern der Alten Burg wurden im späten Mittelalter vor allem Frauen gefoltert, um sie als Hexen zu überführen.
Die Punschendörper gingen durch die Jahrhunderte und entwickelten einen Gemeinsinn, der für die kleine Stadt ganz besonders ist. Immer ein wenig im Schatten der großen Schwester Waren, machten sie von sich reden. Sie bauten neue Straßen, neue Häuser, renovierten die Alte Burg, bauten die Neue Burg zum Gemeindezentrum um und errichteten eine große Mehrzweckhalle. Die Stadt öffnet sich mehr und mehr dem Tourismus und sie hat einiges zu bieten.
04.03.2013 
Quelle: Nordkurier 

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