Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
27.08.2016

Quendelsuppe – ein Gruß aus der Schwarzküche

Nachdem Ferienkinder schon bei der Schatzsuche an der Burg in Penzlin erfolgreich waren, schwangen sie nun den Kochlöffel in der Hexenküche und auf dem Hof. Etwas Auserlesenes stand auf der Speisekarte. Doch zuvor musste einiges aussortiert werden.

Penzlin. Nein, vom Burgfest war er nicht übrig geblieben – der Templer in seinem historischen Gewand. Henry Tessmer begleitete am Donnerstag die junge Maid Miriam aus Kargow, die sich zur Ferienaktion „Kochen wie im Mittelalter“ angesagt hatte. „Ich stamme vom Herian reida Heerlager aus Schwastorf, dem an die 13 mittalterbegeisterte Leute angehören. Wir waren beim Schaukampf in Stargard mit dabei und auch beim Burgfest in Penzlin“, berichtete der Ritter, der im wirklichen Leben als Polizeibeamter in Waren anzutreffen ist.
Und da er die Punschendörper auf der Burg gut kennt, kam er gern, um den Ferientag mit zu unterstützen. Dabei wurde ihm von Museumsmitarbeiterin Heike Engel nicht nur das Feuer anmachen auf dem Hof übertragen.
„Ich kann schon leichte Gerichte wie Spaghetti, Salat oder Chili con carne“, sagte die elfjährige Miriam Heinsel stolz und war gespannt, was für den Mittagstisch vorbereitet werden sollte. Mit der siebenjährigen Frida Kresin gesellte sich eine Penzlinerin zur kleinen Runde.
Quendelsuppe sollte die kochen. Quendel gilt als der wilde Bruder vom Thymian, erklärte die Penzliner Fachfrau. Als Zutaten standen zudem Dinkel, Liebstöckel, Muskat, Ysop, Gemüsebrühe und Sahne bereit.
Doch bevor es ans Kochen ging, gab Heike Engel den Kindern ein Rätsel auf. Aus einer Schale mit Gemüse mussten die Schülerinnen all das aussortieren, was es im Mittelalter nicht gab. Gar nicht so einfach. Erstaunlich, dass Tomate, Mais und Kartoffeln erst sehr viel später in die Töpfe kamen. Die Museumsmitarbeiterin erinnerte an die Dichterin und Universalgelehrte Hildegard von Bingen (1098-1179), die als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittealters galt. „Sie favorisierte für eine ausgewogene Ernährung Sellerie, Dinkel, Esskastanien und Fenchel“, erfuhren die Kinder.
Auszusortieren waren natürlich auch die Plastebecher auf dem Tisch, die mit dem Mittelalter so gar nichts zu tun haben und auch heute weniger Anwendung finden sollten, sprach Heike Engel eine aktuelle Problematik in Sachen Umweltschutz an. Zu Hildegard von Bingens Zeit wurde von Holztellern und mit -löffeln oder aus Keramikschüsseln gegessen. Mit den Holzutensilien bewaffnet machten sich die Schülerinnen auf den Weg, um gemeinsam in der Schwarzküche mit der Chefköchin die Suppe zu bereiten.
„Für Kinder etwas zu kochen, das ist immer schwierig. Und dann noch Gerichte aus der Zeit des Mittelalters. Für alle Fälle habe ich noch Eierkuchenteig angerührt, der auf dem Dreifuß in einer Pfanne auf dem Hof gebacken werden soll“, verriet sie augenzwinkernd. Und ihre Kollegin Margrit Penzlin hatte bereits einen Haferbrei gekocht, der mit Zimt und Zucker schmecken sollte. Doch halt – war das denn erlaubt? „Natürlich müssen wir bei dieser Aktion auch ein wenig schummeln“, sagte Heike Engel. „Schließlich gab es im Mittelalter noch keinen Zucker. Gesüßt wurde damals mit Honig.“
Seit vielen Jahren bietet sie schon diese Aktion in den Sommerferien an, in der es neben dem Kochen vor allem auch um Kräuterkunde geht. Ist das doch ein wesentlicher Bestandteil des Kulturhistorischen Museums für Alltagsmagie und Hexenverfolgung in Mecklenburg.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

27.08.2016 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de