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16.07.2013

Rethra ist nicht Mittelerde

Das Dörfchen Passentin ist malerisch auf den sanften Hügeln in einer Biege des Aalbachs eingebettet. Ein Ort mit großer Geschichte und vielleicht schon bald einer passenden Zukunft. Gut 100 Menschen wohnen hier und genießen ihr Dorf, aber ärgern sich über bucklige Straßen und langsames Internet.
Von Ralph Schipke

Passentin. Verbittert ist Dorothee Rätsch überhaupt nicht! Traurig vielleicht. Enttäuscht oder traurig. Dass all die Ideen und Geschichten, die aus der Künstlerin nur so heraussprudeln, nicht mehr gebraucht werden. Und das in den vergangenen Jahren die einem echten slawischen Dorf nachempfundenen Häuser und das trutzige Eingangstor dem Verfall preisgegeben schienen. „Die Stämme der Palisade faulen nicht in unter der Erde.“ Dafür habe man beim Aufbau mit alter Handwerkstechnik schon gesorgt, erinnert sie sich. Das wuchernde Unkraut würde Feuchtigkeit, Bakterien und Pilze an den Stämmen einen Lebensraum bieten. So würden die mächtigen Holzstämme im schlimmsten Fall über der Erde wegfaulen. „Ein Jammer!“, kommentiert sie den derzeit noch erbärmlichen Zustand der mit viel Herzblut und historischem Wissen errichteten Anlage.
Die Bildhauerin, die seit der Wende auf der Wilhelmshöhe nahe dem Dorf bei Penzlin lebt, hat sich über Jahre intensiv mit der ganz frühen Geschichte dieser Landschaft und der Menschen, die hier vor Jahrtausenden ihre Heimat hatten, beschäftigt.
Von 1994 bis 1999 hat Dorothee Rätsch am Aufbau des Slawendorfes als mittelalterlicher Lehr- und Erlebnisort mitgearbeitet. Dann trennten sich ihre Wege von denen des Vereins, der Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffen wollte und ein touristisches Bonbon in der Hügellandschaft am Aalbach. „Genau hier muss eines der neun Eingangstore zum Heiligtum Rethra gewesen sein“, glaubt sie fest. Auch Historiker und Archäologen folgen dieser Theorie. Rethra ist ein sagenumwobener mystischer Kultort der Slawen, der sich auf der Fischerinsel im Tollensesee und an der Lieps befunden haben soll. Grabungen brachten frühgeschichtlich wertvolle Funde hervor, die den slawischen Stämmen der Redarier und der Tollenser zugeordnet werden.
All das gibt Auskunft über Lebensweise und Religion der Menschen. „Auch über die friedliche Nachbarschaft von Christen und Slawen“, weiß die historisch bewanderte Passentinerin zu berichten. Genau das war ihr Thema, das sie im Slawendorf Schulklassen und Jugendgruppen lebensnah vermitteln wollte.
Aktuell will der Neubrandenburger Verein „wild wurzeln“ in Kooperation mit „Geschichte leben“ aus Berlin das noch fest verrammelte Slawendorf mit neuem Leben erfüllen. „Los geht’s schon ganz bald“, heißt es optimistisch auf der Website des Vereins. Der hat es sich auf die Fahnen geschrieben, „Kindern und Jugendlichen Anreize zu geben, sich in ihrer, sie unmittelbar umgebenden Natur, aufzuhalten. Wir wollen gemeinsam mit jungen Menschen, essbare Wildpflanzen kennenlernen, Tiere beobachten, Fährten lesen, Hütten bauen, Feuer machen und darüber kochen, Spuren aus alten Zeiten suchen, spannende Geschichten und alte Mythen hören, traditionelle Feste feiern … spielen(d) lernen.“ Auf dem Gelände des historischen Dorfes sollen verschiedene Aktionen und Seminare von LAR (als Live Action Role Playing bezeichnetes Rollenspiel) bis Naturbildung an den Start gehen. Auch ein Naturkindergarten sei angedacht. Soweit weg scheinen die neuen Pläne vom alten Anliegen der Passentiner Künstlerin nicht entfernt zu sein. Doch Dorothee Rätsch steht dem noch ein wenig skeptisch gegenüber. „Wenn die dort nur ,Herr der Ringe‘ nachspielen, wie bereits vor der Schließung des Areals“, sei würde sich das vom ursprünglichen Ansatz weit entfernen, meint sie. „Ihr“ Dorf habe mit J. R. R. Tolkien „Mittelerde“ doch nichts zu tun. Auch sie wollte nichts anderes, als „Kinder und Jugendliche wach machen“ für Natur, Bräuche, Historie – unsere Vorfahren und alles, was sie uns heute noch für unser Leben in der Gegenwart vermitteln können.
Der Ortsteilverantwortliche im Gemeindeverbund mit der Stadt Penzlin, Robert Ernst hofft sogar, dass „wild wurzeln“ seinen Vereinssitz in sein Dorf verlegt. „Die Zukunft wäre gesichert, wie angedacht“, kommentiert er die Pläne aus Neubrandenburg. Auch der Bogenschützenverein der Viertorestadt könnte hier wieder trainieren und die Berliner brächten das „nötige Geld mit“, die Anlage für die Zukunft in Schuss zu halten.
16.07.2013 
Quelle: Nordkurier 

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