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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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15.08.2016

Rittergutsbesitzer befreit die Bauern

Ferdinand von Maltzan war seiner Zeit weit voraus. Wer unter seiner Herrschaft bei Penzlin die Felder beackerte, der konnte sich glücklich schätzen. Mit seinem revolutionären Schritt 1816 stand der Gutsherr zunächst ziemlich alleine da.

Penzlin. In Mecklenburg gab es im Mittelalter ein selbstständiges Bauerntum und es bestanden Erbpachthöfe. 1607 aber wurde den Bauern im ritterschaftlichen Landesteil auf dem Landtag in Güstrow das bisher gewohnheitsmäßig genutzte Erbzinsrecht abgesprochen. Fortan gehörten die Bauernhufen – also die Hofstellen – den Gutsherren und der Ritterschaft. Es sei denn, die Bauern konnten einen Vertrag vorweisen. Dies war jedoch nur selten möglich, da die Erbzeitpacht seit Jahrhunderten gewohnheitsrechtlich bestand und niemand sich gezwungen sah, dazu Urkunden anzulegen.
Der völlige Niedergang des mecklenburgischen Bauernstandes indes wurde nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) eingeläutet. Die Herzöge versuchten zwar, die Wirtschaft des Landes, die überwiegend aus Landwirtschaft bestand, wieder aufzubauen. Allerdings konnte nur etwa ein Viertel der verlassenen und verwüsteten Bauernstellen wieder besetzt werden. So konnten sich die Gutsherren leicht gegen den stark dezimierten Bauernstand durchsetzen und deren Rechte immer weiter einschränken. Das führte zum Bauernlegen in großem Ausmaß – Bauernhöfe wurden durch die ritterschaftliche Gutsherrschaft eingezogen und dem eigenen Grundbesitz einverleibt.
Aus heutiger Sicht katastrophale Zustände
1646 wurde eine Mecklenburgische Gesindeordnung erlassen und 1654 erweitert. Darin hieß es: Der Leibeigene darf das Gut oder Dorf, wo er geboren ist, ohne Erlaubnis seines Leibherrn nicht verlassen. Er darf nicht ohne Erlaubnis seines Herrn heiraten und ist körperlichen Strafen unterworfen. Er ist als Bauer, wenn ihn sein Herr nicht auf Pachtgeld gesetzt hat, zu bestimmten Hand- und Spanndiensten verpflichtet.
Die Landbesitzer kontrollierten die Wirtschaft und regierten ihre Ländereien mit absoluter Autorität. Für die Bauern war es eine für heutige Verhältnisse unerträgliche Situation. Sie waren völlig abhängig von den Adligen, von denen sie sogar mit oder ohne ihren Besitz gekauft und verkauft werden konnten. Die Steuer der Bauern wurde alle zwei bis drei Jahre geändert und für gewöhnlich erhöht.
1807 versuchte der Reichsfreiherr vom Stein (1757-1831) eine Reform des feudalen Systems durchzusetzen. Der preußische Staatsmann war der Ansicht, dass das Schicksal der Bauern verbessert werden muss. Er wollte jedoch die Großgrundbesitzer nicht vertreiben, sondern ihre politische Macht und ihren Einfluss einschränken und den Zustand ihrer Untergebenen verbessern.
Reichsfreiherr scheitert an den Gutsbesitzern
Zu dieser Zeit wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für einen Pfennig die Stunde gearbeitet. Der Wert von Waren, zum Beispiel von Kartoffeln, Mais und Holz, wurde vom Stundenlohn abgezogen. Den größten Anteil ihres Lohns erhielten die Bauern in Naturalien.
Steins Reformen besagten, dass Bauern ihren Wohnsitz ohne Genehmigung verlassen und Kinder ein Handwerk erlernen durften. Aber die Landherren verweigerten die Verwirklichung dieser progressiven Maßnahmen, das Edikt wurde nie durchgesetzt.
Ausgehend von der mecklenburgischen Burg Penzlin hatte die Familie Maltzan schon über Jahrhunderte Besitz und Rechte auf den umliegenden Gütern. Die Penzliner Herrschaft umfasste 1530 den größten zusammenhängenden Lehensbesitz hinter den Herzögen von Mecklenburg. Zu dem weit über 20 000 Hektar großen Grundbesitz zählten die beiden Städte Penzlin und Prillwitz sowie 30 Dörfer und Vorwerke.
Nach dem Tod seines Vaters 1805 erhielt Ferdinand von Maltzan infolge eines Erbvergleichs mit seinen beiden Brüdern Friedrich und Adolph die Güter Penzlin, Werder, Bauhof und Neuhof, Krukow, Mallin, Rehse und Wustrow, aus denen er ein Familienfideikommiss stiftete.
Maltzan nahm an der Spitze des Penzliner Landsturm-Bataillons an den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 teil. 1816 nutzte er die Gunst der Stunde und löste ein drei Jahre früher gegebenes Versprechen ein. Er ließ sich vom Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin die Aufhebung der Leibeigenschaft auf seinen Gütern bestätigen. Die Verfügung dazu wurde am 18. August 1816 durch Präpositus Eberhard von der Penzliner Kanzel verkündet. Damit hob Georg Ferdinand von Maltzan als erster Gutsherr in Mecklenburg die Leibeigenschaft auf seinen Gütern auf – trotz der Proteste seiner Standesgenossen.
Erst 1822 wurde die Leibeigenschaft in ganz Mecklenburg rechtlich abgeschafft und die Bauern wurden von ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Landherren befreit. Die Gutsherren erhielten jedoch ein Kündigungsrecht und die Bauern verloren ihr vorher durch Geburt erworbenes Heimatrecht.
Herrlicher Blick mit steinerner Erinnerung
Zur Erinnerung an Ferdinand von Maltzan errichtete sein Sohn, der Erblandmarschall Johannes von Maltzan, zum 100. Jahrestag der Verkündung der Aufhebung der Leibeigenschaft am 18. Oktober 1916 ein Denkmal auf dem Galgenberg nahe Penzlin. Der Obelisk dort bei Neuhof, einem Ortsteil von Penzlin, ist ein schönes Wanderziel. Ein herrlicher Blick in die hügelige Landschaft belohnt die Mühe des Aufstiegs.
Nun zum 200. Jubiläum dieses bedeutsamen Ereignisses machen die Neubrandenburger Amateurfunker mit einer besonderen Aktion darauf aufmerksam. Zum Projekt „200 Jahre Aufhebung der Leibeigenschaft in Penzlin“ ist das Sonderrufzeichen „DM200PZL“ das ganze Jahr über aktiviert. Neben anderen Aktivitäten wie einem Kolloquium findet am 23. Oktober ein Festgottesdienst in der Penzliner Kirche St. Marien statt.

Wolfgang Fuhrmann

15.08.2016 
Quelle: Nordkurier 

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