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26.01.2017

Sarah H.: Angeklagter sah sich vom BND verfolgt

In einem der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre musste sich am Mittwoch Axel-Ingo G. aus Alt Rehse für den Tod seiner Lebensgefährtin verantworten. Zum Auftakt vor dem Landgericht Neubrandenburg schwieg der 51-Jährige. Doch seine früheren Auskünfte lieferten Gesprächsstoff genug.

Alt Rehse/Neubrandenburg. Er vertraue seinem Rechtsanwalt. Mehr war von Axel-Ingo G. am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Neubrandenburg nicht zu hören. Der unscheinbare, bieder wirkende Mann im grauen Pullover, dem die Staatsanwaltschaft im Fall Sarah H. Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge vorwirft, hüllte sich am Mittwoch in Schweigen.
Sein Wahlverteidiger Henning Köhler hätte es ohnehin lieber gesehen, das Publikum von der Verhandlung auszuschließen, weil er die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten und der Toten verletzt sah. Dem Antrag wurde aufgrund des großes Informationsbedürfnisses der Öffentlichkeit bei der Schwere der Straftat nicht stattgegeben.
So bekamen die vielen Besucher und Medien-Vertreter grausige Einblicke in das, was sich laut Angeklagtem etwa zwei Monate vor dem 9. August 2016, als die stark verweste Leiche gefunden wurde, in seinem Haus in Alt Rehse abspielte. Denn bei der Vernehmung am 10. August hatte sich der 51-Jährige weitaus redseliger gegeben und der Polizei Details genannt, wie seine damalige Lebensgefährtin zu Tode kam. „Er war der Meinung, dass Sarah H. auf ihn angesetzt worden war, ihn aushorchen und ausspionieren sollte und dass der Auftraggeber der Bundesnachrichtendienst wäre”, sagte Kriminalhauptkommissar Harry Jannermann, der mit einem Kollegen die Befragung durchführte. Zudem habe Axel-Ingo G. das Opfer beschuldigt, seine Brillen und Schlüssel geklaut zu haben.
Der Zeuge skizzierte das Martyrium, das Sarah H. durchlebt haben muss, als der Angeklagte sie nackt mit den Händen ans Bett fesselte, ihre Haare festband und mit einer selbst gebauten Peitsche samt Lederfransen auf ihren ganzen Körper einschlug. Axel-Ingo G. selbst habe von „Druck ausüben” gesprochen, um heraus zu bekommen, was sie von ihm wolle. Im Protokoll soll er selber das Wort „Folter” benutzt haben.
Die Gewalttat dauerte nach seiner Schätzung etwa zwei Stunden. „Dann sagte Sarah H., ihr sei schlecht und sie habe Durst, worauf der Angeklagte nicht reagierte. Auch nicht als sie flehte”, so Jannermann. Erst als sie ohnmächtig wurde, habe Axel-Ingo. G. sie losgebunden und einen Reanimationsversuch unternommen. Das Opfer sei noch einmal kurz zu Bewusstsein gekommen, doch eine weitere Reanimation sei erfolglos geblieben. Da habe er die Tote in Decken, Plastiksäcke, Folien und Isomatten eingewickelt und auf einer Sackkarre festgebunden.
Wie Sarah H. am 9. August vorgefunden wurde, führte der sachverständige Gerichtsmediziner Dr. med. Klaus-Peter Philipp aus. Gleich nach seiner Ankunft habe er ein großes „Geruchs-Aufkommen” aus dem Badezimmer festgestellt. „Davon und aufgrund der Flüssigkeit, die ausgetreten war, konnte man auf Fäulnisveränderungen schließen. Es waren auch zahlreiche Fliegenpuppen-Hülsen und Maden vorhanden”, sagte der Experte. Bei der Analyse in Greifswald sei der Fund schichtweise freigelegt worden. „Es waren die Überreste einer weiblichen Leiche, wobei der Schädel schon völlig skelettiert war.”
Brüche, Schuss- oder Stichverletzungen seien nicht erkennbar gewesen. Auch keine toxikologischen Funde. Die Identität der Leiche wurde schließlich mittels Mundschleimhaut-Abstrich des Vaters geklärt. „Für mich sind die Peitschen-Schläge nicht todesursächlich, sondern eher eine Behinderung der Atemtätigkeit. Das hinge aber von der genauen Fixierung ab”, lautete Philipps Fazit. Denkbar sei auch ein Kreislaufzusammenbruch.
Während die Verteidigung die Zulässigkeit der Hausdurchsuchung sowie der Vernehmung des Mandanten samt Beweis-Erhebung und -Verwertung aufgrund seines psychischen Zustands bezweifelt und den Bundesgerichtshof eingeschaltet hat, wird die Verhandlung am 13. Februar und 1. März, jeweils ab 10 Uhr, fortgesetzt. Das Verfahren wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte bei der Festnahme sowie wegen Körperverletzung wird gesondert verhandelt.
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f.ferber@nordkurier.de

26.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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