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09.03.2016

Schön zäh: Saat aus der Sandkiste

Die Lupine gibt sich „zickig“ und Grassamen will sortenrein an den Landwirt oder Kleingärtner gebracht werden. Im Saatgut- und Pflanzenzuchtbetrieb, der von Anfang an als Einheit mit dem Dorf erdacht war, herrscht gerade Hochsaison.

Bocksee. Sabine Rumpel überwacht die Reinheit von „Mercedes“. Die blassgelben Körner der Weidelgrassaat fallen durch mehrstufige Siebe, die Wildkräutersamen aussieben und im Flug werden Strohreste ausgeblasen. Es ist so ähnlich, wie beim Aschenputtel: Die guten ins Töpfchen… Nur dass Sabine Rumpel mit ihren Kollegen – knapp 30 Mitarbeiter hat die Firma, die dieses Dorf prägt – derzeit im Zweischicht-Betrieb die Qualität der Futterernte der kommenden Saison mitbestimmt.
Warum der Saatzuchtbetrieb bereits 1956 gerade hier entstand, kann sein Geschäftsführer Heiner Wüsten erklären. Der promovierte Landwirt und gebürtige Rheinländer ist vor 13 Jahren über Bayern und Süddeutschland nach Mecklenburg gelangt. Genau genommen, sind es die widrigen Bedingungen, die Saatzucht gerade an diesem Standort spannend machen. Heiner Wüsten und seine Familie ist gern hierhergekommen – sowohl aus landwirtschaftlicher, als auch aus landschaftlicher sich. „Es ist hier ein attraktives Gebiet um Landwirtschaft zu betreiben und zugleich eine große Herausforderung in alle Richtungen,“ erklärt er. Ziemlich extreme Witterung mit wenig Niederschlägen, dazu ein sandiger, karger Boden, den die Eiszeit hierher auf das Hochplateau am Rande des Müritz-Nationalpark geschwemmt hat.
Und gerade hier lassen sich robuste Sorten für die Bauern heranzüchten. So dachten bereits zu DDR-Zeiten die Agrarbiologen Professor Heinz Kress und Dr. Martin Brummund von der Versuchsstation in Groß Lüsewitz bei Rostock und initiierten den Aufbau der Zuchtstation zwischen Müritz und Tollensesee. Seit 1992 nun in einem Unternehmen mit dem 1920 gegründeten Mutterhaus „Saatzucht Steinach“ in Bayern funktioniere das, sagt Wüsten, besonders gut. Dort herrschen wieder etwas anders unwirtliche Bedingungen, um die kräftigsten Samen für Rasen- und Futtergräser, Luzerne, Klee, Zwischenfrüchte und Getreide zu gewinnen. Einen weiteren Betrieb im Verbund gibt es in Ballin bei Burg Stargard, den Wüsten auch leitet.
Auch die Rasensaat für manchen Kleingärtner oder Fußballplatz könnte von hier oder aus Steinach stammen. Um Großhandel und professionelle Landwirte noch besser beliefern zu können, wurde im vergangenen Jahr in eine neue Absack- und Palletieranlage investiert.
Vermehrerberater und Produktionsleiter Bernd Schachler, ein Ur-Bockseer, der seit 1977 im Dorf lebt und seit 2002 wieder bei der Saatzucht arbeitet, erklärt die Arbeitserleichterung: Innerhalb von vier bis fünf Wochen herrsche in der Aufbereitung von Saatgut Hochbetrieb, insbesondere im Herbst, und es seien 1000 Tonnen Saatgut für die neue Saison fertigzumachen. Drei Mitarbeiter mussten pro Stunde 50 bis 70 mal 50-Kilogramm-Säcke füllen und bewegen. Die Bereitstellung für den Versand laufe nun mit weit weniger körperlicher Anstrengung. „Und zwei Leute schaffen jetzt 240 bis 270 Säcke in der Stunde.“ Derzeit sogar im Zwei-Schicht-Betrieb. Die Bauern wollen bald aufs Feld und säen.
Außer der arbeitsintensiven Saatgutgewinnung, die zudem viel Erfahrung verlangt, werden auch neue Sorten in Bocksee gezüchtet, berichtet Heiner Wüsten weiter. Diese werden in Deutschland verkauft aber auch nach Skandinavien, in die Schweiz und nach Japan exportiert.
Um die „Sandkiste“ mit organischem Dünger aufpeppen zu können, werden auch noch Schweine als Güllespender von dem ganz besonderen und doch ganz gewöhnlichen Landwirtschaftsbetrieb gehalten. Derzeit ganz besonders interessant ist dort aber die Lupine als heimischer Eiweißlieferant für Mensch und Tier. Noch so eine Herausforderung für Heiner Wüsten und sein Team. „Wir setzen große Hoffnung darauf. Aber die Erträge schwanken sehr stark“, beschreibt er die Krux mit der heimischen Pflanze, die theoretisch übers Meer geschippertes Soja ersetzten könnte. „Es ist aber nicht ganz einfach, für die Konstanz des Futters von Lieferung zu Lieferung zu sorgen“, erklärt der Züchter. Die Lupine sei eine recht „zickige“ Pflanze. Also kreuzen und suchen sie in der „Sandkiste“ von Bocksee weiter danach, welche neue Sorte die hohen Anforderungen der professionellen Landwirtschaft erfüllen könnte.

09.03.2016 
Quelle: Nordkurier 

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