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15.07.2016

Scharf(f) und mit Rückgrat

Wilhelm Scharff traute sich, was sich damals im sogenannten Dritten Reich nicht viele wagten. Er verweigerte die Mitarbeit im Penzliner Magistrat. Heute erinnert eine Straße an den beliebten Penzliner, der ein jähes Ende fand.

Penzlin. Seit fast 70 Jahren trägt die Straße zur Neuen Burg in Penzlin den Namen „Wilhelm-Scharff-Allee“. Sie hatte vorher keinen Namen und führte durch das Gelände des zur Neuen Burg gehörenden sogenannten „Hasengartens“. Wilhelm Scharff, der von 1890 bis 1946 lebte, war der Sohn eines Penzliner Landarbeiters. In Penzlin besuchte Scharff die Stadtschule und begann im Jahr 1905 eine Tischlerlehre in der Penzliner Firma Alfred Schröder, die er 1909 abschloss.
Das war auch das Jahr, in dem Wilhelm Scharff Mitglied der SPD wurde. Kurz darauf, im Jahr 1910, verließ Scharff seine Heimatstadt, um in Husum in einer Möbelfabrik zu arbeiten. Seine Wanderjahre führten ihn 1911 und 1912 auf eine Werft in Bremerhaven. Als Bautischler arbeitete Wilhelm Scharff 1913 in Warnemünde und bis August 1914 in Teterow. Am Ersten Weltkrieg nahm der Penzliner ab August 1914 bis November 1918 als Pionier teil. Aus dem Krieg zurück, wurde Wilhelm Scharff ab 1919 Mitarbeiter der Penzliner Firma Schröder. Er engagierte sich politisch und war von 1919 an SPD-Stadtvertreter in Penzlin, von 1928 an war Scharff besoldeter Stadtrat in der Stadt.
Wilhelm Scharff zeigte 1933 Rückgrat: Nach der Machtübernahme der NSDAP lehnte er eine weitere Mitarbeit im Magistrat der Stadt Penzlin ab. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Werksmeister in der Firma Schröder. Schon am 11. Mai 1945 wurde Wilhelm Scharff zum Bezirksbürgermeister des Verwaltungsbezirks Penzlin ernannt. Am 9. September 1946 starb Wilhelm Scharff dann überraschend: Er erlitt während einer Wahlkampfrede, die er auf einer Einwohnerversammlung hielt, einen Herzinfarkt.
„Die Penzliner haben Wilhelm Scharff sehr verehrt“, berichtet Penzlins Stadtarchivarin Susan Lambrecht. Sie beschäftigt sich gerade mit der Biografie von Scharffs Nachfolger, mit Oskar Bahmann. In seinen Memoiren schrieb dieser: „Die Beisetzung (Scharffs, Anm. d. A.) fand unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung statt.“ In Bahmanns Erinnerungen sowie auch in einer Erinnerung von Annelie Thorndike, die zu dieser Zeit als Lehrerin in Penzlin arbeitete, wird Wilhelm Scharff als Gemütsmensch beschrieben, der auch gern mal platt snackte. Am 1. Mai 1947 erhielt die Straße zur Neuen Burg dann endlich einen Namen: Sie wurde zur „Wilhelm-Scharff-Allee“ und ist es bis heute geblieben.

15.07.2016 
Quelle: Nordkurier 

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