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28.06.2016

Schliemann-Museum muss um den Eintrag ins Blaubuch fürchten

Verändertes EU-Recht und damit einhergehend neue rechtliche Fragen vor Ort verzögern die Gründung der gemeinnützigen Museen-Gesellschaft des Kreises. Das könnte zu einer Art Schicksalsfrage für eine national bedeutende Kulturstätte werden.

Waren/Demmin. Die Gründung der gemeinnützigen Museen-Gesellschaft des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte zieht sich offenbar länger hin, als zunächst gedacht. Im Februar hatte die Geschäftsführerin der in Demmin ansässigen, kreiseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft wfm, Sabine Lauffer, noch gehofft, die MuSeEn gGmbH bis Jahresmitte zum Laufen bringen zu können. Allerdings hatte sie da schon vor zu großen Erwartungen gewarnt: „Das hängt auch von Zusagen des Finanzamtes ab, und das kann Monate dauern.“ Damit scheint sie recht zu behalten. Unter anderem, weil sich zwischenzeitlich EU-Recht geändert habe, seien noch rechtliche Fragen zu klären, sagte sie vor der Kreistagsfraktion der Grünen.
Deren Vorsitzendem, Helge Kramer, liegt insbesondere das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen am Herzen. Es zählt zu den wenigen Einrichtungen im Landkreis, die im Blaubuch für Kulturstätten mit besonderer nationaler Bedeutung stehen. „Das“, sagt Kramer, „ist sozusagen der Nobelpreis.“ Schon als der Kreistag im Jahr 2014 beschloss, das Schliemann-Museum, das Agroneum in Alt Schwerin und das Welcome-Center im Mirower Dreiköniginnen-Palais an die damals noch nicht einmal existierende wfm zu übertragen, hatte Kramer vor diesem Schritt gewarnt. Er befürchtete für das Schliemann-Museum den Verlust der Gemeinnützigkeit, die nach seiner Darstellung ebenso eine Voraussetzung für den Blaubucheintrag ist wie eine relative Selbstständigkeit des Museums. Um den Jahreswechsel herum drohten sich solche Befürchtungen zu bewahrheiten. Weil die wfm selbst nicht als gemeinnützig gilt, stand auch das an sie zu übertragende Museum vor dem Verlust dieses Status. Das sollte mit der Gründung der gemeinnützigen wfm-Tochtergesellschaft MuSeEn gGmbH verhindert werden, und Sabine Lauffer, seit Juli vergangenen Jahres im Amt, stand damit plötzlich vor der Aufgabe, gewissermaßen die Fehleinschätzung des Kreistags auszubügeln.
Wenig überraschend also, dass Kramer jetzt nach dem Stand der Dinge fragte, als die wfm-Geschäftsführerin zu Gast bei der Grünen-Fraktion war. Gleichzeitig kritisierte er die Museumspolitik des Kreises: „Ins Agroneum sind Steuergelder reingeflossen, als wäre es das Bistum Limburg, und für Schliemann ist nichts mehr da.“ Beide Einrichtungen seien aber nicht vergleichbar. Das Agroneum stehe eher auf der Ebene einer Heimatstube, das Schliemann-Museum sei von nationaler Bedeutung. „Wenn man den Blaubuch-Eintrag leichtfertig in den Wind schießt, haben wir eine bundesweite PR, aber keine gute.“
Das will indessen auch Sabine Lauffer verhindern. „Deshalb“, sagte sie, „machen wir ja diese relativ komplizierte Konstruktion.“ Sie konnte zwar noch keinen Vollzug melden, aber über Fortschritte berichten. So werde der Vertrag des Ankershagener Museumsleiters verlängert und überlegt, wie weiter eine wissenschaftliche Leitung gestaltet werden könne. Denn in Ankershagen soll weiter Forschung betrieben werden. Daran liegt offenbar auch dem Land. Das habe sein Interesse daran in einem Gespräch signalisiert, sehe aber keine Möglichkeit zu einer Beteiligung an dem Museum.
Ganz ohne Veränderungen wird es bei den drei Museen jedoch wohl nicht abgehen. Deutschlandweit wird laut Sabine Lauffer derzeit mit einem Rückgang der Besucherzahlen um etwa sechs Prozent gerechnet. Vor diesem Hintergrund steht für sie fest: „Wenn die Besucherzahlen wenigstens stabil bleiben sollen, reicht eine 20 Jahre alte Dauerausstellung nicht aus.“ Erste Schritte in Richtung Zukunftsfähigkeit mit einer gewissen Verknüpfung und gemeinsamen Vermarktung der drei Einrichtungen sind offenbar gemacht. „Die Mitarbeiter“, so Sabine Lauffer, „haben sich da unwahrscheinlich engagiert.“
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g.wagner@nordkurier.de

28.06.2016 
Quelle: Nordkurier 

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