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26.01.2018

Schliemann und die Mumiendrucke

Von einer Schatzkammer ist die Rede in einer der drei Ägyptischen Humoresken eines Düsseldorfer Autors. Diese und zwei weitere Bücher sind eine neue Kostbarkeit im Schliemann-Museum, gelten sie doch als bibliophile Rarität.

Ankershagen. Eher ein Zufall bescherte der Bibliothek des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen eine Rarität. Dabei handelt es sich um die „Ausgegrabenen Bücher” des Düsseldorfer Kunstmalers und Schriftstellers Carl Maria Seyppel (1847-1913), der ein Verehrer Schliemanns war. Mit vergilbten Blättern, ausgefransten Rändern und Sackleineneinband kamen die Veröffentlichungen wirklich so daher, als wenn sie irgendwo aus der Tiefe eines Schachtes geborgen wurden.
Dr. Wilfried Bölke, Vorstandsmitglied der Heinrich-Schliemann-Gesellschaft, erinnert sich an seinen Arbeitsaufenthalt in der Gennadius Libary 2010 in Athen. „Für mein jüngstes Buch recherchierte ich in Briefen Schliemanns, die dieser an seinen Vater und die Geschwister geschrieben hatte. Dabei bat mich Professor Georg Korres darum, ihm aus dem schriftlichen Nachlass Schreiben Schliemanns an C. M. Seyppel zu transkribieren”, erzählt der frühere Leiter des Schliemann-Museums Ankershagen.
Mit dem Namen konnte er anfangs nichts anfangen, tat seinem griechischen Freund aber den Gefallen und nahm sich die auserwählten fünf Briefe vor. „Je mehr ich mich aber mit dem Inhalt befasste, umso mehr wurde meine Interesse an der Person Seyppels und seiner Beziehung zu Heinrich Schliemann geweckt”, ist von Wilfried Bölke zu erfahren.
Seit Anfang der 1880er Jahre schuf Seyppel humoristische Bildergeschichten im Stile Wilhelm Buschs und versah seine gezeichneten Einzelbilder mit gereimten Texten. So entstanden die drei ägyptischen Humoresken, die den Düsseldorfer schlagartig bekannt machten.
Dabei schlüpfte er in die Rolle eines altägyptischen Hofmalers und Poeten. „Er griff ein Thema auf, das die Menschen seiner Zeit faszinierte. Denn im Laufe des 19. Jahrhunderts bildete sich eine Begeisterung für die klassische Antike, ein neues Interesse für Kunst und Kultur des alten Ägyptens heraus”, kommt Wilfried Bölke auf die erfolgreichen Veröffentlichungen dieser sogenannten Mumiendrucke zu sprechen. Dabei befasste sich der Autor in Vorbereitung seiner grafischen Darstellungen intensiv mit ägyptischen Formen und Symbolen, besuchte dafür mehrmals das Neue Museum in Berlin.
Mit seiner ersten Humoreske „Schlau, schläuer, am schläusten” erzählt der Dichter 1882 die ausgedachte Geschichte von Pharao Rhampsinit, der seinen angehäuften Reichtum in einem Schatzhaus verwahrte. Ein loser Stein im Gemäuer führte schließlich dazu, dass die Söhne des Schatzmeisters später auf Diebestour gingen. Einer verlor dabei sein Leben. Der Zweite schaffte es durch besondere List, Gemahl der Pharaonentochter und damit Thron-Nachfolger zu werden. Und eben diese Humoreske widmete der Düsseldorfer Kunstmaler ganz bewusst Heinrich Schliemann. Galt dieser doch als berühmtester Ausgräber.
1881 schenkte Schliemann seine Sammlung trojanischer Altertümer dem deutschen Volk und wurde Ehrenbürger von Berlin. Seyppel wollte diese Popularität nutzen und hatte Glück. Denn Schliemann nahm das Angebot an, wurde Buchpate. Wie von Wilfried Bölke zu erfahren war, übertraf der Erfolg der ersten Auflage alle Erwartungen, es gab insgesamt vier Auflagen dieser ersten Humoreske. Auch die nachfolgenden Bücher fanden große Beachtung bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Die ersten beiden ägyptischen Humoresken sind auch ins Englische, die zweite zudem ins Französische übersetzt worden.
„Ich habe diese Bücher in Namen der Schliemann-Gesellschaft in Antiquariaten ankaufen können. Sie stellen Besonderheiten im Ankershagener Schliemann-Archiv dar“, freut sich Wilfried Bölke und verweist darauf, dass die Bücher in der Präsenzbibliothek allerdings nur für Forschungszwecke zur Verfügung stehen. Während eines Sonntagsvortrags im Vorjahr stellte er diese Veröffentlichungen von Carl Maria Seyppel vor. In Zusammenarbeit mit Georg Korres ist dazu eine Veröffentlichung für die Reihe „Mitteilungen aus dem Heinrich-Schliemann-Museum” angedacht worden.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

26.01.2018 
Quelle: Nordkurier 

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