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25.08.2015

Siehdichum: Ohne Papier wollen wir fort von hier

In der Reihe „Kuriose Ortsnamen“ hat sich der Nordkurier vor Kurzem auch in Siehdichum umgesehen. Und Leserin Edeltraud Rux, geborene Ruppert, aus Friedland, hat sich erinnert – an ihre Jugendjahre in dem Dorf, über das die Kinder damals sogar ein (wenig schmeichelhaftes) Lied sangen. Edeltraud Rux erzählt.

Siehdichum. 1948 zogen meine Eltern und wir vier Kinder von Gramzow bei Teterow nach Siehdichum, um dort eine Siedlung zu übernehmen. Zuvor lebten wir von 1945 bis 1948 als Vertriebene aus Westpreußen in einer Schnitterkaserne mit sechs Personen in einem Raum. Drei Betten mit Strohsäcken gehörten zur Einrichtung.
In Siehdichum gab es für uns auch nur einen Raum mit integriertem Lehmkochherd in einer Scheune aus Feldsteinen. Später bekamen wir etwa 100 Meter weiter in der Schmiede eine Küche dazu, sodass wir nicht mehr im Wohn- und Schlafraum kochen mussten. Wir Kinder gingen in Lübkow zur Schule – ohne richtiges Schuhwerk auch im Winter. Mein Vater schnitzte die Holzsohlen von Erlenholz und nutzte das Oberleder von unseren abgelaufenen, kaputten Schuhen. Im Sommer waren wir meist barfuß unterwegs. Die Lehrerin, Frau Tews, unterrichtete die Schüler auch aus den umliegenden Dörfern wie Werder und Neuhof. Ab der 5. Klasse kam Herr Küper als Russischlehrer dazu. Mir fiel der Unterricht leicht, weil ich in der Heimat Polnisch lernen musste.
1950 besuchte ich dann in Penzlin in der 7. und 8. Klasse die neu gegründete „Martin-Andersen-Nexö-Schule“. Damalige Schulleiterin war Annelie Kunigk, später Thorndike. Wir sind montags zu Fuß nach Penzlin gegangen und sonnabends dann nach Hause. Für uns war das damals sehr schön. In der Pause gab es sogar ein Brötchen oder manchmal eine Kuchenschnecke.
In Siehdichum pflügte mein Vater den Acker mit zwei Kühen, die sich recht störrisch zeigten. Der Stall wurde aus Stangen und Strohballen errichtet. So gab es Milch und Butter sowie Kartoffeln und Gemüse. Meine Eltern zogen 1953 von Siehdichum weg, weil meine Mutter sehr krank wurde. Die Schwester ging nach Penzlin in Stellung und meine Brüder zur Johann-Heinrich-Voß-Schule nach Punschendörp. Wir zogen nach Groß Nemerow, wo mein Vater eine Stelle im Rinderstall der LPG bekam. Hier gab‘s schon mehr Wohnraum und bessere Bedingungen. 1955 bauten die Eltern mit Unterstützung der LPG ein Haus. Ich begann im Kindergarten zu arbeiten und absolvierte von 1956 bis 1958 ein Direktstudium in Schwerin. Seit 1961 wohne ich in Friedland.
An Siehdichum erinnere ich mich gerne, auch an Lübkow und Penzlin. Inzwischen schaute ich dort auch schon mal wieder vorbei. Es kommt mir immer noch alles so klein vor. Aber man hat ringsum die schöne Aussicht auf die Landschaft. Heute wohnt dort ein Kindergartenkind von mir, vieles hat sich zum Guten verändert.
Übrigens sangen wir Kinder immer: Siehdichum, Kiek di um, hier gibt es keine Zigaretten, kein Papier, darum woll‘n wir fort von hier!“

25.08.2015 
Quelle: Nordkurier 

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