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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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20.01.2016

So schön wie einst: Großvater Gerwoll würde sich freuen

Ein Penzliner hat ein authentisches Fassadenbild aus dem frühen 20. Jahrhundert zurück ins Stadtbild geholt. Ohne Fördermittel, dafür aber in vielen Stunden kleinteiliger Arbeit. Doch die liegt ihm auch im Blut.

Penzlin. Er ist der Stadt um eine Nasenlänge voraus. Während Penzlin in diesem Jahr die Sanierung der Bahnhofstraße beginnen will, hat Wolfgang Gerwoll seine Baumaßnahme in eben dieser Straße schon abgeschlossen. Und das in vielen Arbeitsstunden, aus eigener Tasche, ohne jegliche Fördermittel, da das Haus mit der Straßennummer 6 außerhalb des Sanierungsgebietes liegt.
Nun hebt es sich mit der neuen Fassade deutlich ab und ist zu einem Blickfang geworden. Wie der Name über der Eingangstür verrät, wurde es einst von Malermeister Hermann Gerwoll gebaut. „Das war mein Großvater, der 1909 den Grundstein legte. Auch mein Vater arbeitete als Maler und ich selbst erlernte diesen Beruf bei Baureparaturen in Neubrandenburg“, erzählt der 56-Jährige, der in der Bahnhofstraße 6 aufgewachsen ist und heute das familiäre Anwesen hütet. Drei Mietparteien gibt es noch in diesem Gebäude. In der unteren Etage befand sich auch mal ein Zigarrenladen und später ein Geschäft mit Schreibartikeln.
Der Anstoß für die Fassadengestaltung kam mit der geplanten Neueindeckung des Daches im Sommer vergangenen Jahres. „Mit der Einrüstung des Hauses hatte ich beste Möglichkeiten für mein Vorhaben. Während mein ehemaliger Schulkamerad Mario Röse mit seiner Dachdeckertruppe in luftiger Höhe arbeitete, nahm ich mir die Fassade abschnittsweise vor“, erzählt er. Gut 30 Jahre wurde an der Außenfront nichts getan, was sich inzwischen nicht nur am bröckelnden Putz zeigte. Farben waren zu DDR-Zeiten knapp und hielten den Witterungseinflüssen nicht allzu lange stand. Mit dem Hammer klopfte Wolfgang Gerwoll schadhafte Stellen ab und putzte neu. Dabei gaben ihm die unterschiedlichen Putzoberflächen und die zahlreichen Schmuckelemente so manche Nuss zu knacken. Er wollte diese Dinge unbedingt erhalten, musste das aber ohne jegliche Schablone meistern. „Eine Skizze für die Farbgebung habe ich mir nicht gemacht. Die Ideen dafür hatte ich schon längst in meinem Kopf“, sagt der Penzliner. Und so dominieren Grau- mit Gelb- und Weißtönen. Erhalten geblieben sind die alte Haustür und die Holzfenster im unteren Bereich.
„Der Eigentümer hat sich bemüht, die aufwändigen Details dort zu rekonstruieren, wo sie verloren gegangen sind. So lässt sich heute gut nachempfinden, welche Gestaltung der Zeitgeist in den ersten Jahrzehnten nach 1900 hervor gebracht hat“, sprach Peter Handsche, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, während des Jahresempfangs eine Anerkennung für die Sanierung aus. Historische Bausubstanz wurde erhalten und der Straßenraum aufgewertet.
„In diesem Jahr nehme ich mir noch das Treppenhaus vor und bin froh, dass ich dafür alte Schablonen und Farbrollen nutzen kann“, kommt Wolfgang Gerwoll auf bevorstehende Arbeiten zu sprechen. Dass sein Zuhause schon immer zu den besonderen Häusern in der Penzliner Bahnhofstraße zählte, wird Besuchern auch im großzügigen Eingangsbereich deutlich. Hier zieren zahlreiche Bemalungen die Wände. Hobbymäßig widmet sich der Penzliner übrigens einem ganz anderen Metier. Denn er ist Mitglied im Verein der Motorradfreunde und liebt es, mit der Chopper durch die Lande zu fahren.

Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

20.01.2016 
Quelle: Nordkurier 

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