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01.03.2013

Stadt und Dorf auf der Schulbank

Dass es in Penzlin einst eine Nexö-Schule gab, ist fast in Vergessenheit geraten. Ein ehemaliger Schüler aus dem Arbeitskreis für Stadtgeschichte erinnert sich.
Von unserem Mitarbeiter
Friedrich Steinke

Penzlin. Um den Schülern in Dorf und Stadt gleiche Bildungsmöglichkeiten zu geben, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Gedanke einer Zentralschule in Penzlin geboren. Kinder der Landgemeinden sollten internatsmäßig untergebracht werden. Die Zentralschule „Martin-Andersen-Nexö“ war die erste ihrer Art in der DDR.
Penzlin war für die Schüler aus den Landgemeinden oft nur mit Strapazen zu erreichen. Schulbusse, wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Übrig blieb meist nur, montags zu Fuß nach Penzlin und Sonnabend wieder nach Hause zu laufen - bei Wind und Wetter. Wer Glück hatte, wurde vom Milchwagen mitgenommen. Nur wenige konnten ein Fahrrad ihr eigen nennen.
Im März 1948 begann der Umbau der Neuen Burg zur Zentralschule. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 7. Oktober 1949, dem Gründungstag der DDR. Die Losung: „Stadt und Land – gleicher Bildungsstand“. Annelie Kunigk war die erste Schulleiterin.
In der oberen Etage des Hauses wohnten die Schüler. Im Erdgeschoss waren Lehrerzimmer, drei Klassenräume, ein Lehrmittelraum und der Speiseraum eingerichtet. Im Kellergeschoss hatte der Hausmeister, der bei den Schülern „Nante Köhn“ hieß, weil er mit Berliner Dialekt sprach, sein Domizil. Die Schulküche, in der Frau Wild das Sagen hatte, war ebenfalls im Kellergeschoss. Essen und Geschirr wurden mit einem handbetriebenen Aufzug befördert.

Von sauberen Fingern und Schundliteratur

Großer Wert wurde auf Sauberkeit und Pünktlichkeit gelegt. Nicht selten wurden Bettenbau, Schrankordnung und vor dem Essen die Hände auf Sauberkeit kontrolliert. Für die Versorgung in der großen Pause holte der Hausmeister jeden Morgen Brötchen oder Streuselschnecken vom Bäcker Krumm.
Nach der Abendmahlzeit bis zur Nachtruhe um 22 Uhr war allgemeine Freizeitbeschäftigung, zum Beispiel Probe im Schülerchor unter Leitung des Musiklehrers Kurt Köhn. Zur Abwechslung der vorgegebenen Pflichtliteratur wie zum Beispiel „Neuland unterm Pflug“ von Aschajew wurde so genannte Schundliteratur wie Karl May gelesen.
Spitznamen im eigentlichen Sinn hatten die Lehrer nicht. Wenn aber die Worte „römisch eins, arabisch acht“ zu hören waren, wussten alle, dass Herr Heuer gemeint ist. Der verlangte stets eine Gliederung bei schriftlichen Arbeiten und so hieß es bald „römisch eins, arabisch acht, die Gliederung ist gemacht“.
Während des Schuljahres 1952 traten am Gebäude erhebliche Schäden auf, die eine weitere Nutzung des Hauses nicht mehr zuließen. In der heutigen Stadtbibliothek wurde kurzfristig die Schulküche sowie Klassen- und Schlafräume eingerichtet. Vorübergehend diente der Rittersaal in der Alten Burg als Klassenraum. Die Schüler wurden nach und nach in die Johann-Heinrich-Voss-Schule integriert. Mit dem Abitur 1958 ist das Ende der Oberschule verbunden.

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red-waren@nordkurier.de
01.03.2013 
Quelle: Nordkurier 

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