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13.02.2017

Umzug aus Liebe bringt Künstlerin zum Blühen

Josephine Rätsch ist fasziniert von mecklenburgischen Landschaften und von der Idee, der Vergänglichkeit der Natur Bleibendes hinzuzufügen. Dafür fand die junge Frau in einem Ortsteil von Penzlin nicht nur ein Zuhause.

Passentin. Wo Liebe erblüht, kann noch viel mehr gedeihen. Das mag pathetisch klingen, kann aber ziemlich wörtlich genommen werden in der Geschichte von Josephine Rätsch. Denn die junge Frau hat sich nicht nur der Liebe wegen aus ihrer vorpommerschen Heimat in die Seenplatte locken lassen, sondern findet hier auch die Chance, ihre künstlerischen Gaben buchstäblich in Natur und Landschaft einfließen zu lassen.
Drei Semester Kunst und Kunstgeschichte hatte die junge Frau bereits an der Uni Greifswald studiert, als sie zu ihrem Mann, dem Puppenspieler Stephan Rätsch, nach Passentin zog. Dort nahebei konnte sie schließlich auch studieren – nämlich Landschaftsarchitektur. „Die Kunst hat mich begeistert, aber es fehlte doch etwas. Landschaftsarchitektur hat ebenfalls viel mit Gestaltung zu tun, aber handfester“, findet Josephine Rätsch, die im achten Semester auf den Abschluss hin arbeitet und mit Arbeiten zum Thema „Figur & Landschaft“ gerade ihre Prüfung im Fach „Modellieren – Plastisches und graphisches Gestalten“ absolviert hat.
Dass sie fasziniert ist von den sanften Hügeln mecklenburgischer Landschaften, daraus macht die Mutter zweier kleiner Töchter kein Hehl: „Man meint, über die Rundungen streichen zu können wie über einen Frauenkörper.“ Was sie umso mehr fasziniert, ist die Idee, der Vergänglichkeit der Natur Bleibendes in Gestalt von Skulpturen hinzuzufügen. „Gärten sind geprägt durch Wandel, durch den Lauf der Jahreszeiten, durch Werden und Vergehen. Skulpturen bilden einen Kontrapunkt der Dauer“, sagt die Studentin. Ein lebendiges Beispiel findet sie direkt vor ihrer Haustür in Passentin: den Skulpturengarten ihrer Schwiegermutter, der Bildhauerin Dorothee Rätsch, der jedes Jahr auch am Pfingstwochenende bei der Aktion „Kunst:offen“ die Besucher beeindruckt.
Das Zusammenwirken natürlicher Pflanzenpracht mit von Menschenhand geformter Kunst hat die junge Frau in ihrem Studium schon einmal aufgegriffen, als sie im fünften Semester einen Pflanzplan für einen vertikalen Skulpturengarten vorstellte. Jetzt, für „Figur & Landschaft“, stellte sie sich einer neuen Erfahrung und übte sich in der Aufbau-Technik. „Mit Ton habe ich schon als Kind gearbeitet. Aber das hier ist eine andere Herausforderung“, bestätigt sie, was am Beispiel einer Prüfungsfigur deutlich wird: Die mehr als halbmetergroße Skulptur einer Schwangeren mit prallem Leib bedurfte im Inneren stützender Verbindungen und Versteifungen, um den Ton in diese Höhe formen zu können. „Es ist eine Stützstruktur, wie sie auch Pflanzen aufweisen“, verdeutlicht Josephine Rätsch die Parallele zur Natur.
Eine zweite Skulptur, aus einer Kugel entwickelt und mit rundem Rücken, angezogenen Beinen, verschlungenen Armen, wie zusammengerollt sitzend, ist noch im Entstehen begriffen. Und noch einige weitere Arbeiten stellt die junge Frau zur Diskussion. Den Relief-Entwurf eines Tollense-Gottes etwa als Beitrag zu einem studentischen Gemeinschaftsprojekt, der Neugestaltung des Gartens am Haus 3 der Neubrandenburger Hochschule. „Dafür gab es bereits zahlreiche Arbeiten unserer Studierenden, die mit großem Engagement Bepflanzungen geplant und zum Teil ausgeführt haben“, berichtet Thomas Oyen, Professor für Landschaftsbau.
Gedacht sei an eine intensive Staudenbepflanzung, an Natursteinmauerwerk vor den Betonwänden, an Pergolen und einen Wandbrunnen. Weitere Arbeiten indes „bedürfen der finanziellen Unterstützung des Landes und hoffentlich auch vieler Sponsoren“, deutet Oyen an. Schließlich sei es ein großer Wunsch der Hochschule, den Campus zu einem Gestaltungshighlight unter Neubrandenburgs Grünflächen zu entwickeln.
Als „Garten der Entfaltung“, an dem sich auch noch die Nachfolger der jetzigen Kommilitonen verwirklichen könnten, beschreibt der Student Robert Freimuth das Projekt, für das er einen Wandbrunnen entworfen hat. Als reizvoll empfindet auch Josephine Rätsch diese Aufgabe. Zumal sie den Austausch, das gemeinsame Wirken mit anderen zu schätzen weiß: eigenbrötlerisch im Künstler-Atelier zu arbeiten, wäre ihre Sache nicht, bekennt die junge Frau mit der Vorliebe für Gartenkunst.
Ihr Plädoyer für Skulpturen im Grünen begeistert auch Dozentin Johanna Fitzer: „Vor der Wende war diese Kunst sehr verbreitet“, erinnert sie und verweist auf den Neubrandenburger Kulturpark. In jüngerer Zeit finde dieses Miteinander kaum Fürsprecher. Ein Grund mehr, ihre Studentin Josephine Rätsch noch nachträglich in der Liebesentscheidung für Passentin statt Greifswald, Landschaftsarchitektur statt Kunst zu bestärken. Weil sich da mehr bewirken lasse – denn was in der Landschaft erblüht, kann jeder sehen.

13.02.2017 
Quelle: Nordkurier 

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