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07.01.2017

Wahre Freunde bleiben am Ball

Hoffen und Warten bestimmen den Alltag des jungen Ghanaers, der von Penzlin aus in dänischer Abschiebehaft landete. Halt findet er in seinen Fußballfreunden, von denen einer ihn jetzt sehr überraschte.

Penzlin/Hviding. Gleichförmig hackt die Uhr den Tag in kleine Stücke. Viele davon sind für Marc Alifo Kodzo Erinnerung und Sehnsucht. Manche Stücke sind Angst, andere Hoffnung.
Er ist nicht freiwillig dort, in der Kaserne im dänischen Hviding. Von Deutschland trennen ihn nur etwa 60 Kilometer. Nicht mehr als eine Autostunde. Doch für den jungen Ghanaer ist der Weg bis dahin im Moment unüberwindbar. Keine Bahn, kein Bus, kein Taxi, kein Fahrrad oder seine Füße dürfen ihn dorthin bringen. Noch weitere zwei Monate wird die Kaserne mit anderen Geflüchteten vieler anderer Nation seine Bleibe sein. Sein Zuhause aber nicht.
„Das war in Penzlin. Es geht es ihm nicht so gut. Er vermisst uns“, weiß Dieter Lattmann, ein Freund und Fußballtrainer beim Penzliner SV. Marc Alifo Kodzo sei ein flinker Fuß auf dem Spielfeld gewesen und hätte auch eine Freundin gehabt, die er in Penzlin zurücklassen musste. Denn dort war er Ende Juli von der Polizei am frühen Morgen aus seiner Wohnung abgeführt und abgeschoben worden.
Doch seine Freunde haben den Kontakt gehalten. Übers Handy und Internet. Und im Dezember 2016 auch auf überraschende Weise: Lattmann fuhr nach Dänemark, verbrachte ein paar Tage mit einem seiner besten Spieler. „Wir möchten ihm helfen, wieder zurück nach Penzlin zu kommen.“ Doch die Chancen darauf, so wissen beide, stehen nicht gut. Dass der Ghanaer ein halbes Jahr in Dänemark kaserniert ist, das liegt daran, dass das sein Einreiseland nach der Flucht aus Ghana war. Dass er in wenigen Wochen zurück nach Ghana muss, ist wahrscheinlicher als dass er nach Deutschland darf, weiß Dieter Lattmann. Schließlich gelte Ghana als sogenanntes sicheres Herkunftsland. Und das könnte das Problem für Kodzo werden. Aber es sei auch nicht unwahrscheinlich, dass der junge Mann in Dänemark bleiben könnte.
„Doch er will zurück nach Penzlin“, weiß Lattmann. Dass er Dänisch lerne, sei dort gefordert und auch gut. Aber daneben halte er sein Deutsch frisch und lerne sogar dazu. „Wir haben bei unserer Weihnachtsfeier im Verein für Marc gesammelt. Das Geld habe ich ihm mitgenommen, damit er sich kaufen kann, was er mag. Vielleicht auch schönes zu Essen, denn er kocht doch gern. Und einen kleinen Laptop hat er auch bekommen, damit er im Internet weiter Deutsch lernen kann und für unsere Verbindung.“ Die hielten auch die PSV-ler. Ein dickes Paket mit Fan-Artikeln hätten sie Lattmann mitgegeben. „Sein Tag besteht aber auch viel aus freier Zeit, er geht spazieren, hat er mir erzählt, geht viel in die Kirche, denn Marc ist ja ein sehr gläubiger Mensch. Und so sagte er beim Abschied zu mir – und das sollte ich auch den anderen Freunden sagen: „Gott schütze euch und den PSV.“
„Wir müssen geduldig sein. Es gibt Fristen, an die wir uns halten müssen“, weiß Dieter Lattmann, der Trainer des Penzliner SV. Bei den Behörden gibt es keine Auskunft dazu, warum Marc Alifo Kodzo im Sommer Penzlin verlassen musste, obwohl er bis Ende September eine Aufenthaltsgenehmigung gehabt haben soll. Es gelte die Schweigepflicht, und von der könne nur der Abgeschobene selbst die Behörde entbinden. „Wir werden Marc zurückholen. Es braucht nur noch mehr Zeit“, ist Dieter Lattmann zuversichtlich, dass der junge Mann irgendwann seine Freunde in Penzlin wiedersehen wird.

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c.goels@nordkurier.de

07.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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