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25.11.2015

Warten, um dann richtig anzupacken

Weltoffen will sich Penzlin zeigen. Und offenbar funktioniert das ganz gut. Wieder hat die Stadt neue Bürger begrüßt und wieder war der Saal rammelvoll. Nach den Afrikanern sind es nun Syrer, die sich vorgestellt haben. Dabei wurde aber auch eins deutlich: Zu viel Elan kann auch problematisch sein.

Penzlin. Die Penzliner bleiben neugierig. Auf ihre neuen, neuen Nachbarn. Denn nach den Afrikanern, die seit mehreren Monaten in der Stadt leben, haben nun auch die ersten Flüchtlinge aus Syrien dort Zuflucht gesucht. Und so waren auch auf der zweiten Info-Veranstaltung in der Verwaltung wieder alle Stühle besetzt. Seit vier Wochen wohnen die Syrer nun in Penzlin, einige seien noch von ihren Familien getrennt – Zeit also für ein paar Fragen.
„Die Besucher wollten wissen, wie die Situation in Syrien ist und in welchen Berufen sie vor ihrer Flucht tätig waren“, nennt Heike Hoch, Vorsitzende des Vereins Weltoffen einige der Fragen.
Und die Syrer hatten Antworten: So hätten sie vor ihrer Flucht als Schneider, Friseur, Tischler und auch Polizist gearbeitet. Um sich ein Leben in Frieden aufbauen zu können, hätten sie in ihrer Heimat aber alles verkauft. Doch ganz so leicht wie gehofft, werden sie in Deutschland wohl nicht Fuß fassen können, das haben sie seit ihrer Ankunft gemerkt. „Die syrischen Mitbürger werden sich anpassen müssen“, schreibt Heike Hoch daher auf der Homepage des Vereins, der den Abend mit organisiert hat. Denn ihre Vorstellungen vom Leben in Deutschland entsprächen nicht der Realität aus Bürokratie und notwendigen Vorschriften.
Dennoch kann Hoch die Syrer auch verstehen. „Zu uns kommen Menschen, die ein bürgerliches Leben gelebt haben und die hier ein neues Leben anfangen wollen.“ Und das lieber heute als morgen. Sie wollen arbeiten und schnellstmöglich Deutsch lernen, schildert Heike Hoch. „Sie haben ihre Vorstellungen, wir aber unsere Realitäten und das müssen wir nun in Einklang bringen“, schiebt sie hinterher. Da aber viele Fragen zu ihrer Integration in Deutschland noch gar nicht klar sind, müssen die Syrier quasi auf sanfte Art in ihrem Elan gebremst werden.
„Sowohl sie als auch wir in Penzlin haben an dem Abend erkannt, dass es künftig enorme Aufgaben zu bewältigen gibt“, sagt die Vereinsvorsitzende. So müsse unter anderem geklärt werden, wer wirklich hier bleiben kann, wo die Menschen Deutsch lernen oder den Führerschein machen können. „Wie werden ihre Ausbildungen anerkannt und was benötigen sie, damit sie in ihrem jeweiligen Beruf auch arbeiten können“, fragt Hoch weiter. Der Verein biete den Syrern an, sich mit ihnen zu treffen, um bei Fragen wie diesen zu helfen. Allerdings wisse sie auch, dass man den Neuankömmlingen auch Zeit geben muss, um wirklich anzukommen. Insgesamt 24 Syrer leben derzeit in Penzlin, darunter 14 Kinder. Sie wohnen in dem Neubaublock, in dem auch die Afrikaner untergebracht sind. Mit denen scheinen sie sich bislang ganz gut zu verstehen. „Die Afrikaner können ihnen auch sagen, wie und wo es hier lang geht“, sagt die Vereinsvorsitzende. Denn die finden sich derweil immer besser zurecht – am Freitag laden sie zu einem afrikanischen Kochabend ein. Ganz nach Penzliner Geschmack, denn der ist schon restlos ausgebucht. Sogar beim Adventskonzert des Männerchores singen einige der Flüchtlinge mit.
Darüber hinaus scheint auch die Spendenbereitschaft der Penzliner ungebrochen – zur Info-Veranstaltung im Verwaltungssaal hatten sie jede Menge Kleiderspenden mitgebracht.

Kontakt zur Autorin
n.schuldt@nordkurier.de

25.11.2015 
Quelle: Nordkurier 

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