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03.05.2017

Wegschmeißen? Kommt nicht in die Tüte!

Das hat die Welt noch nicht gesehen. Wer die Erlebniswerkstatt samt Galerie in Zahren erkundet, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und Große werden schnell wieder zu Kindern. Gar wundersame Sachen entstehen am Basteltisch aus Korken, Holz und sogar Zahnbürsten.

Zahren. Dass Kinder mit enthusiastischem Geschrei durchs Haus laufen und sich gar nicht mehr einkriegen wollen, das kennt Heike Gerling schon. Aber auch die großen Besucher kommen oft aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schließlich hat die Hausherrin auf ihrem urigen Anwesen in Zahren ganz Besonderes zu bieten. Die Erlebniswerkstatt mit Galerie ist wohl einzigartig in der Region und wird wie ein Geheimtipp von Freund zu Freund weitergegeben.
Ständig zu Gast sind die Lütten des Dorfes bei Heike, die jedem gleich das Du anbietet. Und im Sommer kann sie sich oft nicht vor Ferienkindern retten, die mit ihren Eltern auf Campingplätzen in der benachbarten Neustrelitzer Region logieren. Denn in der Werkstatt von Zahren gibt es echt was zu erleben. Hier kann man kreativ sein und einfach loslegen. Das Besondere: „Ich setze auf Recyclingmaterial. Bei mir wird nichts Neues fürs Basteln angeschafft”, sagt die 55-jährige gebürtige Berlinerin.
Gas-Wasser-Installateur hat sie mal gelernt, weil es damals nur in diesem Bereich eine Lehrstelle für sie gab. Das Interesse fürs Handwerkliche wurde aber schon in der Familie gelegt. „Ich habe bei Altbausanierungen mitgearbeitet und in zahlreichen Resozialisierungs-Projekten mit Sozialarbeitern junge Leute angeleitet”, erzählt Heike Gerling aus ihrem Leben. Als sie nach der Wende mit Freunden durchs Land reiste, entdeckte sie Mecklenburg für sich, wurde in Zahren heimisch und meldete schließlich ihre Erlebniswerkstatt samt der Kunstobjekte in der Galerie als Gewerbe an.
Wie in einer Werkstatt üblich finden sich überall Kartons mit Materialien. Neben Schrauben beinhalten sie aber auch Knöpfe, Knochen, Holzstücke, alte Scharniere, Spielzeugreste und alles Mögliche sonst. „In dieser Gesellschaft gibt es so einen Überfluss und es herrscht der reine Konsum-Wahnsinn. Was mit Material- und viel Energieaufwand produziert wurde, landet alsbald schon wieder auf dem Müll”, kritisiert Heike Gerling das Verschwenden von Rohstoffen.
Dem möchte sie etwas entgegensetzen und dabei vor allem die Kinder zu sinnvollem Handeln aktivieren. Denn jeder könne irgendwie zur Rettung des Planeten beitragen. So entstehen am Basteltisch, an dem oft Kindergeburtstage gefeiert werden, die urigsten Figuren aus Schrott, Treibholz, Lampenfassungen und Suppenknochen. Zahnbürstenmonster sind der neueste Schrei. Sektkorken aus Plaste eignen sich bestens als Augen für die Fantasieprodukte. Und eine chinesische Hochzeitsgeige lässt sich ganz einfach mit einem ausgedienten Eierschneider anfertigen.
„Man muss nur Ideen haben und den Weg finden, die unterschiedlichen Materialien zusammen zu bringen. Mitunter entwickle ich dafür ganz spezielle Werkzeuge”, sagt die handwerklich begabte Zahrenerin, die im Laufe der Jahre viele Gleichgesinnte im Landstrich gefunden hat. Unterstützer gebe es aber auch im Dorf, in dem es sich nach Heike Gerlings Aussage gut leben lässt.
Wer einen Blick in die Galerie wagt, der kann nur Bewunderung für das Schaffen der Handwerkerin finden. Auf welche Ideen diese Frau doch kommt! Da gibt es einen liebevoll gestalteten Rapunzelturm. Renner bei den Jungs ist sicher das Flugzeugcockpit, von dem es einen weiten Blick auf Anwesen und Dorf gibt. Das U-Boot Nautilus entstand aus einer alten Badewanne, auch eine Küchenspüle konnte die Gestalterin dafür gut gebrauchen. Das große Schiffsrad war ein besonderes Geschenk für die Bauherrin. Und alle diese Dinge können angefasst und erkundet werden. Draußen gibt es ein besonderes Strandbad, eine kleine Klangmeile und im Sommer will sich Heike Gerling an die Fertigstellung des Raumschiffes heranwagen.
„Ich öffne meine Türen zur Werkstatt und Galerie auch in diesem Jahr wieder über Pfingsten zu Kunst.Offen. Im vorigen Jahr war ich glatt überrascht vom Ansturm hier bei mir”, sagt die kreative Frau. Noch gut in Erinnerung ist ihr die Begegnung mit der Wandertruppe des Penzliner Kulturvereins, die sich trotz miesen Wetters am Ostersonntag zur Erlebniswerkstatt nach Zahren auf den Weg machte. Es war eine lustige Gesellschaft, man habe viel gelacht.
Anderen Spaß zu bereiten und sie zum Nachdenken zu bewegen, dafür hat Heike Gerling mit ihrer Arbeit aber auch wirklich den Dreh raus.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

03.05.2017 
Quelle: Nordkurier 

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