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14.01.2017

Wie das kleine Penzlin in der Kunstszene groß rauskam

München – Berlin – Penzlin: Dass das beschauliche Punschendörp mit See und schöner Landschaft offenbar einst Maler aus der Großstadt anlockte, sorgte für Überraschung im Stadtarchiv. Ein Hobbyhistoriker aus Braunschweig legte die Spur und hat noch viele Fragen. Die zu beantworten, ist eine spannende Aufgabe für die Archivarin. Eine Adlige könnte ihre Hand im Spiel haben.

Penzlin. Eine Mail von Gilbert Holzgang aus Braunschweig brachte im Oktober vergangenen Jahres im Penzliner Stadtarchiv einen Stein ins Rollen. Der Hobbyhistoriker stieß bei Vorbereitungen für eine Ausstellung auf ein Foto, das Braunschweiger Künstler zusammen mit Johannes von Maltzan (1845-1927) und seiner Frau Anna aus Penzlin zeigt. Dazu wollte er schon mehr wissen.
„Für mich tat sich damit eine völlig neue Geschichte auf, die sowohl die Familie Maltzan als auch unsere Stadt betrifft. Ich musste den Herrn aus Braunschweig zunächst vertrösten, da das Stadtarchiv 1945 Opfer der Flammen wurde”, kommt Archivarin Susan Lambrecht auf ihre ersten Recherchen in diesem neuen historischen Fall zu sprechen.
Einen Anhaltspunkt boten die Memoiren von Elisabeth Recke (1889-1950), der Tochter von Johannes und Anna von Maltzan. Sie erwähnte in ihren Aufzeichnungen, dass Malschulen aus Berlin und München in den Sommermonaten im „Seehof” logierten und Landschaftsmotive von Penzlin und der Umgebung mit Farbe und Pinsel festhielten. „Anfangs dachte ich, dass es einen direkten Zusammenhang zur Penzliner Malerin Marie Hager geben könnte. Doch für diese Idee fanden sich keine Beweise”, so die Archivarin.
Im weiteren Mail-Austausch nannte Gilbert Holzgang einige Künstlernamen, die wiederum Anlass zu Recherchen im Internet gaben. Danach lässt sich belegen, dass Charles J. Palmié (1863-1911) aus München mit seinen Schülern 1908 und 1909 in Penzlin weilte und während des Studienaufenthalts auch Gemälde entstanden. So findet sich in den Kunstsammlungen von Chemnitz ein Ölbild dieses Künstlers, das eine Landschaft um 1909 in Penzlin zeigt. Wie Susan Lambrecht von der dortigen Kustodin Beate Ritter erfuhr, gebe es im Chemnitzer Fundus weitere Landschaftsbilder von Palmié, die jedoch keinen Titel tragen. Eventuell befinden sich darunter auch Motive aus der mecklenburgischen Kleinstadt.
Im Braunschweiger Nachlass des österreichisch-deutschen Malers und Grafikers Gustav Lehmann (1883-1914) tauchten zwei Fotos auf, die Künstler mit dem Ehepaar Maltzan zeigen und einen Penzlin-Aufenthalt belegen könnten.
Und dann erhielt Susan Lambrecht nach einer kurzen Zeitungsnotiz im Nordkurier auch noch von Susan und Stefan Deters aus dem Penzliner Ortsteil Lübkow die Information, dass sie in einem Rostocker Antiquariat ein Bild mit dem Motiv der Penzliner Kirche erworben haben. Es stamme von Eugen John (1863-1931) aus Berlin und sei um 1900 entstanden. Somit stehen noch viele Fragen im Raum, deren Beantwortung für Susan Lambrecht einen besonderen Reiz ausmachen. Warum kamen die Künstler einst nach Penzlin?
„Es war die Zeit der großen Künstlerkolonien in Worpswede und Ahrenshoop. Angeregt durch die französischen Impressionisten zog es auch die deutschen Landschaftsmaler in die freie Natur. Das Malen unter freiem Himmel war wieder modern geworden“, weiß die Stadtarchivarin. Penzlin sei mit der Bahn gut zu erreichen gewesen, liegt idyllisch an einem See und hat eine leicht hügelige Landschaft zu bieten. Aus der Geschichte sei bekannt, dass Anna von Maltzan sich gern mit Künstlern umgab und in Penzlin einen Kunstsalon nach Berliner Vorbild führen wollte. Ihr offenes Haus in der Neuen Burg und die rauschenden Feste zogen Musiker, Schauspieler, Gelehrte und bildende Künstler gleichermaßen an. Wie der Kontakt zum Münchner Charles J. Palmié zustande kam, darüber könne man momentan aber nur spekulieren.
„Es ist anzunehmen, dass Maler ihre Penzliner Motive an reiche Industrielle verkauft haben. Eventuell finden sich in diesen Familien noch diese Malereien“, vermutet Susan Lambrecht. Gern würde sie Gilbert Holzgang aus Braunschweig dabei unterstützen, in seiner geplanten Ausstellung auch Penzliner Gemälde zu zeigen. Diese könnten wiederum — so eine Idee von Bernd-Albrecht Freiherr von Maltzan — auch einmal in Punschendörp selbst präsentiert werden.
„Das ist alles schon recht spannend. Mal sehen, inwieweit weitere Recherchen und Hinweise zu konkreten Fakten führen werden”, freut sich Susan Lambrecht schon jetzt.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

14.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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