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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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06.11.2017

Wie sich die Penzliner ihre Freiheit erkauften

Die Familie von Maltzan hatte die Penzliner gut im Griff. Die aber wehrten sich.

Penzlin. Seit wann und warum die kleine Stadt Penzlin südwestlich von Neubrandenburg als „Punschendörp“ bezeichnet wird, ist unbekannt. Dass die Punschendörper es mit ihrer Freiheit jedoch sehr genau nahmen, zeigt eine Geschichte von 1777.
Über Jahrhunderte hinweg gab es für die Familie von Maltzan auf der Burg Penzlin, den Magistrat und die Bürger einige oft und hart umstrittene Rechte. Die Familie von Maltzan, Vasallen der mecklenburgischen Herzöge, hatte 1414 Penzlin von diesen zu Pfand genommen. 1501 erwarb Berend Maltzan die Stadt. Damit wurden Rat und Bürger von der Huldigungspflicht gegenüber den Herzögen befreit. Alle landesherrlichen Privilegien gingen an die neuen Herren über. Zwischen dem aufstrebenden Bürgertum der Stadt und der Familie von Maltzan kam es zu Meinungsverschiedenheiten, die mehr und mehr den Mecklenburger Herzogshof beschäftigten.
Wegen der „unglücklichen Irrungen und kostbarer Processe“ sah sich der Herzog veranlasst, auf beide Parteien einzuwirken und sie zu einem Vergleich „zur Herstellung des so lange gefehlten guten Vernehmens und der Einigkeit zwischen der Stadt und ihrem Gerichtsherrn“ zu veranlassen. Nach zähen Verhandlungen wurde am 4. Oktober 1777 Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin der Vergleich vorgelegt. Darin erklärte sich Joseph von Maltzan bereit, gegen Zahlung von 3300 Taler Gold auf einige Rechte zu verzichten: das der Huldigung, das des Anschlagens der Freiherrlichen Wappen an Rathaus und Tore, das Recht, die Fräuleinsteuer zu erheben sowie das Recht der Ratswahl. Ihm blieb das Patronatsrecht über Kirche und Schule, das Polizei- und Gerichtswesen und der Dammzoll.
Da Joseph von Maltzan seiner Familie das Gerichtswesen sicherte, wurde eine gesonderte „Ordnung über die Rechtssprechung in der Stadt Penzlin“ mit dem Magistrat abgeschlossen. Es wurde festgelegt, dass das Stadtgericht aus dem Gerichtsherrn von Maltzan und, wenn erforderlich, zwei Beisitzern des Magistrats bestehen soll. Es sollte zudem immer im Rathaus tagen. Eigens dafür wurde eine Gerichtsstube eingerichtet. Ein weiterer Punkt war die Bestellung der „Schulbedienten“. Zwar hatte der Magistrat die „Präsentation zweier tüchtiger Subjekte zum Rectorat“ – die Entscheidung jedoch lag beim Freiherrn von Maltzan. Zugeordnet wurden auch die Pflichten der Polizei, der Bau von Armenhäusern, die Kontrolle der Maße und Gewichte und die Festlegung der „Bier-, Brodt- und Fleisch-Taxen“.
Auf 21 Blättern wurde der Vergleich nach Schwerin gesendet. Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin bestätigt ihn am 15. Oktober 1777 per Urkunde. Damit verfügten von Maltzans immer noch über einen großen Einfluss auf die Penzliner. Der war selbst für Mecklenburg in dieser Zeit recht ungewöhnlich.
1805 starb Joseph von Maltzan bei Warschau. Da er verfügt hatte, auf dem Tempelberg bei Penzlin begraben zu werden, gab es ein Problem. Die preußische Regierung verhängte während einer Choleraepidemie eine Grenzsperre. So wurde der Leichnam einbalsamiert, angekleidet und in einer Kutsche sitzend durch den preußischen Zoll geschmuggelt.Von Maltzan wurde auf einer Anhöhe des Penzliner Ortsteils Werder beigesetzt. Dort führte einst sein Reitweg vorbei. Oft hatte er von der Anhöhe aus einen Teil seiner Besitzungen überblickt. Auf dem Grab wurde eine 5,10 Meter hohe Granit-Pyramide errichtet. Nach alten Unterlagen der Familie von Maltzan pflanzte man dort je drei Linden, Kastanien und Pappeln. Die Pyramide wurde öfter zerstört, aber immer wieder restauriert und ist bis heute erhalten.

06.11.2017 
Quelle: Nordkurier 

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