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02.04.2013

Wieviel Kultur steckt in einem Gartenzaun?

Alt Rehse galt als Musterdorf der Nationalsozialisten. Die errichteten im Dorf ein Fachwerk-Ensemble. Ob das stärker geschützt wird, sollen nun die Einwohner entscheiden.
Von unserem Redaktionsmitglied
Carsten Schönebeck

Alt Rehse. Nazi-Architektur stellt man sich gemeinhin anders vor. Fachwerk-Stil und Schilfdächer: Die 22 Häuser, die zu Zeiten des Dritten Reiches in Alt Rehse errichtet wurden, könnten auf den ersten Blick viel älter sein. Schon heute stehen die einzelnen Gebäude unter Denkmalschutz. Dem Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege ist das nicht genug. Dort empfiehlt man, den gesamten Ortskern als Denkmalbereich auszuweisen.
Was für den Erhalt der historischen Baumasse hilfreich ist, kann für die Einwohner zum Problem werden. „Der bürokratische Aufwand wäre höher“, so Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (WPL). Denn mit einer solchen Entscheidung würde sich der behördliche Schutz auf alle Elemente des Ortskerns ausdehnen. Flechner hat da auch ein konkretes Beispiel: „Wer künftig entscheidet, dass er einen anderen Gartenzaun haben will, der müsste sich das genehmigen lassen“, so der Verwaltungschef.
Deshalb sollen nun die Bürger angehört werden. Am 8. April um 18 Uhr findet im Dorfgemeinschaftshaus eine Versammlung statt. Mit von der Partie sind auch Vertreter der Penzliner Stadtverwaltung und des Landesamtes. Es ist bereits der zweite Anlauf für eine solche Zusammenkunft. Anfang März hatte die Witterungslage für eine kurzfristige Absage gesorgt.
Schlussendlich soll das Meinungsbild der Bürger den Ausschlag geben. „Die Entscheidung trifft der Landkreis. Aber von dort gibt es eine Zusage, dass man sich nach den Einwohnern richten will“, so Flechner.
Problematisch könnte der stärkere Denkmalschutz auch für die Zukunft des Parkgeländes in Alt Rehse werden. Ein Investor hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, den Park kaufen und umgestalten zu wollen. Doch Teile des Parkes sind von dem Vorstoß des Landesamtes betroffen. Ob der Denkmalschutz die geplanten Baumhäuser und Höhlen-Appartements erlaubt, ist unklar.
Allerdings spricht aus Sicht der Bürger auch einiges für den Vorschlag. Der Denkmalschutz könne Baumaßnahmen auch erleichtern, so Flechner. Nicht nur mit Blick auf Fördergelder. „Wenn der ganze Ortskern unter Schutz steht, lockert das an bestimmten Stellen die gültige Landesbauordnung“, erklärt er. Um dem Ensemble und der Historie gerecht zu werden, könnte dann so manche Vorschrift weichen.

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02.04.2013 
Quelle: Nordkurier 

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