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25.08.2014

Gnade für die Thüringer! Hoch lebe Penzlin!

Eine Stadt in Feierlaune - das konnten am Wochenende die Punschendörper und ihre Gäste erleben. Rund um die Burg war kein Parkplatz mehr zu bekommen - ein untrügliches Zeichen, dass die Veranstaltung weit ausstrahlt.

Eines muss man den Penzlinern lassen. Einen besseren Draht zu Petrus hätten sie nicht haben können. "Ja, das ist so, wir haben immer schönes Wetter, wenn wir Burgfest feiern", zeigte sich denn auch Daniela Bartloff von der Stadtverwaltung, die die Organisationsfäden in den Händen hielt, angetan. Über das ganze Veranstaltungsgelände hatte sich am Wochenende strahlender Sonnenschein gelegt. Angenehme Temperaturen ließen es zu, die Jacken auszuziehen oder sich einfach auf die Wiese plumpsen zu lassen. Dabei war das Gelände rund um die Penzliner Burg reichlich mit Menschen besät. "Auch von der Besucherzahl her sind wir zum jetzigen Zeitpunkt sehr zufrieden", freute sich die Kultur-Sachbearbeiterin am Sonnabendnachmittag, die diese Veranstaltung zum ersten Mal vorbereitete, wie sie verriet.

Und das Gebotene konnte sich sehen lassen. Überall auf dem Gelände mittelalterliches Flair. "Ritter erobern die Burg", lautete das Motto, das mit allerlei Leben gefüllt wurde. Und es gab natürlich auch den historischen Bezug. Rund 600 Jahre ist es her, dass die Maltzans nach Penzlin kamen und dann bis ins 20. Jahrhundert blieben, wie Daniela Bartloff vorrechnete. Geschichte, die viel Stoff auch zum Nachspielen bot. Und da war der Förderverein der Burg ganz in seinem Element. An der langen Rittertafel aufgereiht und schauspielerisch in Bestform, konnte sich das Publikum auch in diesem Jahr auf zwei eigens fürs Burgfest einstudierte Theaterstücke freuen. Dabei spielten diesmal ganz andere Landsleute eine vordergründige Rolle.

Die Thüringer kommen!

"Der Aufstand der Thüringer", hieß das Stück. Besagte Fremdlinge wollten die Grafschaft vereinnahmen - aber da hatten sie die Rechnung ohne die Penzliner gemacht. Ab in den Kerker mit den Aufständischen, befahl der Burggraf. Am fünften Gerichtstag wurde dann das Urteil gefällt. Begnadigt! Naja, genau genommen frei gekauft. Ihnen auferlegt war es, "geistige Beiträge" zu erbringen, was die Angeklagten auch taten: Sie gingen zum benachbarten Imbissstand und kehrten prompt mit einer Pulle "Fischergeist" zurück. Das Publikum feierte. So weit reichte es bei den Thüringern mit ihrem Verstand. Aber es hat gereicht, um sich aus der Haft zu befreien. Die Zuschauer honorierten die Aufführung mit viel Beifall. Dabei ist es längst bekannt, dass auch immer aktuelles Zeitgeschehen ins Historische transportiert wird. "Ja, wir machen nicht Geschichte lebendig, sondern verlagern Aktuelles in die Historie, das ist History Comedy", ließ Hofnarr Gunar Mühle im Till Eulenspiegel-Outfit durchblicken. Die Zuschauer jedenfalls fieberten den Aufführungen schon entgegen. So brauchte sich auch niemand zu wundern, wenn im Stück plötzlich von manipulierten Briefwahlstimmen die Rede war oder sogar Brasilien als Fußballland eine Rolle spielte.

Aber es gab weitaus mehr auf dem Burghof zu entdecken. Hinter einer Mauer kämpften die tschechischen Ritter, von der Bühne klang handgemachte Musik und Gesänge, überall Leute in Gewändern, an den Buden roch es nach Fladen und Apfelkrapfen. Dort konnten die Kinder bei einer Kissenschlacht tollen, mit Pfeil und Bogen zielen oder am hölzernen Karussell ihre Runden drehen. Und was sagen die Penzliner zu ihrem Fest? "Es ist wirklich wieder gelungen. Wir sind auch an allen drei Tagen hier", schwärmte beispielsweise Ramona Pein, die mit Mann und ihren beiden Töchtern übers Gelände pilgerte. Besonders auf die Feuershow am Abend freute sie sich - und natürlich ließ sie sich die Vorführung des Burgadels nicht entgehen - für sie ganz klar ihr Favorit beim Fest.

25.08.2014 
Quelle: Nordkurier