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02.01.2019

„In Penzlin kriegt jeder seine Chance, der ernsthaft was unternehmen will“

Was waren die schönen Momente? Wie entwickelt sich Penzlin weiter? Was passiert beim Tourismus und was in Sachen Digitalisierung? Ingmar Nehls hat mit Bürgermeister Sven Flechner über das Jahr 2018 und einen Ausblick auf 2019 gesprochen.

Herr Flechner, was waren aus Ihrer Sicht die Höhepunkte im Jahr 2018?
Im kulturellen Bereich sind es die Klassiker wir das Burgfest und die Walpurgisnacht, aber auch neue Veranstaltungen wie Burmé, die eine super Sache war und ein Zeichen gesetzt hat. Das Sängertreffen, das nur alle fünf jahre stattfindet war ein tolles Ereignis, aber auch das Aufstellen der Gedenktafel.
Im Sport war es ein sehr erfolgreiches Jahr für Penzlin, wenn ich die Entwicklung im Fußball sehe. Wahrscheinlich trifft unsere Mannschaft im Landespokal noch auf Hansa Rostock. Das ist atemberaubend, was die Jungs für eine Eigenenergie entwickeln und die Penzliner mitnehmen. Überall, wo man zusammenkommt, ist das Thema Nummer 1. Der Fußball bewegt Penzlin. Einige sagen schon, dass man nicht Bundesliga einschalten soll, wenn man vernünftigen Fußball sehen möchte, sondern in Penzlin auf den Platz gehen muss.
Das sind Dinge, die das Leben in so einem kleinen Ort bereichern und ihn zu etwas ganz besonderem machen. Wir hatten uns für so eine kleine Verwaltung sehr viel vorgenommen bei der Umsetzung von Baumaßnahmen. Wir haben nicht alles geschafft. Die Fertigstellung der beiden kleinen Straßen Lindenweg und Steinberg sind erfreulich. Wir wären gerne weitergekommen beim Projekt Feuerwehr in Groß Vielen, aber da gab es ja die bekannten Gründe.

Es spricht sich rum, dass Penzlin eine liebenswerte Stadt ist, in der die Leute gern wohnen. Es gibt Zuzug. Das heißt aber auch, dass man Bauland braucht. Oder sollte der Rand nicht weiter wachsen zu Lasten des Kerns, wo es Leerstand gibt?
Wir haben 2018 Geld bekommen, um weiter Städtebauförderung betreiben zu können. Wir wollen die alten Ruinen, die gerade an der Hauptstraße sehr auffällig sind, gemeinsam mit den Eigentümern weiterentwickeln und Leerstand beseitigen. Wir haben auch für 2019 wieder einen Antrag gestellt und hoffen, dass wir Mittel bekommen.
Wir betreiben beides aktiv. Wir müssen auch Angebote für die Klientel der Einfamilienhaus-Leute haben. Bedienen wir das nicht, gehen die woanders hin. Die Frage der Bauland-Erschließung ist darum ganz wichtig.

Da gab es die Idee, auf Gartenland zurückzugreifen, was an massivem Widerstand der Kleingärtner gescheitert ist. Wie geht es jetzt weiter? Wo gibt es Flächen?
Wir haben im November einen moderierten Workshop dazu gemacht mit allen Akteuren der Kommunalpolitik, um die Thematik mal zu ordnen und zu schauen, wo Möglichkeiten sein könnten und die Erschließung überschaubar ist. Wir haben Flächen, die wir ausweisen werden und wo es auch keinen Ärger mit Kleingärtnern gibt. Wir haben mit den Eigentümern schon gesprochen.
Wir wollen auch nicht nur auf der grünen Wiese entwickeln, sondern stadtnah und darum waren wir auf die Gartenflächen gekommen. Schaut man das Luftbild von Penzlin an, dann sieht man, dass ein Drittel bebaut ist und zwei Drittel sind Gartenland. Und darum war die Frage, ob man nicht bessere Lagen, die dichter an der Innenstadt sind, bebauen kann, bevor man eine Koppel oder Weidefläche am Stadtsee zum Baugebiet entwickelt.

Wie lange müssen Interessenten darauf warten?
Im Mai 2019 stehen Kommunalwahlen an. Das bedeutet einen Bruch in der Arbeit und man wird nicht mehr so viel neues in Angriff nehmen. Und ehe die neue Stadtvertretung dann arbeitsfähig ist, ist auch wieder Zeit vergangen. Deshalb hatten wir das Interesse, schon 2018 einiges zu regeln. Das hat nicht geklappt. Es waren keine Mehrheiten zu finden. Wir haben in unserer städtischen Wohnungsgesellschaft, die eine ganze Reihe von Häusern bewirtschaftet, ungefähr zwei Prozent Leerstand.
Der Neubaublock in der Großen Straße, der gerade abgerissen wird, fällt natürlich immer negativ auf. Da soll ein ganzes Quartier neu geordnet werden. Wir wollen eine Reihenhausbebauung dort haben und eine neue geschlossene Straßenfront dort herstellen.
Es gibt also eine Entwicklung und auch mit unserem Vorhaben in der Großen Straße 4, wo 18 neue Wohnungen entstehen sollen. Wir haben das im Haushalt veranschlagt und der Nachtragshaushalt wurde auch inzwischen von der Rechtsaufsichtsbehörde genehmigt. Im nächsten Jahr wollen wir da Nägel mit Köpfen machen und mit dem Bau beginnen. Wir reißen nicht nur ab, sondern schaffen auch Neues. Das Projekt in der Großen Straße 4 richtet sich mit barrierefreien Wohnraum eher an Senioren.

Auch das ist ja aber ein ganz wichtiges Thema, Wohnen im Alter zu ermöglichen.
Viele ältere Menschen mussten inzwischen wegziehen. Leute, die ich als geborener Penzliner fast mein ganzes Leben lang kenne. Und wenn man die plötzlich aus dem Blickwinkel verliert, weil sie nach Waren, Neustrelitz oder Neubrandenburg ziehen, dann tut das weh. Das tut den Leuten selbst auch weh, weil die eigentlich gar nicht weg wollen. Aber sie haben nicht die Bedingungen, um bleiben zu können und deswegen haben wir uns dazu entschlossen, fünf Millionen Euro in die Hand zu nehmen.
Das ist für uns sehr viel Geld und stellt eine große Herausforderung dar, gerade in dieser Zeit, wo Bauen schwer ist für die öffentliche Hand. Aber wir müssen das Problem lösen.

Sie haben die Kommunalwahlen im Mai schon angesprochen. Da werden die Karten neu gemischt. Was wäre aus Ihrer Sicht für das Weiterarbeiten ein gutes und was ein weniger gutes Ergebnis?
Wenn ich mir was wünschen könnte, würde ich mir wünschen, dass wir Bürger von Penzlin auch Leute in die Stadtvertretung wählen, die nicht nur Bedenkenträger sind und immer gegen alles sind. Es gibt da ein Klientel in der Stadtvertretung, da können Sie vorschlagen, was Sie wollen, die sind immer gegen alles. Die schmeißen einem nur Knüppel zwischen die Beine, stimmen seit Jahren keinem Haushalt zu. Nichts zu machen und nur rumzunörgeln, das reicht nicht aus. Und dann gibt es zum Glück auch die andere Seite mit Leuten, die sich inspirieren lassen durch unsere Gedanken und auch eigene Gedanken einbringen, wo es ein Geben und Nehmen ist und man Entwicklung machen kann.

Geht es aus Ihrer Sicht also gar nicht so sehr um Parteienzugehörigkeit, sondern um die Personen selbst?
Mir geht es eher um Persönlichkeiten. Die Parteien wären mir eigentlich egal. Aber es sollten möglichst Leute sein, die was bewegen und nicht verhindern wollen. Wir haben ja leider viele Jahre so einen Zustand erlebt. Die 1990-er Jahre waren ja nicht gerade dadurch geprägt, dass wir eine Entwicklung in Penzlin hatten. Ich bin froh, dass wir diesen Zustand überwunden haben, aber es wird zunehmend schwerer, Dinge durchzubekommen und Gedanken zu entwickeln.
Meine Bitte an die Penzliner ist, dass sie sich das genau anschauen und ruhig auch zu einer Stadtvertretersitzung kommen sollten, um sich ein eigenes Bild zu machen, wer von den Leuten, die bisher dabei sind, wirklich zu der positiven Entwicklung beigetragen haben.

Gerade im Tourismus entwickelt sich gerade viel, sei es durch Impulse, die von Veranstaltungen wie Burmé ausgehen oder durch Projekte wie den Campingplatz in Werder und das Meditationszentrum auf dem Gelände des ehemaligen Lebensparks in Alt Rehse. Welche Hoffnungen haben Sie, dass solche Ideen Penzlin nach vorne bringen?
Im touristischen Bereich hatten wir eine mitgestaltende Rolle. Das haben wir ausgefüllt durch unsere Burg und die Veranstaltungen. Wir sehen jetzt, dass die Bemühungen in der Altstadtsanierung, die Investitionen in die Infrastruktur wie Spielplätze und Badestellen zum Tragen kommen und wir hoffentlich einen Sprung im Tourismus machen können – vom Tagestourismus weg hin zu einem Ort, wo Touristen übernachten, der sie anzieht.
Der Zeltplatz oder auch das Meditationszentrum sind Ankereinrichtungen, die Voraussetzungen sind. Da warten alle drauf. Da wartet die Mecklenburger Seenrunde drauf, da wartet die Burmé drauf. Das stimmt positiv. Man muss als öffentliche Hand manchmal in Vorleistung gehen bei der Infrastruktur, damit man eine Stufe erreicht, wo auch Private für sich erkennen, dass es wirtschaftlich Sinn macht, in den Bereich zu investieren.

Haben sich noch weitere Investoren gemeldet?
Es gibt sogar plötzlich Nachfragen nach einem Hotelbau in Penzlin. Das Thema war 20 Jahre nicht auf der Tagesordnung, weil es gar keine Nachfrage dafür gab. Wir sind da natürlich vorsichtig, aber man kann es ja wohlwollend prüfen. Vielleicht klappt das ja am Ende. Warum nicht? Das Potenzial ist da, die Zeit ist reif.
Vor fünf Jahren hätte auch niemand an einen Zeltplatz in Werder geglaubt und auch der Park in Alt Rehse hat sich lange nicht weiterentwickelt. Jetzt werden dort Häuser saniert. Jeder kriegt seine Chance, der hier ernsthaft was unternehmen will. Darum müssen wir mit dem Flächennutzungsplan weiter vorankommen, damit wir den Leuten sagen können, wo sie Gewerbe entwickeln, Tourismus machen oder Wohnbebauung anschieben können.

Moderne Entwicklung geht heute nicht mehr ohne Digitalisierung. Wie ist Penzlin da aufgestellt? Was sind die nächsten Schritte?
Wir haben in den vergangenen Jahren viel gemacht, um die Breitbanderschließung in den Ortsteilen voranzubringen. Eine schrittweise Verbesserung konnten wir erzielen, die aber nicht ausreicht. Wir setzen große Hoffnung auf die Initiative des Landes. Unser Amtsbereich und der Stadtbereich ist da voll enthalten. Einen Dämpfer gab es durch das Vectoring, das die Telekom macht und was für weiße Flecken sorgen könnte. Wir selber als Verwaltung versuchen auch, uns neu aufzustellen. 

Auf welche Highlights im Jahr 2019 freuen Sie sich?
Die Fertigstellung der Turmstraße wird ein Höhepunkt sein und natürlich die offizielle Übergabe aller Gebäudeteile beim Voß-Haus. Die Bibliothek ist ja schon übergeben worden.

Wann ist mit der Eröffnung zu rechnen?
Am 29. März, dem Todestag von Johann Heinrich Voß, wird es eine Festveranstaltung geben. Das Haus ist fertig, aber wir wollen bewusst bis zum Start der neuen Tourismussaison warten. Das haben uns Experten so geraten, um auch die Aufmerksamkeit zu haben. Die Ausstellung steht schon. Man sieht sie noch nicht, weil sie noch eingepackt ist. Wir werden das alles so vorbereiten, dass am 29. März das Leben dort wirklich beginnt und nicht nur ein Band durchschnitten oder ein Schlüssel übergeben wird.

Bei wem und wofür wollen Sie sich bedanken?
Bei allen, die sich ehrenamtlich einbringen. Dazu gehören ganz besonders die Feuerwehren, die in diesem Jahr einen schweren Job hatten durch die Trockenheit und die vielen Einsätze. Es engagieren sich sehr viele in den Sportvereinen, Kulturvereinen, Fördervereinen. Besonders die, die Verantwortung übernehmen, gilt der Dank. Vereinsvorsitzender zu sein, ist noch mal eine andere Nummer als Mitläufer zu sein.
Die, die das Ganze organisieren, leisten eine große Arbeit. Denen kann man eigentlich nicht genug danken. Aber es gibt auch viele andere, die sich einsetzen, die an Kommunalpolitik interessiert sind. Nicht nur Stadtvertreter und sachkundige Einwohner, sondern Bürger, die Anteil nehmen, zu Veranstaltungen kommen, mit mir offen diskutieren über Dinge. Auch das ist wichtig.

02.01.2019 
Quelle: Nordkurier 

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