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03.01.2019

Mit 69 Jahren beginnt die Villensanierung

Ein Hamburger hat vor zwei Jahren die Villa Berkhausen in Penzlin gekauft. Er hat sich vorgenommen, das Haus mit insgesamt 17 Räumen innerhalb von zehn Jahren zu sanieren. Daneben hofft er auf die Gunst der Penzliner, um mehr über die Geschichte des Hauses zu erfahren.

Penzlin. Lädt Wolfgang Böhm nachmittags zu Kaffee bei Kerzenschein, muss der Gast sich auf einen gemütlichen Nachmittag in einer prunkvoll gestalteten Jugendstil-Villa einstellen, in der gegenwärtig Baustellenflair herrscht. Der Eigentümer selbst bewertet das geordnete Chaos, alte Leitungen, bröckeligen Putz und Böden, durch die der Besucher ohne Umwege direkt ins nächste Untergeschoss schauen kann, oder ähnliches nicht als übermäßiges Hindernis in seinem Sanierungsplan.
Vielmehr zählt die Liebe Böhms. Die für die Villa Berkhausen, wie das vieretagige Gebäude in der Puchower Chaussee 35 den angestammten Penzlinern bekannt ist. „Ich sehe die gute Bausubstanz, den zum Teil erhaltenen Stuck und schöne Ornamente“, plaudert der heute 69-Jährige in pathetischem Tonfall von seiner Villa. Eine optimistische Sichtweise habe er sich als begeisterter Oldtimerbastler schnell zugelegt.
Vor zwei Jahren hat er das Grundstück mit der etwa 450 Quadratmeter großen Villa darauf für 29 000 Euro von der Erbin des Arztes Klaus Berkhausen erworben. Dieser hatte das Haus im Jahr 1924 gekauft. „Er hat einst auch den Wintergarten angebaut“, hat sich der Hamburger mit der Geschichte des Hauses bereits bekannt gemacht.
Der rüstige Mann führt eine Treppe hinauf ins Obergeschoss. Eintreten durch eine hölzerne, weiß angestrichene Tür. Im Raum selbst brennen Kerzen. Ansonsten stechen dort die rauen, unverputzten Wände ins Auge. Auf dem Holzfußboden liegen hier und da Teppiche. „Der Boden ist aus Märkischer Rotkiefer von 1908 und die ist fast überall im Haus in Ordnung“, freut sich der neue Eigentümer.
Im Jahr 1908 wurde die Villa Berkhausen errichtet. Genau deshalb wäre es ein nicht zu verzeihender Tabubruch, den geschichtsträchtigen Boden aus dem Haus zu entfernen oder mit Laminat oder Teppich dem Blickfeld des Betrachters zu entziehen. Zwischen den mehrflügeligen Fenstern befindet sich eine schmale Kunststofftür, die auf einen Balkon hinausführt. Original ist die ganz sicher nicht. Deshalb wird sie ausgetauscht gegen etwas, das besser zur Kunstepoche der Gründerzeit passt.
„Und schauen Sie, da“, tritt der Wahl-Penzliner durch die Tür hinaus und deutet auf das historische, verspielt gestaltete Balkongeländer. Das werde zeitnah gesandstrahlt und graphitgrau angestrichen, damit es bald wieder einen gefälligeren Anblick bietet.
Ansonsten stehen ein großer Schrank und ein Serviertisch in dem Raum. Durch historische und originale Kastenfenster wird der Blick nach draußen ins Grün und auf die Straße freigegeben.
An den 3,20 Meter hohen Deckenrändern sieht man stark verblasst Weintrauben- und anderen floralen Stuck aus Gips. Dieser zieht sich auch durch den Nachbarraum, der zwar mit Sekretär, Fernsehen, Couch und Sessel eingerichtet ist, aber in dem ebenfalls noch keine Wand verputzt und auch der Holzfußboden noch nicht abgeschliffen und geölt ist. In Teilen hängen dort noch Tapetenreste.
In vielen Zimmern hat der gelernte Maschinenschlosser bis zu fünf Schichten Tapete von den Wänden geholt. Früher häufig zu Gast in der Jugendstil-Villa seiner Großmutter, erfüllte sich Böhm nun seinen Traum eines eigenen prächtigen Objektes. Ein Mann mit der Motivation für mindestens Drei. Die aber benötigt er für sein großes Ziel: „In zehn Jahren soll hier alles fertig sein“, stellt er sich vor.

Vor dem Leerstand ein Mehrgenerationenhaus
Ein Kaufkriterium war, dass das Objekt nicht unter Denkmalschutz steht. Schwierige Absprachen und Kompromisse mit Ämtern wollte er so umgehen. Allerdings solle die Villa Berkhausen ihre typisch prägende Optik im Stadtbild nicht verlieren. Im Gegenteil: Von außen soll die Fassade voraussichtlich in Weiß mit sanfter Grün-Nuance erstrahlen. So war es üblich im Jugendstil. „Die Ornamente mit dunklerem Grün abgesetzt“, schwebt dem neuen Eigentümer vor. Bei einem Rundgang zeigt er auf das Emblem des Erbauers. Die Jahreszahl 1908 taucht dort auf – und zwei Initialen „M“ und ein gespiegeltes „S“.
Erst durch das Adventsrätsel des Nordkurier, das sich diesmal um historische Gebäude drehte, habe sich das Geheimnis um den Erbauer gelüftet. Max Schrader hatte das herrschaftliche Haus vor mehr als 110 Jahren errichtet. Jener Mann, der als Hochzeitsgeschenk die nahe gelegene Brauerei von seinem Onkel überschrieben bekam.
Nun hat Böhm Blut geleckt. Er sucht historische Aufnahmen von außen wie innen und Informationen zur Geschichte. „Ich wüsste zum Beispiel gern, wie das Grundstück umzäunt war und wie der Garten aussah“, wünscht er sich. Was sicher aus Praktikabilitätsgründen nicht wie ursprünglich hergerichtet wird, ist die Küche von einst. Die befand sich nämlich im Keller. Eine heute nicht mehr vorhandene Wendeltreppe führte schließlich von unten nach oben ins Esszimmer.
Neben dem Kaufpreis hat Böhm schon in 39 Fenster und vier Türen investiert und dafür 25 000 Euro gezahlt. Weitere rund 15 000 Euro verschlang bereits die Installation der neuen Heizungsanlage. „Früher gab‘s hier eine Schwerkraftheizung, die ohne Pumpe auskam“, zeigt der Hobby-Heimwerker die Spuren in der Wand. Viele der anfallenden Sanitär- und Elektrikarbeiten erledigt er selbst.
Irgendwann soll das Haus, das vor dem Erwerb durch Böhm zehn Jahre lang leer stand und davor als Mehrgenerationenhaus genutzt wurde, aus alter Substanz und neuer Technik bestehen. Zu diesem „Alten“ werden wohl auch zwei Malereien eines Künstlers gehören, die schon auf dem Penzliner Recyclinghof landen sollten.
Beim ersten Rundgang durch alle 17 Zimmer ist es eine Kunst, die Orientierung nicht zu verlieren. Wolfgang Böhm ging es einst genauso. Vierzehn Zimmer – so wie im Ursprung – sollen wieder hergerichtet werden. In jeder Etage Wohn- und Schlafzimmer mit Küche und Bad. Im Erdgeschoss möchte Böhm mit schwarz-weißem Frühstücksraum und italienisch gefliestem Bad selbst wohnen. Dort will er künftig einen Erker zurückbauen. Die Decke hier ist durch den undichten Balkon darüber schon durchgebrochen. Insgesamt will er in die Villa Berkhausen noch bis zu 60 000 Euro hineinstecken und ansonsten weiterhin vieles mit eigener Muskelkraft stemmen.
Wer Wolfgang Böhm historisches Material zur Villa Berkhausen in Penzlin zukommen lassen möchte, kann dies per Mail unter wolli49@hotmail.com tun.

Kontakt zur Autorin
s.salzmann@nordkurier.de

03.01.2019 
Quelle: Nordkurier 

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