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09.01.2019

Sein Herz ist dort, wo Späne fliegen

Mit 2000 Umdrehungen vom groben Holzklotz zum filigranen Lampenschirm: In den 80er Jahren hat sich ein gelernter Schlosser das Drechseln angeeignet. Seither kam er vom Drehervirus nie wieder los – auch wenn er ab und an seine Hände vor seiner Frau verstecken muss.

Penzlin. Die unterschiedlich langen und breiten Drechseleisen liegen in der Hand, als hätte Rainer Mohnke nie etwas anderes gemacht. Der 62-Jährige aus Penzlin verbringt seine freien Minuten gern dort, wo Späne in Hülle und Fülle fliegen und aus groben Holzklötzen filigrane Deko-Accessoires werden.
Ehefrau Astrid ist dabei die erste und schärfste Kritikerin, auf die Rainer Mohnke selbstverständlich hört. „Wenn sie sagt, dass es gut ist, dann ist das so“, erklärt der in sich ruhende Mann mit einem Lächeln. Mit dieser ruhigen Strahlkraft tritt er vor seine Drechselmaschine – übrigens ein Eigenbau, der im Untergestell aus einer Drehbank besteht und mit einem Dreher zusammengebaut wurde.
Seit vier, fünf Jahren ist der gelernte Schlosser wieder aktiv. Seine Leidenschaft für das Bearbeiten von Holz wurde allerdings schon viel früher geweckt. In den 80er Jahren auf die Handwerkskunst aufmerksam geworden, brachten ihn fertig gedrechselte Sachen auf die Idee, zum Autodidakten zu werden. Hier ein Kerzenständer, dort ein Blumenhocker – damit nahm alles seinen Anfang. Kurz nach der Wende legte er seine Hobby-Drechselei dann für fast 25 Jahre nieder. Das „Drehervirus“ aber hat ihn nie verlassen.
Mit den Drechseleisen bearbeitet werden alle einheimischen Hölzer, die er aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bekommt: Holunder, Ahorn, Esche, das Holz von Süß- oder Sauerkirsche oder eben Mohnkes Favorit in Sachen feiner Maserung: Pflaume. In seiner Werkstatt stapeln sich die Holzbrocken nur so.
In der Maschine ist gerade ein Stück Holz eingespannt. Das soll mal eine Schale werden und wird sich wohl demnächst zu weiteren Schalen und Vasen für Trockensträuße gesellen. Nicht selten treibt ihn der Ehrgeiz dazu, Stunden vor der Drechselmaschine zu verbringen und dem Holz seinen Stempel aufzudrücken.
Kommt Rainer Mohnke dann aus der Werkstatt nach Hause, verstecke er seine Hände des Öfteren vor dem prüfenden Blick der Ehefrau. Immer dann, wenn das Hobby wieder mal ein bisschen Haut gekostet hat. „Etwas Ernsthaftes ist zum Glück noch nie passiert, dafür darf man mit seinen Gedanken aber auch nicht abschweifen“, erzählt er. Immerhin rotiere das Holz mit bis zu 2000 Umdrehungen pro Minute.
Mohnkes Vorteil: Seine Unikate – beispielsweise in Sachen Lampen oder Christbaumkugeln – kann er sich selbst fertigen. Etwa eine Kugel mit deutlich dunklerer Maserung und vierseitiger Kussmund-Aussparung. Mittig hängt der Weihnachtsmann, aber auch andere Motive fügt er ins Herz der Holzkugel ein. Von vier Plättchen wird das Innere nach außen gedrechselt. Die Ideen entspringen seinem Kopf. Gibt es für ein Stück Holz keinen Plan, bleibt der Klotz schlichtweg liegen.
Seine Kreationen sind wahre Stilblüten. Oftmals haben Lampenschirme etwa eine Glocken- oder Blütenform. „Damit das Licht nachher durchscheint, wird so etwas nass gedrechselt“, erklärt Mohnke und hält einen etwa 50 Zentimeter hohen Kerzenständer in Blütenform unter eine Lampe. Und siehe da: Das Licht scheint in warmen Gelb- und Orangetönen durch das Holz. Etwa vier bis sechs Stunden benötigt der Hobbydrechsler für solch eine Arbeit. Eine Kugel sei schon in zwei Stunden gedrechselt.
Demnächst aber soll es noch größer werden. „Mein Ziel ist ein Lampenschirm für den Esstisch-Bereich, der mindestens 40 bis 50 Zentimeter im Durchmesser ist“, plaudert er über eines seiner nächsten Vorhaben – sofern er den entsprechenden Holzklotz findet.
Größer wird im Übrigen auch seine Popularität. Besuchte er seit 2017 jeweils zwei Märkte und bot seine Sachen an, werden es dieses Jahr wohl drei sein. Der Weihnachtsmarkt in der Büdnerei Lehsten wird dabei eine feste Adresse sein – auch, „weil dort in der Adventszeit sogar gedrechselte Ostereier gefragt sind“, lacht er.

09.01.2019 
Quelle: Nordkurier 

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