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04.12.2018

Sterben alte Dorffriedhöfe in der Müritzregion aus?

Immer öfter werden Menschen auf dem Dorf nach ihrem Tod nicht mehr auf dem Friedhof ihres Heimatortes bestattet. Zusätzlich sorgt Müll für dreimal so hohe Kosten. Eine Kirchengemeinde will nun Konsequenzen ziehen.

Möllenhagen. Irgendwann müssen Entscheidungen getroffen werden. Die Zeit dafür ist gekommen – zumindest für die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Möllenhagen-Ankershagen. Entschieden werden soll über die Zukunft der sechs sich in der Kirchenhand befindenden Dorffriedhöfe. Dabei geht es um die Schließung beziehungsweise die teilweise Entwidmung von Friedhofsflächen, teilt Julia Radtke mit. Sie ist die Pastorin in der betroffenen Kirchgemeinde.
Hinter der Entscheidung stehen die Entwicklungen der letzten Jahre. Die Pflegekosten steigen, während die Nutzung der dörflichen Ruhestätten zurückgeht. Alle Dorffriedhöfe in ihrem Einzugsbereich haben eines gemeinsam: Sie sind laut Radtke verschuldet. Die meisten mit Beträgen im vierstelligen Bereich. Einer aber befinde sich bereits im fünfstelligen Bereich im Minus, erklärt die Pastorin. Das erfordert Konsequenzen, die nun gezogen werden sollen. Die letzte Ruhestätte in Dambeck bei Kratzeburg etwa soll vollkommen geschlossen werden. Wahrscheinlich schon ab heute, dem 4. Dezember.
Julia Radtke aber warnt vor einer Panik. „Eine Schließung heißt einfach nur, dass es keine neuen Bestattungen mehr geben wird“, erklärt sie. Diejenigen, die zum jetzigen Zeitpunkt bereits ein Grab erworben haben (zum Beispiel auch beim Doppelgrab), dürften auch nach dieser Entscheidung noch einen Menschen dort bestatten. Hinzu kommt, dass nicht im nächsten Monat das Tor zur Dambecker Ruhestätte für immer verschlossen bleibe. Gräber, deren Liegezeit noch nicht abgelaufen sind, dürfen somit auch für die nächsten Jahre bis zum Ende weiter gepflegt werden.
Auf anderen Friedhöfen wird es nach aller Voraussicht Entwidmungen geben. Unter anderem in Kraase bei Möllenhagen. Dort gibt es neben dem derzeit genutzten auch einen alten Friedhof. „Dort fand die letzte Bestattung 1969 statt“, sagt Julia Radtke – also vor 39 Jahren. Die Liegezeiten sind dort bereits abgelaufen. Schon jetzt wuchert das Efeu in diesem Bereich. Die „Entwidmung“ sei nur ein formaler Akt. Das Gelände gehört dann nicht mehr zum Friedhof und ist – salopp gesagt – ein „Wald mit alten Grabsteinen“. Dafür fallen dann auch keine Pflegekosten mehr an. Die Dorffriedhöfe verfügen oft über großzügige Flächen. Dagegen sinkt die Auslastung. Aus diesem Grund werden sie verkleinert.

Fehlende Mülltrennung sorgt für steigende Kosten
„Das Interesse der Leute am Dorffriedhof sinkt“, stellt Pastorin Radtke anhand der Entwicklungen fest. Immer öfter lassen sich Einwohner nicht in ihrem Heimatort, sondern in der nächstgrößeren Stadt beisetzen, wo sich zum Beispiel auch Angehörige unkomplizierter um Grabpflege kümmern können. Die Art der Bestattung macht die Entscheidungen ebenfalls notwendig. So wählten laut Julia Radtke rund 80 der Angehörigen für die Verstorbenen eine Urnenbestattung aus – und die brauche nun einmal nur ein Drittel so viel Platz wie ein Erdgrab.
Ein weiteres Problem: Steigende Pflegekosten. Noch nicht auf allen Friedhöfen gebe es einen Komposthaufen, gesteht die Pastorin ein. Im Gegenzug stünden auf den Friedhöfen Container für Grünschnitt. Dort aber würde vielfach auch Grabgestecke und Trauerkränze landen. Und das Müllsortieren kostet Geld – in etwa dreimal mehr als wenn richtig getrennt würde, sagt Radtke. Kompostieren die Leute nicht sorgfältiger, könnte eine drastische Erhöhung der erst 2015 erhöhten Friedhofsunterhaltungsgebühr von 15 Euro fällig werden.

04.12.2018 
Quelle: Nordkurier 

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