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09.07.2019

„Schpil dooch wasse willst!“

Als DJ bekommt Thomas Mittelstädt oft Zettel mit Musikwünschen zugesteckt. Doch die zu entziffern, ist manchmal gar nicht so einfach. Die kuriosesten Zettel hat er gesammelt und zeigt sie bei Facebook.

Penzlin. Mecklenburgs bekanntester Zettelsammler ist zweifelsfrei der Volkskundler Richard Wossidlo. Aber gleich dahinter kommt wohl schon Thomas Mittelstädt. Den Penzliner kennen Nachtschwärmer auch als DJ Dr. Music. Seit 1988 legt Mittelstädt auf und genau so lange ist er nebenberuflich Graphologe, könnte man meinen. Denn was Thomas Mittelstädt entziffern und entschlüsseln kann, ist beachtlich. „Seit 30 Jahren lese ich Besoffenenschrift“, sagt er. Die Zettel mit Botschaften, Musikwünschen und Kritik sind Liebeserklärungen an die Musik – aber nicht immer an die Deutsche Sprache.
„Wunschzettel ,Wie bitte?‘“ heißt das Album auf Facebook, wo Mittelstädt seit ein paar Jahren Zettel-Kostproben veröffentlicht und damit viele Leute begeistert. Mit der Zettelsammlung wolle er sich nicht über die Leute lustig machen, sondern einen Einblick in das Leben eines DJs geben, wie er sagt. Dazu gehören auch Zettel, auf denen sich Gäste über die Musik beschweren und den DJ kritisieren oder sogar beleidigen. „Man darf keine Memme sein. Die schlimmen habe ich aber aussortiert“, sagt Mittelstädt, der alle Zettel mitnimmt und aufhebt.
Manchmal auch für Recherchezwecke: Der erfahrene Thomas Mittelstädt lernt durch seine Gäste immer wieder neue Künstler kennen. Manchmal sind es allerdings auch Namen, die der Alkohol geformt hat wie „Heino Albani“, „Avice“ (Avicii), „Ge Ge Dagestino“ (Gigi D’Agostino) oder schlicht „Rolant Caisär“.
Auch bei der Zuordnung von Künstlern und Songs gibt es bemerkenswerte Fundstücke. So wünschte sich jemand „Ich bin wieder hier in meinem Revier“ von Herbert Grönemeyer, wo die Zeile doch zu Westernhagen gehört. Bei den Zetteln raten Facebook-User auch gern mit, was gemeint sein könnte, wenn beispielsweise „I am not Susan“ gewünscht wird. Gemeint ist hier Whitney Houstons „My Name Is Not Susan“.
Für solche Gedankensprünge muss man sich im Musikuniversum aber gut auskennen. Und manche bemerkenswerte Wunsch-Kombinationen muss man auch nicht verstehen: Paul Kalkbrenner, Modern Talking, Böhse Onkelz – alles hintereinander weg, wünschte sich beispielsweise mal ein Gast. Natürlich versucht Mittelstädt, die Leute glücklich zu machen, aber manche Wünsche ähneln der Quadratur des Kreises. Kleine Kostprobe: „Spiel ma was mit Melodie und gleichzeitig Metal!“ Etwas einfacher war es dagegen mit dieser Aufforderung: „Schpil dooch wasse willst!“ Generell seien die Damen die fleißigeren Zettelschreiber. Manchmal schieben sie ihm sogar ein beidseitig beschriebenes A4-Blatt rüber mit so vielen Wunschtiteln, dass es für fünf Stunden reichen würde.
Mittelstädt legt nicht nur Platten auf, sondern ist auch als Dienstleister mit einem Veranstaltungsservice überall im Land unterwegs. Mehrere Bands begleitet er als Tontechniker bei ihren Touren. Wenn es im Norden etwas ruhiger wird, dann geht es tief in den Süden. Von Oktober bis April arbeitet der Penzliner auch als DJ in Basel in der „Danzeria“, wo von Tango bis Scooter breit gefächerte Musik zum Abtanzen gespielt wird.
Beim Auflegen setzt er auf Handarbeit. 1200 CDs sind bei Familienfeiern, Abibällen oder Privatpartys im Gepäck. Damit die richtigen Titel griffbereit sind, macht der DJ vorab seine Hausaufgaben und steckt den Musikgeschmack der Leute ab. „Ich frage zum Beispiel, welche Radiosender sie hören und erarbeite dann eine Dramaturgie für den Abend, wann ich welchen Titel spielen könnte. Natürlich schaue ich bei der Party selbst auch auf die Reaktionen und passe mich dann an. Und im Interesse der Gastronomen spiele ich auch Titel, um ab und zu nicht die Tanzfläche, sondern die Bar zu füllen.“
Früher habe er aber viel mehr quer durch den Gemüsegarten gespielt. Durch Streamingdienste, wo Algorithmen zu bestimmten Liedern weitere ähnliche Titel ausspucken, habe sich der Musikgeschmack der Leute stärker festgelegt, und auch die Partys selbst zielen auf bestimmte Personengruppen ab. „Früher haben Junge und Alte zusammen gefeiert und dann spielte man Blasmusik und Rock“, sagt Mittelstädt, dessen eigener Musikgeschmack zum Glück auch sehr breit gefächert ist.
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i.nehls@nordkurier.de

09.07.2019 
Quelle: Nordkurier 

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