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09.02.2019

Auf den Spuren der Steine

Sebastian Haerter geht auf fotografische Spurensuche in der Seenplatte. Was ihn und seine Kamera anzieht, sind alte Gutshäuser und Schlösser. Dort fängt er Geschichte ein, um sie festzuhalten, bevor sie untergeht. Seit vielen Jahren hat er sich dieser Leidenschaft verschrieben und stellt nun einige Fotos aus. Darunter sind auch Ansichten von Müritzer Schlössern.

Varchentin/Mallin. Sebastian Haerter weiß, dass die Zeit gegen ihn arbeitet. Darum versucht er, schneller zu sein als die anderen, die sich der Magie verlassener Orte ebenfalls nicht entziehen können. Während Sebastian Haerter mit seiner Kamera die Spuren der Steine einfängt, ohne selbst Spuren vor Ort zu hinterlassen, sind andere weniger vorsichtig. „In einer kruden Mischung aus unwissender Respektlosigkeit und entfesselter Gewalt entdeckt diese seltsame Art Mensch zuverlässig jeden verlassenen Ort und zerstört ihn meist binnen kürzester Frist“, sagt Sebastian Haerter mit Traurigkeit in seiner Stimme.
Er liebt, was er fotografiert und leidet, wenn es verfällt oder sogar verschwindet. Mit dem Verschwinden ging sein Herzensprojekt eigentlich erst los. Inspirationsquelle war die Bilddokumentation „Fotografie und Gedächtnis: Mecklenburg-Vorpommern“ von Diethart Kerbs und Sophie Schleußner. Nach der Wende stand es schlecht um viele Gutshäuser und Schlösser. Sie wurden leer gezogen und einige Käufer waren untätig. Um die Baugeschichte, die auch immer Handwerksgeschichte ist, für die Nachwelt zumindest auf Bildern zu erhalten, zogen renommierte Fotografen los. Auch das Gutshaus in Friedrichsruh, auf halber Strecke zwischen Stavenhagen und Neubrandenburg, in dem Sebastian Haerter mit seiner großen Familie zur Miete lebt, wurde 1993 fotografiert. Das Foto landete in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und so wurde der Besitzer und Vermieter auf den Ort und das Haus aufmerksam und sanierte es.
Die Fotos haben etwas ausgelöst. Nun fotografiert Sebastian Haerter die Geschichte und wird damit Teil der Geschichte. „Die Zeitläufe schaffen so wunderbare Panoptiken, wie sie eben nur die Zeit erschaffen kann. Gutshäuser sind hierfür Paradebeispiele. Ihre Zäsuren sind einmalig in der Geschichte. Herrenhaus, Flüchtlingsunterkunft, Gemeindebüro, Poststelle, LPG-Verwaltung, Festsaal, Kneipe, Kindergarten, Dorfmittelpunkt, Lost Places. All das hat sich in die Gesichter der Häuser gegraben und seine Spuren hinterlassen, all das erzählt Geschichten aus Geschichte“
Anders als viele Fotografen, die sich dem Thema „Lost Places“ widmen, verzichtet der 43-jährige auf die Ästhetisierung des Verfalls. Er bedient sich nicht der Wirkung bunter HDR-Aufnahmen, verzichtet auf Komik, sondern dokumentiert klar und erhaben die Bausubstanz.
„Ich versuche, die Spuren dieser Zeitreise fotografisch festzuhalten und zu übersetzen, am besten über Jahre hinweg. Als Tagebuch der Geschichte und als Dokumentation für künftige Generationen, die diese Häuser vielleicht sanieren oder nicht mehr vorfinden“, beschreibt Haerter, der sich selbst übrigens als Landespfleger, Journalist, Texter, Landei, Ornithologe, Fotoverrückter, Naturliebender, Nordlicht und Geschichtsinteressierter beschreibt.
Die hakabé Fotoreihe im Haus der Kultur und Bildung (HKB) in Neubrandenburg zeigt vom 20. Februar bis zum 3. Juni nun exemplarisch sieben Häuser der Region und ihre baulichen Details. Die Spur der Steine führt nach Mallin, nach Varchentin, Ivenack, Cammin, Pinnow, Sponholz und Basedow. Die Vernissage findet am Mittwoch, 20. Februar, um 18 Uhr in den Räumen des HKB statt. Zu den Häusern hat Sebastian Haerter, der als Fotograf und Texter im Medienhaus Steffen in Friedland arbeitet, humorvolle und geistreiche Portraits geschrieben. Es sind Geschichten, die ihm die Häuser offenbart haben. Wenn man ganz still ist und neugierig hinschaut, kann man sie vielleicht auch hören. „Sie berichten von Macht und Geld, von vergangenen Zeiten und deren Handwerkskunst. Sie zeigen betörende Schönheit und flüstern faszinierende Geschichten, sie sind die Mitte ihrer Orte und magischer Anziehungspunkt für Menschen vieler Couleur“, sagt Sebastian Haerter und der Kummer scheint verflogen.
Kontakt zum Autor
i.nehls@nordkurier.de

09.02.2019 
Quelle: Nordkurier 

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