Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
17.08.2019

Awo-Seniorenheim in Penzlin: Neuanfang mit Imageschaden

Vor gut einem Jahr kaufte die Awo Demmin das in Verruf geratene Penzliner Seniorenheim von der Awo Müritz. Dort wird investiert. Doch der beschädigte Ruf erfordert unkonventionelle Lösungsansätze.

Penzlin. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Dieses Sprichwort soll im Penzliner Seniorenheim in Trägerschaft der Awo der Vergangenheit angehören. Das Kapitel von unterbezahlten Mitarbeitern und größerem Sanierungsstau beim alten Träger – dem Awo-Kreisverband Müritz – ist längst zu Ende geschrieben, meint Klaus Schmidt. Der Geschäftsführer des Demminer Awo-Verbandes führt stolz durch die Räume des Penzliner Seniorenheimes.
Dort werkeln Fachfirmen. Erker werden gebaut, die die Räume noch stärker mit Licht durchfluten und den Mensch das Gefühl geben sollen, näher an der Natur zu sein. In den Bewohnerräumen glänzt der Boden. Nachdem der zum Teil gerissene Estrich ausgetauscht worden war, verharzen die Mitarbeiter in einem Teil des Gebäudes die Räume.
Die Demminer Awo investiert 565 000 Euro in die Modernisierung des Gebäudes. Für einen Kaufpreis zwischen einer und zwei Millionen Euro erwarb man das Grundstück von den Müritzern, spricht Schmidt grob über Zahlen. Über den genauen Kaufpreis sei mit der Awo Müritz Stillschweigen vereinbart worden.
Eine, die die baulichen Veränderungen mit Freude beobachtet, ist Hannelore Wotschke. Wie lange eine Modernisierung zurückliegt, kann auch die 56-Jährige aus Marihn nicht sagen, die schon seit mehr als 25 Jahren in dem Heim arbeitet. Seit mindestens sieben Jahren soll nichts passiert sein, beruft sich Klaus Schmidt auf die Einrichtungsleiterin, die die letzten sieben Jahre hier tätig war.
Für Wotschke und ihre Kollegen bringe der Trägerwechsel tatsächlich bessere Bedingungen mit sich, bestätigt die examinierte Altenpflegerin. So werden jetzt alle Bewohnerbetten über Elektrik verfügen, mit der problemlos Kopf- und Fußteile des Bettes verstellt werden können. Bislang sei das größtenteils mechanisch mit Hebelsystem erledigt worden. Und manchmal, erzählt die Marihnerin, mussten sogar zwei Kollegen eine Einstellung per Hand vornehmen, weil das Prozedere zu komplex war.
Die Arbeitsbedingungen aus Awo-Müritz-Zeiten waren nicht immer leicht. Beim Stichwort „Toiletten“ rümpft die Frau ihre Nase. Nach Jahren der intensiven Nutzung „wollte man an die Toilettenbecken gar nicht mehr rangehen“, spielt sie auf die alte Sanitäranlagen vor dem Trägerwechsel an. Fugen wurden nicht erneuert und das Bad samt Dusche, Waschbecken und Toilette wurde jeweils von vier Bewohnern genutzt. Jetzt sind die Bäder schick umgebaut. Der Platz fürs Bad wurde zweigeteilt. Genutzt wird es immer nur von maximal zwei Bewohnern.
Es fällt der Mitarbeiterin nicht leicht, offen zu sprechen oder etwas gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber, die Awo Müritz, zu sagen. Aber zum einstigen Gesamtzustand des Objektes äußert sie sich auf Nachfrage dann doch: „Es war hier ziemlich baufällig und modernisierungsbedürftig“, beschreibt sie ihre Eindrücke, währenddessen sie sich nebenher um sieben Bewohner kümmert.
Die sitzen dort, wo eine breite Glasfront nach außen zeigt und einer von zwei Erkern mit Jalousien entstehen soll. Letzteres freut Mitarbeiterin Hannelore Wotschke ebenfalls, denn zuvor sei es in den offenen Räumen bei prallem Sonnenschein sehr schnell sehr warm geworden. Wotschke verdiene bei der Awo Demmin als Fachkraft nun auch mehr. Mit einem „Das kommt schon hin“, bestätigt sie zögerlich die Aussagen von Geschäftsführer Schmidt, der von Brutto-Gehältern für die Pflegekräfte zwischen 2800 und 3000 Euro spricht.
Hannelore Wotschke ist eine von 26 Mitarbeitern der Müritzer Belegschaft, die die Demminer komplett übernommen haben. Weitere Fachkräfte sollen das Team verstärken, doch die Skandale um die Awo Müritz und ihre immensen Vorstandsgehälter lassen die Bewerbungen auf offene Stellen nicht gerade im Sekundentakt einfliegen. Deshalb habe man auf ausgebildete philippinische Krankenschwestern zurückgegriffen. Vier sollen das Team bald verstärken und die Betreuung bei einer maximalen Auslastung von 49 Plätzen möglich machen. Bisher leben 31 Senioren im Penzliner Seniorenheim.
Einige Schmankerl fürs Personal – Klaus Schmidt nennt hier Arbeitserleichterungen wie Lifts und Hebekissen – sollen in zwei Jahren realisiert werden. „Ab 15. September gibt es in der Einrichtung auch wieder die Möglichkeit, dass die Einwohner frisch kochen“, blickt er in die Zukunft. Zu dieser Zukunft gehöre im Übrigen auch W-Lan für die Bewohner. Durch die Umbauten erhöht sich der zugezahlte Betrag pro Einwohner um bis zu zwei Euro pro Tag. Damit liegt die privat getragene Summe bei rund 1100 Euro.

17.08.2019 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Frau Gesa Pasch
Amt für Hauptverwaltung und Bürgerdienste
Öffentlichkeitsarbeit, Kultur, Schule
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon+49 3962 2551-78
Fax+49 3962 2551-52
g.pasch@penzlin.de