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30.11.2019

Baum-Frevler lassen Muskeln spielen

Die Jugendlichen, die einst knapp 90 Bäume im Penzliner Land unerlaubt gefällt haben, halfen zwei Jahre danach nun bei der Wiederaufforstung einer Fläche im Stadtwald. Sie tun Buße und haben einen Wunsch.

Penzlin. November und Dezember 2017: 88 Bäume werden abgesägt und zum Teil als Gefahrenquelle über die Straße der Ortsverbindung zwischen Mallin und Passentin gelegt. Andere hängen abgeknickt entlang des Radweges. Einst als dummer Streich gedacht haben ein inzwischen 17- und ein 19-Jähriger zwei Jahre nach ihrem Baumfrevel im Penzliner Amt ein wichtiges Versprechen eingehalten. Damit sie an die geschädigten Gemeinden keine 55 000 Euro Schadensersatz abstottern müssen, ließen sie am Freitag ihre Muskeln spielen.
Die Uhr ist weiter vorangeschritten – und mit ihr auch die Reife der damaligen Strolche. So traten sie an ihrem Schicksalstag arbeitsbereit und -willig im Stadtforst an. Obwohl sie von Gerichts wegen nicht dazu verpflichtet worden waren, beim Setzen von Bäumen zu helfen, griffen sie am 29. November zu Spaten und Setzling, um im Penzliner Stadtwald unter wachsamen Augen des städtischen Bauhofes mit ihrem reuigen Verhalten Buße zu tun. Engagiert, ohne Murren und ohne, dass Dritte sie zur Arbeit antreiben mussten, erledigten sie genau das, was ihnen aufgetragen wurde. Mit aufrichtiger Reue sollten sie einen ganzen Arbeitstag mitwirken, Bäume zu pflanzen.
Natürlich sind beide interessiert daran, dass ihr Bild in der Öffentlichkeit, das ihre Untat hinterlassen hat, relativiert wird. Immerhin hätten sie dazu gelernt, bestätigt der Ältere. Als der Nordkurier sie auf eine öffentliche Entschuldigung oder einem verbalen Dankeschön an ihren „Schuldenretter“ nachfragte, zeigten diese sich wortkarg. Eine öffentliche Entschuldigung? Fehlanzeige. Die Täter gaben sich meinungsstark. „Die Entschuldigung und das Dankeschön werden wir an Herrn Reinhold selbst richten“, sagt der Ältere der beiden sachlich, aber bestimmt. Für kurze Zeit nur unterbrach er seine Arbeit für den kurzen Kommentar. Zumindest zwischen ihm und Mäzen Jost Reinhold soll es zu dem Thema „Baumfrevel“ noch ein persönliches Gespräch geben. Bei dieser Gelegenheit, erzählte der 19-Jährige, wolle er ihm danken.
Dem Auszubildenden ist dabei durchaus bewusst, dass Reinhold für ihn großzügigerweise und uneigennützig sein Portemonnaie öffnet und mit einer fünfstelligen Summe dafür sorgt, dass der Azubi schuldenfrei in eine Zukunft starten kann. Ohne, dass künftig Kontopfändungen oder Geldzahlungen an die Stadt Penzlin und die Gemeinde Kuckssee fließen müssen.

Der Mäzen wollte selbst einmal Förster werden
Penzlins Gutachter ermittelten aktuell einen Schaden in Höhe von über 50 000 Euro. Diesen wollte die Kommune in einem zivilgerichtlichen Verfahren einklagen. Als Jost Reinhold zusicherte, den geschädigten Gemeinden die Schadenssumme zu zahlen, sahen die von einem Verfahren auf Schadensersatz ab. Der Mäzen ließ sich dafür aber auch nicht abspeisen. Sie sollten nicht irgendeine Tat zur Wiedergutmachung erledigen, sondern in dem Bereich Gutes tun, den sie einst geschädigt haben – kurzum: im grünen Bereich. Reinhold versteht das als erzieherische Maßnahme, die allerdings schon wenige Monate nach der Tat und nicht erst nach zwei Jahren hätte passieren müssen. „Einst war Herr Reinhold Forstamtslehrling in Speck“, begründete Penzlins Hauptamtsleiter Mirko Meinhart die Vehemenz seiner Forderung nach einer guten Tat für das Klima. Der Mäzen wollte nämlich einst Förster werden.
Mit dem Spaten in der Hand wurde für den Spender noch ein Bild zur Dokumentation gemacht, dass die „bösen Buben“ auch tatsächlich zum Arbeitseinsatz auf das einen Hektar große Gebiet des Stadtwaldes im Hufen angerückt sind. Dort trugen die Jungs dazu bei, die wegen Borkenkäferbefall gefällten Fichten im Frühjahr mit alternativen Baumarten wie Lärche wieder aufzuforsten.

Es bleiben noch 5000 Euro Anwaltskosten
Durch die öffentliche Aufmerksamkeit sei das Leben der Jungtäter genug aus den Fugen geraten. Mit ihrer Einsicht und dem Engagement soll der „Baumfrevel-Stempel“ verblassen, wünschte sich der Ältere. Um dazu beitragen, sollen auch die vom Gericht aufgebrummten jeweils 100 Arbeitsstunden in gemeinnützigen Vereinen reibungslos absolviert werden.
Klar ist laut Stadtmitarbeiter Meinhart, dass die Jungs die Anwaltskosten in Höhe von insgesamt rund 5.000 Euro zu tragen haben. Diese Forderung aber, sagt er, wird nun erstmal noch nicht sofort aufploppen.

30.11.2019 
Quelle: Nordkurier 

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