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14.10.2019

Baumfrevler ignorieren Wiedergutmachung für die Tat

Zwei Jugendliche kappten aus Langeweile vor rund zwei Jahren knapp 90 Bäume bei Penzlin. Erst wurde das Verfahren eingestellt, weil die Jungen ihre Tat wieder gutmachen sollten. Doch an einem Täter-Opfer-Ausgleich hatten die Täter nun kein Interesse mehr.

Penzlin. Zufrieden ist Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (WPL) mit der gerichtlichen und behördlichen Verfahrensweise in Sachen der aus Langeweile 88 gekappten Bäume zwischen den Orten Mallin und Passentin nicht. Ein Ruhmesblatt für die Justiz sei insbesondere die Länge des Verfahrens nicht. Fast zwei Jahre dauerte es, bis das Amtsgericht Waren nun am 30. September gegen die damals 15- und 17-jährigen Jungen eine Strafe verhing.
„Die Täter haben einen Täter-Opfer-Ausgleich abgelehnt“, erklärte Flechner. Damit die Täter die richtige Konsequenz aus der Tat ziehen und Buße tun, wäre es nach seiner Ansicht notwendig gewesen, zeitnah - binnen weniger Monate – eine Lösung zu finden. Die Stadt setzte auf Wiedergutmachung. Schließlich verursachten die Jungen laut eines Gutachtens einen Schaden von rund 70 000 Euro. Die Kritik beginnt bei der Staatsanwaltschaft. Dort stellte man das Verfahren im Sommer 2018 vorläufig ein. Durch einen Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) sollte von einer Verurteilung abgesehen werden. Das Jugendamt des Kreises sollte Obacht über den TOA haben und mit allen Seiten für diesen Ausgleich an einen Tisch nach einer entsprechenden Wiedergutmachung suchen. „Nach erneuter und detaillierter Rücksprache mit allen Beteiligten wurde jedoch deutlich, dass die unterschiedlichen Erwartungen an die Herangehensweise für ein persönliches Gespräch zwischen Täter- und Opfer-Seite nicht vereinbar waren“, heißt es von Kreis-Sprecherin Tilla Steinbach.
Für Flechner und weitere Beteiligte unklar: Warum wird an einem TOA fast anderthalb Jahre festgehalten? Der leitende Oberstaatsanwalt in Neubrandenburg, Gerd Zeisler, bestätigte auf Nordkurier-Nachfrage, dass ein TOA für gewöhnlich nicht so lange „am Leben erhalten“ werde wie im Fall des Baumfrevels. Üblich seien wenige Monate. Allerdings, räumt er ein, sei die zuständige Sachbearbeiterin bei der Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich auch in Ruhestand gegangen, weshalb es zu Verzögerungen gekommen sein könnte. Eine außergerichtliche Lösung schien fern. Deshalb wurden sie vom Amtsgericht Waren nach Jugendstrafrecht zum Ableisten von jeweils 100 gemeinnützigen Arbeitsstunden beauflagt. Diese Auflage sollen die beiden jungen Männer bei gemeinnützigen Vereinen in der Nähe ihres Wohnortes ableisten, „da es ihnen aufgrund ihres jetzigen Lebensortes und der Lebenssituation nicht möglich ist, die Stunden bei den Geschädigten zu erbringen“, formulierte Steinbach. Ob das die erforderliche Einsicht bei den Jugendlichen bringt, die knapp 90 Bäume absägten? Flechner bleibt skeptisch. Und nicht nur er. Klar ist aber auch, dass Mäzen Jost Reinhold aufgrund dessen wohl sein Angebot zurückzieht, Zehntausende Euro für neue Setzlinge zur Verfügung zu stellen. Er machte nämlich zur Bedingung, dass die Täter beim Baumsetzen mithelfen. Im letzten Jahr gingen aufgrund einer Spende Gelder für junge Bäume ein. Andere der gekappten trieben durch pflegerische Maßnahmen wieder aus, bestätigte Mirko Meinhart, Hauptamtsleiter in Penzlin.

14.10.2019 
Quelle: Nordkurier 

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