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03.06.2019

Brandneues Stück über die Hexe von Penzlin

Die Theatertruppe von Wolkow hat sich ein Stück ausgesucht, das in Penzlin spielt. Diesmal will die Truppe ihre Zuschauer nämlich in die Zeit der Hexenverbrennung entführen. Und hofft, dass der Vorhang nach diesem Stück nicht für immer fallen muss.

Wolkow. „Die Unsichtbaren“ treten wieder in Erscheinung. Nach einer zweijährigen Zwangspause tritt die Theatergruppe im kommenden Monat wieder auf – mit einem brandneuen Stück. „Die Hexe von Penzlin“ komme quasi „frisch aus dem Ofen“, so der Regisseur René Kirschey, der das Stück zusammen mit einem Freund nach dem Entwurf von Andreas Cotterell geschrieben hat. So neu das Bühnenwerk ist, der Stoff ist alt. Rahmen und handelnde Akteure seien historisch belegt.
Die Gegend sei früher ein wahrer „Hexen-Hotspot“ gewesen, meint Kirschey. „Hier muss eine Massenhysterie geherrscht haben.“ Knapp 3000 Hexenprozesse sind überliefert und das, obwohl die Bevölkerung in dem „stark gebeutelten Landstrich“ nach der Pest und dem Dreißigjährigen Krieg stark dezimiert war. „Da gab es wahrscheinlich keine Familie, die nicht in irgendeiner Form betroffen war.“
In den Gerichtsakten ist auch von Benigna zu lesen, die zwischen 1699 und 1711 gleich drei Mal der Hexerei angeklagt wurde. Die Theatertruppe will ihre Geschichte erzählen, und zwar ehrlich: „Sonst wird das Thema sehr romantisch behandelt“, findet Kirschey. Er räumt auf mit alten Vorurteilen, etwa dass die Hexenprozesse ein reines Frauenschicksal gewesen seien und die katholische Kirche allein schuld sei. „Bei den Hexenprozessen wurden auch Händel und Nachbarschaftsstreitigkeiten ausgetragen“, erklärt Kirschey. Oftmals hätten Anfeindungen und Neid dahinter gesteckt und besonders Fremde, Zugezogene wie Benigna seien beliebte Opfer gewesen. „Das sind Aspekte, die uns auch heute noch angehen“, erklärt Kirschey die Aktualität des Stückes. In den vergangenen Jahren haben sich die Laiendarsteller sicher gewünscht, sie könnten hexen. Die denkmalgeschützte Theaterscheune, die die Gruppe seit 2005 genutzt hatte, war nach der letzten Vorstellung 2016 aus baubehördlichen Gründen für weitere Aufführungen geschlossen worden.
Die Theaterscheune ist über viele Jahre hinweg immer weiter verbessert worden und verfügt heute über eine bewegliche Bühne mit mehreren Ebenen, ein Schattenspiel und aufwendige technische Anlagen für Beleuchtung und Rauch. Um das landwirtschaftliche Gebäude zu einer Veranstaltungsscheune umzuwidmen, muss die Tauglichkeit dokumentiert und ein Bauantrag gestellt werden – obwohl nichts umgebaut werden darf.
Das kostet viel Geld, Geld, das Kirschey lieber in die Arbeit der Gruppe investieren würde. Er hofft nun, dass die zuständige Firma die erforderlichen Unterlagen bis zu den Vorstellungen im Sommer vorlegen kann. Drei Mal dürfte die Gruppe sonst mit einer Sondergenehmigung auftreten, das ist der „Notnagel“. Zumindest die Vorstellungen am 22. Juni (19 Uhr), 13. Juli und 24. August sind also gesichert. Auch personell wird es knapp, eine Zweitbesetzung gibt es nicht.
Nachdem zuletzt langjährige Schauspieler auch aus gesundheitlichen Gründen weggefallen waren, ist die achtköpfige Truppe nun zumindest spielfähig – weil neben einigen neuen Schauspielern auch Regisseur, Kostümnäherin und vormalige Souffleuse ebenfalls auf der Bühne stehen werden. Über die Hälfte der Mitglieder sind neu dabei, doch „die Unsichtbaren“ suchen weiterhin nach Darstellern. „Man hat hier auch Freunde gefunden“, sagt Stephanie Günter, die den Baron spielt. Die Gruppe hat sichtlich Spaß bei den Proben, auch wenn sie ihnen etwas abverlangen. „Wir haben schon anderthalb Stunden an einem Satz geprobt“, erinnert sich Günter. Auch das Stück, obwohl keine Komödie, hat trotz der traurigen Thematik seine komischen Momente. „Wenn man die Rollen richtig ausspielt, dann kommt der Mensch durch“, sagt Kirschey. „Und der ist ja nie nur bierernst.“
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c.gerhard@nordkurier.de

03.06.2019 
Quelle: Nordkurier 

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