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01.07.2019

Der Minister soll jetzt den Hort retten

Fünf Jahre lang bestand für den Hort der evangelischen Kita Penzlin eine Ausnahmegenehmigung. Gestern lief die Betriebserlaubnis dafür aus. Mit Hochdruck wird nun nach Lösungen gesucht.

Penzlin. Schuldzuschreibungen bringen nichts. Die evangelische Kita „Simon unter‘m Regenbogen“ darf mit Wirkung zum 1. Juli keine Hortkinder mehr betreuen. Die Anordnung des Jugendamtes trifft ein Dutzend Kinder und ihre Eltern hart. Andererseits zieht die Behörde mit ihrer Entscheidung gleichsam einen Strich unter eine Jahr für Jahr neu erteilte Ausnahmegenehmigung zum Betreiben des Hortes.
Seit 2015 wurde laut Pastor Hartmuth Reincke von der Kirchengemeinde Penzlin-Mölln mit dieser Art der Duldung gearbeitet. Die Gemeinde ist Träger der Kita. Mehrfach seien in den Jahren Lösungsansätze geplant gewesen – zuletzt mit dem Verlegen der Kita in den alten Netto-Supermarkt. Das jedoch klappte wegen nicht stemmbarer Eigenmittel für den Umbau nicht. Weitere Maßnahmen am gemieteten Objekt, die für den Träger Kosten von rund hunderttausend Euro verursachen würden, seien schlicht unmöglich. Sich vom Hort gänzlich zu verabschieden, sei jedoch keine Alternative, betont Reincke in einem Gespräch mit dem Nordkurier. Eine Hortbetreuung direkt in der Kita „Simon unter‘m Regenbogen“ noch vor 2020 schließt er dagegen aus.
Ein Vertrag über abgesicherte Betreuung des Sprosses im Hort nützt den Eltern momentan nicht viel. Immerhin ist die Geschäftsgrundlage komplett weggefallen. Der Hort existiert nicht mehr. „Wir werden jetzt schnellstmöglich einen Antrag auf vorläufige Hort-Nutzung in der Neuen Burg und der Schule beantragen“, erklärt der Pastor auf Nachfrage. Bisher, räumt er ein, habe man sich mit Anträgen zurückgehalten. Vom Jugendamt sei stets die Voraussetzung genannt worden, beim Beantragen einer Übergangslösung auch den Plan für eine endgültige zu benennen. Und letztere gibt es eben immer noch nicht.
Die evangelische Kita in einem Wohnhaus bräuchte für die Betreuung der Hortkinder – eine Nachfrage von 18 Plätzen bestünde – größere Räumlichkeiten und insbesondere einen zweiten Rettungsweg. „Dazu könnten wir zwei Wohnungen über uns anmieten. Über die Balkone verliefe dann die Fluchttreppe“, erklärt Hartmuth Reincke. Dann könnten bis zu 22 Hortkinder (das entspräche einem Plus von zehn zur bisherigen Kapazität) betreut werden. Eine Kostenschätzung gehe derzeit von rund 100 000 Euro aus. Diese Summe müsste der Träger investieren – in ein Objekt, das ihm nicht selbst gehört. Hinzu komme ebenfalls, „dass sich die Kosten einer Kindereinrichtung am wenigsten über einen Hort decken lassen“, erläutert der Penzliner Pastor.
Eine Finanzierung der Investition sei kaum möglich. Auf einer von der Penzliner SPD organisierten Veranstaltung zum weiteren Vorgehen, musste sich Reinckes Stellvertreter unangenehme Fragen stellen lassen. Zum Beispiel, wie viel Eigenmittel die Kirchengemeinde etwa aufbringen könnte. Reinckes Vertreter verweist auf eine benötigte „komplette Ausfinanzierung“.
„Wenn sich keine Lösung findet, bin ich drei Lehrer los, ohne etwas dafür zu tun“, verweist der Penzliner Schulleiter Bernd Neuendorf auf eine Konsequenz, wenn sich keine Hortlösung finde. Neuendorf setzt auf die nächsten Tage. In denen soll Innenminister Lorenz Caffier (CDU) genau deswegen nach Penzlin kommen. „Er hat uns schon vor der drohenden Schulschließung einst bewahrt; vielleicht kann er auch hier etwas machen“, meint der Schulleiter und bietet im Beisein von gut zwei Handvoll betroffener Eltern eine Übergangslösung an: Bis zum 30. September würde er zwei Unterrichtsräume täglich ab 13.50 Uhr für die Hortbetreuung zur Verfügung stellen. Das aber muss erst beantragt und noch vom Jugendamt genehmigt werden.
Elternvertreterin Melanie Weinreich weiß bei all den Diskussionen nur eines konkret: „Ich kann und will meinen Sohn, der in die erste Klasse geht, in diesem Alter im Haus nicht guten Gewissens alleine lassen“, sagt sie. Die meisten Eltern hätten sich über die sechswöchigen Sommerferien bereits eine Alternative zur Betreuung gesucht – zum Beispiel in der Penzliner Awo-Kita. Dort sollen noch zwölf Hort-Plätze frei sein. Weinreich befürchtet dann jedoch, dass untergebrachte Hort-Kinder nach Monaten oder anderthalb Jahren kaum mehr zurück in die evangelische Kita wechseln. „Deshalb muss jetzt schnellstens etwas passieren“.

01.07.2019 
Quelle: Nordkurier 

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