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04.03.2019

Ein verlorener Zauber kehrt zurück

Am Tollensesee liegt ein faszinierender Ort: der Schlosspark Alt Rehse. Doch die Idylle trügt. Die Brüche und Zäsuren des vergangenen Jahrhunderts lassen sich an diesem Ort wie kaum anderswo ablesen. Nach vielen gescheiterten Versuchen der Wiederbelebung des Areals scheint sich nun das Blatt zum Guten zu wenden.

Alt Rehse. Ein gewisser Freiherr von Hauff kaufte vor 121 Jahren südwestlich von Neubrandenburg das Landgut Alt Rehse. Er ließ direkt am Tollensesee einen malerischen Park samt neo- barockem Gutshaus anlegen. Das notwendige Kapital dafür hatte sein Vorfahr Gottlieb Jonathan Ludwig Freiherr von Hauff erwirtschaftet, der in Stuttgart zur Welt kam. Als Großkaufmann und Bankier wurde dieser vor allem durch seine blendenden Beziehungen nach Russland – dort nannte man ihn auch „Leontij Ivanovich“ – und zur zaristischen Armee unglaublich reich.
Doch das Glück in Alt Rehse währte nur kurz. Nach anhaltenden familiären Streitigkeiten wurde die Familie Hauff 1934 mehr oder minder enteignet. Der nationalsozialistische Staat unter Reichskanzler Adolf Hitler sicherte sich das Gelände zur Errichtung seiner unseligen „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ im Jahr 1935. Das ganze Dorf wurde fast vollständig abgerissen und in einem Stil als Mustergut wiederaufgebaut. Sechs Jahre später wurde ein Heeres-Lazarett im Park eingerichtet. Als die Rote Armee in Alt Rehse einrückte, sollten Dorf und Park zuerst sogar zerstört werden. Doch das Schicksal wollte es anders.
Es folgten: Ein Lager für Kriegswaisen, später ein Kinderdorf für elternlose Kinder aus Ostpreußen, ein Institut für Lehrerbildung, die Kasernierte Volkspolizei, die Nationale Volksarmee, die Bundeswehr, diverse Abenteurer und Hallodris, ein bayerischer Immobilienhändler, eine alternative Lebensgemeinschaft … und zuletzt Gabriele Wahl-Multerer, die sich – anfangs mit einem Partner, nunmehr alleinverantwortlich – der Mammutaufgabe stellt, den riesigen Park samt seiner Infrastruktur wieder mit Leben zu füllen.

Ein wesentlicher Unterschied wird sichtbar
Seit zwei Jahren nun grünt Hoffnung im Park. Im Gegensatz zu vielen vorangegangenen Lippenbekenntnissen kann man sehen und fassen, dass sich etwas verändert. Wildwuchs wurde beseitigt, Sichtachsen wurden wiederhergestellt, Tonnen von Unrat beseitigt, Ver- und Entsorgungsleitungen neu verlegt, alte Garagen abgerissen, Wege gesäubert.
Und nicht nur das: Umfangreiche Bauarbeiten und denkmalgerecht sanierte Häuser, etwa die Wache am Parkeingang, sowie ein renovierter und umgebauter Neubaublock künden davon, dass dort nun tatsächlich ein Wandel vonstattengeht.
Unternehmerin Gabriele Wahl-Multerer kann sich auch nach mehreren Jahren vor Ort gar nicht sattsehen an diesem Kleinod am Tollensesee: „Dieser Platz hat eine ganz besondere Atmosphäre und eignet sich wunderbar für eine sanfte touristische Entwicklung. Wer Entschleunigung sucht, der findet sie hier“, ist die diplomierte Kauffrau sicher. Sie sieht ihr Wirken für Alt Rehse und den Park als Teil bürgerschaftlichen Engagements, wobei sie selbst große finanzielle und persönliche Risiken eingeht, um ihr Projekt zu verwirklichen. Aber: „Nur wenn sich jeder nach seinen Möglichkeiten engagiert, kann die Welt eine bessere werden“, ist die Unternehmerin überzeugt.
Sie hat Erfahrung in großen Vorhaben und zuletzt etliche Jahre in Thüringen ein renommiertes Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern aufgebaut. Und so ist sie davon überzeugt, dass man auch mit dem Parkprojekt wirtschaftlich erfolgreich sein kann, auch wenn noch viel Arbeit vor allen Beteiligten liegt.
Wahl-Multerer weiß auch um die Herausforderungen, die so ein Vorhaben mit sich bringt. In den kommenden Jahren soll das 65 Hektar große Gelände nach und nach neu erschlossen und für Gäste vieler Couleur zugänglich gemacht werden.

Eigentümerin plant barrierefreie Gästehäuser
Dabei ist sich Gabriele Wahl-Multerer der belasteten Geschichte des Geländes durchaus bewusst und agiert entsprechend: „Wir werden gerade an diesem Ort, der einst vom Geist der Eugenik beherrscht war, eigene Angebote für behinderte Menschen schaffen und unsere Gästehäuser entsprechend barrierefrei gestalten“, unterstreicht die neue Eigentümerin. „Das Ganze muss behutsam entwickelt und aufgearbeitet werden“, betont sie. Man wolle bei der Bewirtschaftung des Parks einen ganz eigenen Stil finden. In der Gastronomie beispielsweise dominierten bestimmte Ketten, das wäre für den Park nicht passend.
Das Gutshaus mitten im Park, das „Schloss Lichtenstein“, soll nach seinem Umbau in „Villa Hauff“ umbenannt werden. Dort sollen ein Restaurant, ein Café und 15 großzügige Gästezimmer entstehen. Der Stil ist der Region und der Architektur vor Ort angepassst.
Auch die derzeit verschlossenen Bunker könnten für Führungen wieder geöffnet werden. Dazu sucht Wahl-Multerer jemanden, der sich in der Geschichte und Bedeutung der Bunker auskennt, vielleicht auch hier bei der Armee war und die Besucher entsprechend fachkundig informieren kann. „Das ist ein Aspekt, der auch zum Gelände gehört. Hier ist der Kalte Krieg in Beton gegossen. Wäre es zum Konflikt zwischen Ost und West gekommen, hätte Alt Rehse eine bedeutende Rolle gespielt.“

Im neuen Bistro wird manchmal Klavier gespielt
Ein erster Schritt zur gastronomischen Erschließung war im vergangenen Frühjahr die Eröffnung des Bistros Alt Rehse am Eingang des Parks. Dort können Radfahrer, Touristen und Einheimische regionale Spezialitäten sowie Kaffee und Kuchen genießen. Dass dabei ab und an live gespielte Klaviermusik zu hören ist, ist durchaus kein Zufall, denn Kultur soll eine weitere tragende Säule des Bewirtschaftungskonzepts werden.
„Wie auch immer man es nennen mag, ob ‚Kultur am See‘ oder anders, dieser Ort ist prädestiniert für Veranstaltungen“, meint Unternehmerin Wahl-Multerer. Lesungen, Konzerte, sportliche Events, Künstlerworkshops, Pleinairs, Seminare oder gar Veranstaltungsort für die Mecklenburger Festspiele – vieles sei möglich und soll regelmäßig Menschen nach Alt Rehse bringen.
Die Gäste bekommen dann auch die Möglichkeit, mehrere Tage zu bleiben. In diesem Jahr sollen die ersten Gästehäuser mit etwa 50 Betten fertiggestellt werden. Gern möchte sich die engagierte Frau mit Aktiven aus der Region vernetzen: „Wir stellen nur einen Ort für die Verwirklichung von Ideen, die Platz brauchen, zur Verfügung.“ Und Platz gebe es mehr als ausreichend. Er müsse nur belebt werden.
„Und dazu sind alle eingeladen, die sich berufen fühlen“, meint Gabriele Wahl-Multerer lächelnd. Ein erster Schritt dazu: Nach Anmeldung sind geführte Touren durch den Park – auch für Gruppen – möglich.
Informationen unter Telefon 03962 2250042
www.bistro-alt-rehse.de

04.03.2019 
Quelle: Nordkurier 

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