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09.03.2019

Eltern sauer: Doppelte Kosten in den Kitas der Awo Müritz

Seit Jahren waren die Löhne der Mitarbeiter in den Kitas der Awo Müritz nicht mehr neu verhandelt worden. Bis jetzt. Doch was den Erziehern zugute kommt, bringt die Eltern nun auf die Palme. Sie sollen etwa doppelt so viel zahlen – und das Schlimmste: sogar rückwirkend.

Penzlin. Sprachlos macht Mandy A. (Name geändert) die Erhöhung der Platzkosten in der Kita Burggarten der Awo Müritz in Penzlin. Dort besucht ihr Spross den Hort. Für den Teilzeitplatz, bei dem Kinder 15 Stunden in der Woche betreut werden, zahlte sie bislang rund 47 Euro im Monat. Nach neuer Planung der Awo soll sie nun für dieselbe Leistung mit rund 99 Euro mehr als das Doppelte bezahlen.
Im Februar wurde sie darüber von der Einrichtung informiert. Und die Mitteilung hält gleich noch eine weitere Hiobsbotschaft für sie parat. Die knapp 100 Euro für den halben Hortplatz soll sie nicht etwa ab März zahlen, sondern sogar rückwirkend für die ersten beiden Monate des Jahres. Die berufstätige Mutter, die auf den Hortplatz angewiesen ist, empört sich über die nach ihrer Ansicht „freche Verfahrensweise“. Unverständlich sei für sie auch, warum Eltern für einen Ganztagshortplatz mit 30 Wochenstunde „nur“ etwa sechs Euro mehr – also rund 105 Euro – berappen müssen.
Konsequenzen habe sie bereits gezogen. „Ich habe Widerspruch eingelegt“, erzählt die Mutter, die die Notwendigkeit dieser drastischen Erhöhung anzweifelt. Damit folgt sie genau dem Weg, den auch Monty Schädel, der Vorsitzende des Kita-Elternrates des Kreises, betroffenen Eltern empfiehlt. Andere hätten nach der Mitteilung der Preiserhöhung von ihrem Recht auf eine fristlose Kündigung Gebrauch gemacht und auf ihren Hortplatz verzichtet.
Die gestiegenen Platzkosten kommen nicht von ungefähr, sondern sind das Ergebnis von Entgeltverhandlungen zwischen Träger und Landkreis. Ein Einkommensangleich für die Awo-Mitarbeiter an die Gehälter anderer Träger sollte eine weitere Abwanderung von Fachkräften in den Kitas der Awo Müritz verhindern. Schon im vergangenen Jahr wurde laut, dass es Verhandlungen gebe und die höheren Löhne durch höhere Beiträge und bis zu 20 Schließtage im Jahr finanziert werden sollen.
Bereits Mitte März 2018 beantragte die Awo Müritz gGmbH für ihre Kitas 17 Mal eine Neuverhandlung der Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen beim Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. „Notwendig wurde dieser Schritt, um die bestehenden, zum Teil sehr alten Vereinbarungen zu aktualisieren sowie um auf unserem Weg zur Einführung des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst weiter voran zu kommen“, erklärt der Geschäftsführer der Awo Müritz, Stephan Arnstadt. Schon zu diesem Zeitpunkt seien die Eltern darüber in Kenntnis gesetzt worden.

„Mitwirken“ meine nicht Information per Aushang
Auf welchem Niveau sich die Gehälter gegenwärtig befinden, ist nicht klar. Aber: „2015 gab es für die Mitarbeiter eine Erhöhung von 100 Euro brutto – und damit hat das pädagogische Personal immer noch 600 bis 800 Euro weniger im Vergleich zu westlichen Bundesländern verdient“, beruft sich Monty Schädel auf Erkenntnisse aus der Vergangenheit.
Desinformation gebe es in den Kitas nicht, betont Awo-Chef Arnstadt. Eine Mitteilung an die Eltern zur konkreten Höhe der neu vereinbarten Entgeltsätze erfolge erst nach Abschluss der Verhandlungen. Die brächten zudem ein einrichtungsindividuelles Ergebnis. Außerdem könnten und hätten sich bis zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Vereinbarungen Veränderungen ergeben. Aktuell seien für 14 von 17 Kitas neue Vereinbarungen abgeschlossen, so Arnstadt. Für einige mangele es aber am Einvernehmen der Wohnsitzgemeinden, sagt Kreissprecherin Annett Thurm. Bei zweien zeichne sich hier eine Lösung ab, bei einer stagnieren die Verhandlungen aus für die Awo Müritz unbekannten Gründen, beteuert der Geschäftsführer.
Höhere Beiträge seien aufgrund des derzeit bestehenden Finanzierungssystems eine zwangsläufige Folge bei neu verhandelten erhöhten Platzkosten, so Thurm. Die Finanzierung des Kita-Platzes gleicht einem schwer überschaubaren Zahlendickicht. Jeweils rund ein Drittel zahlen Eltern und Gemeinden, der Rest wird auf den Schultern von Land und Kreis verteilt.
Im Fall des halben Hortplatzes in Penzlin beteiligt sich der Kreis mit 11,23 Euro an den Gesamtkosten von rund 248 Euro. „Im Bereich des Hortes haben wir die Verdopplung der Elternanteile nur vereinzelt bei Einrichtungen, deren bisherigen Entgelte über zehn Jahre nicht neu verhandelt wurden. Die öffentliche Mitteltragung ist hier aber auch am niedrigsten“, reagiert der Awo-Chef auf die nach seiner Sicht ungerechtfertigte Eltern-Kritik.
Schädel rät Betroffenen, sich an die Elternräte in den Kitas zu wenden. Wenn die nicht in die Verhandlungen des Trägers mit einbezogen worden seien, solle man dies gegebenenfalls rechtlich einklagen. „Und ‚Mitwirken‘ heißt nicht, über einen Aushang informiert zu werden“, ruft er die Eltern auf, sich gegen empfundene Ungerechtigkeit zu wehren. Davon, nur der Awo Müritz den schwarzen Peter zuzuschieben, rät er jedoch ab. Der Kreis rechne sich das pädagogische Personal selbst runter. Grundlage dafür sei die 2013/14 vom Kreistag beschlossene Satzung zur Bemessung dieser Fachkräfte. „Das heißt, die Träger kriegen ohnehin weniger Geld, als sie eigentlich bräuchten“, so Schädel.
Gängige Praxis sei es, dass aufgrund der Landeszuweisungen alle weiteren Gelder von Kreis und Kommunen hingerechnet würden. „Die Differenz zur minimalen Aufrechterhaltung des Betriebes in den Kitas muss durch Eltern finanziell getragen oder aber durch das Engagement der Erzieher in den Einrichtungen ausgeglichen werden“, heißt es in einem Schreiben des Kita-Elternrates 2017 an den Sozialausschuss des Landtages. „Bei der Awo Müritz kommt noch hinzu, dass sie für die meisten ihrer Einrichtungen seit Jahren nicht verhandelt haben und in die Verhandlungen so Kosten der Vergangenheit ebenso mit einfließen wie die der Zukunft“, fasst Monty Schädel zusammen.

09.03.2019 
Quelle: Nordkurier 

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