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19.08.2019

Gaukler, Helden und Spektakel: Hier wird den Hexen der Prozess gemacht

Penzlin stand drei Tage im Zeichen mittelalterlicher Sitten Mehr als 4000 Besucher wurden angelockt. Und die bekamen noch nie Dagewesenes zu sehen.

Penzlin. Der Scheiterhaufen war im Hof der Alten Burg aufgebaut. Das Volk – oder neudeutsch, die Besucher des Penzliner Burgfestes – war versammelt, als ein Stöhnen durch die Massen drang. Eine Frau hing kraftlos in den Armen zweier Männer, die sie durch die Menschenmassen zur Bühne – pardon, Anklagebank – zogen. Das Vergehen: Hexerei! Wertloses Metall soll die Frau in Gold verwandelt haben. Die vom Burggrafen (Ronny Böttcher) erhoffte Chance auf Reichtum redete ihm der Inquisitor (Bernd Blumhagen) madig.
Wie die vermeintlichen Hexen früher eingeschüchtert und zu Geständnissen „gezwungen“ worden, vermittelte das Laienschauspiel eindrucksvoll. Flugs wurden Folterinstrumente herbeigeholt. Die „Agentur für Geständnisförderung“ hatte sich dazu extra Folterknecht Alexander Höck als Subunternehmer dazu geholt. Auf dem Gesicht der vermeintlichen Hexe (Antje Rohde) prangten tiefe Sorgenfalten und (gespielte) Angst. Ein kleines Mädchen hielt das Ganze wohl aber für bare Münze und rannte entschlossen während des Stückes auf die Bühne. „Nicht, nicht wehtun“, rief die Kleine unentwegt. „Das Mädchen wollte mir wirklich helfen, aber leider konnte ich ihr keine Zeichen geben, dass alles gut ist“, so Rohde anschließend.
Ein Moment, der zum Schluss nicht gespielt war, waren die Hilfeschreie nach dem rettenden Ritter. Denn die Penzliner Schauspieler und „Regisseur“ Gerhard Kresin, der die Dialoge zum Stück schrieb, wollten die Hexenverbrennung so eindrucksvoll wie möglich inszenieren. Das heißt: Rauchbombenalarm und bengalische Feuer. Doch statt nur den Scheiterhaufen in leichten Rauch zu hüllen, stieg eine Rauchsäule auf und bedeckte zum Teil auch das Publikum. „Und das, obwohl wir nur drei der fünf Rauchbomben gezündet haben“, meinte Adrian Liebow.
Die Penzliner trumpften zum Burgfest auf. Klar, dass Effekte wie große Rauchsäulen, Umweltschützerin Greta Thunberg – Pardon, Thunfisch –auf den Plan rief. „Wenn‘s denn der Umwelt dient“, kam das Mädchen alias Ylvo Bajorat auf den Burghof gesprungen und unterschrieb eine Resolution gegen die Hexenverbrennung. Alles für einen guten ökologischen Fußabdruck.
Einen positiven Eindruck im Gedächtnis hinterlässt das Fest bei Andreas und Jenny Finck aus dem Oderbruch. Im selbst genähten Leinenkleid und dem Samtanzug fanden sie zahlreiche „Verbündete“ in mittelalterlicher Gewandung. „Die Leute leben das hier“, schwärmten die beiden von der Detailverliebtheit mit passendem Handwerk wie Schmied und Spinnerin. „Vielleicht ist es möglich, in den nächsten Jahren noch mehr mittelalterliches Handwerk vor Ort zu zeigen“, schlug Jenny Fink vor.
Überall wimmelte es von Besuchern – an jedem der drei Tage. Schon am Samstag knackte das Burgfest die Erwartungen der Stadt als Veranstalter. Über 4000 Besucher. Der Sonntag endete genauso besucherstark. Dafür sorgte unter anderem der erstmalig ins Leben gerufene Tortenwettbewerb. Dreizehn Backfeen gaben ab – und die Penzlinerin Marie Engfer gewann. Damit hatte die 35-Jährige bei ihrer ersten Torte mit Fondant-Hexe nicht gerechnet. Sie werkelte gute zwei Tage an der Torte aus weißer Schokolade mit getrockneten Brennnesseln und Beeren. Vier Testläufe gab‘s vorab, sagte Engfer, die durch den Wettbewerb das Tortenbacken als neues Hobby für sich entdeckt hat.

19.08.2019 
Quelle: Nordkurier 

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