Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
26.02.2019

Hilfe, die Schornstein-Suite wackelt!

Die Sanierung des Penzliner Storchennestes gestaltet sich schwierig. Die oberen Mauerreihen des Schornsteins haben sich gelockert und drohen herabzufallen. Mit großen Eisenschellen wollten die Tierschützer Halt geben. Eine wackelige Mission.

Penzlin. Drei Kraniche kreisten über den Tierschützern. Eigentlich ein gutes Zeichen. Doch was die majestätischen Glücksboten beim Flug über Penzlin nicht sahen, machte die Kamera einer Drohne aus der Vogelperspektive gut sichtbar: Das Storchennest auf dem stillgelegten Industrieschornstein des ehemaligen Elektrizitätswerkes ist in keinem guten Zustand.
Die oberen Mauerreihen des Schornsteinkopfes haben sich gelockert und drohen herabzustürzen. Denn das Gewicht des Nestes drückt die äußere Steinschicht des doppelwandig gemauerten Schornsteines immer weiter auseinander. Die Stabilität ist auf Dauer nicht mehr gewährleistet.
„Wir wissen nicht, wie lange der Schornsteinkopf noch hält. Vielleicht zwei Jahre, vielleicht auch länger. Es wäre aber schlimm, wenn die Vögel im Nest sind und es dann runterfällt. Darum wollen wir uns jetzt um eine Lösung kümmern“, sagte Andrea Schumacher. Das Thema beschäftigt die Wählergruppe „Lebenswertes Penzlin“ schon länger. Seit 2015 ist das Problem bekannt und seitdem laufen dazu auch schon Gespräche.
Und die Zeit drängt, denn erfahrungsgemäß beziehen die Störche um den 1. April herum das Nest. Darum sind auch nur noch bis zum 15. März Arbeiten am Schornstein erlaubt. In Woggersin sind die ersten Weißstörche sogar schon eingetroffen.
Seit 1984 brütet jedes Jahr ein Storchenpaar auf dem Schornstein in der Stavenhagener Straße. „Natürlich gab es auch schon Überlegungen, das Nest herunter zu nehmen und die Schornsteinspitze neu zu mauern. Aber möglicherweise nehmen die Störche das Nest dann nicht mehr an“, erklärt Andrea Schumacher.

Die Wackelpartie wird zur Hängepartie
Sie setzte in den vergangenen Wochen viele Hebel in Bewegung, um das Nest so zu sichern, dass die Störche auch in den nächsten 20 Jahren Quartier beziehen können. Unterstützung gibt es bei dem Projekt von der Jost-Reinhold-Stiftung. Die Firma Kowal-Bau GmbH aus Penzlin hat zudem eine fahrbare Hebebühne kostenlos zur Verfügung gestellt, die am Samstagmorgen zum Einsatz kam. Kurzfristig sind auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Penzlin zur Hilfe geeilt, um die Aktion mit fleißigen Händen, Technik und Know-how zu unterstützen.
Während Norbert Schumacher und André Schardetzki sich mit der Hebebühne ganz nah an das Storchennest heranfahren ließen, schraubten die Feuerwehrleute unter dem Kommando von Gruppenführer Remo Henning am Boden die zwei Schellenringe zusammen. Die vier Eisenhalbringe sind jeweils 12 Zentimeter breit, 6 Millimeter stark und ergeben einen Durchmesser von zwei Metern. Ob das passt?
„Das wissen wir nicht. Das ist learning by doing. Wir müssen uns das oben am Turm anschauen“, sagte Norbert Schumacher. Da ahnte er noch nicht, dass das Zwei-Meter-Maß nicht stimmte und der Versuch abgebrochen werden musste. Die Wackelpartie wird nun zur Hängepartie. „Wir müssen unsere Erfahrungen sammeln und vielleicht eine neue Strategie überlegen“, sagte Norbert Schumacher enttäuscht aber nicht entmutigt.

Verwaltung legt keine Steine in den Weg
So schnell wie möglich soll der nächste Einsatz stattfinden. Vielleicht sogar schon an diesem Wochenende. Die Penzliner Feuerwehr habe signalisiert, dass sie wieder helfen würden, wenn nichts dazwischen kommt. Schumacher hofft, dass die Helfer erneut die Hebebühne bekommen oder vielleicht auch eine Drehleiter. Ob die Eisenschellen eingekürzt werden, oder man besser Spanngurte nimmt, wollen die Tierschützer sich noch überlegen.
Die Verwaltung hat den Helfern zum Glück keine Steine bei der Sanierung des Schornsteinkopfes in den Weg gelegt. Denn das Wohnhaus in der Stavenhagener Straße 14/15, das einst zur ehemaligen Molkerei gehörte, ist als Einzeldenkmal in der Liste des Landkreises eingetragen. „Die untere Denkmalschutzbehörde hat keine Bedenken, Zustimmung gab es auch von der Bauaufsicht des Kreises mit der Auflage, die Nestgröße nicht zu verändern”, sagte Andrea Schumacher dem Nordkurier. Auch von der Stadt habe es keine gestalterischen Auflagen gegeben und auch die privaten Grundstückseigentümer und Nachbarn rings um den Schornstein sicherten ihre Unterstützung bei der Sanierung des Schornsteins zu.
Jetzt müssen sich alle Beteiligten sputen, damit nicht noch mehr Zeit ins Land geht und die Störche, die ein Kulturgut in der Region darstellen, ein sicheres Zuhause bekommen.

26.02.2019 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon+49 3962 2551-0
Fax+49 3962 2551-71
u.ross@penzlin.de