Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
09.11.2019

Jüdischer Familienvater musste in Schutzhaft

Wenn der 9. November naht, denkt Penzlin zum Jahrestag der Reichspogromnacht an Familie Pinkus. Vor 81 Jahren lebte sie zu diesem Zeitpunkt als einzige jüdische Familie noch in Punschendörp. Das sollte ihr in der Pogromnacht zum Verhängnis werden.

Penzlin. Georg Pinkus war ein treu sorgender Vater. Seit 1921 mit seiner Herta verheiratet, ernährte der Kaufmann die Familie mit einem Kleinwarenladen, den er in Penzlin betrieb. Dort handelte Pinkus mit Textilien und Altstoffen. Das einzige bekannte Bild von ihm zeigt Georg Pinkus im Jahr 1930, als ihm die Ehre des Schützenkönigs zuteil wurde. Zu Hause in der Bahnhofstraße 14 a war man bestimmt stolz auf ihn. Georg und Herta Pinkus hatten zwei Kinder.
Susan Lambrecht, die heutige Stadtarchivarin, kennt die Geschichte um die letzte jüdische Familie in Penzlin. Es war eine angesehene und gesellschaftlich voll integrierte Familie. Und sie hielten es aus. Verließen ihr geliebtes Penzlin auch nicht, als sich die Novemberpogrome ankündigten. Sie blieben – und waren in Punschendörp in der verhängnisvollen Nacht des 9. auf den 10. November, als die Nationalsozialisten organisierte Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung verübten.
Was am 9. November mit der Familie Pinkus passiert ist, liegt im Nebulösen. Fest steht aber, dass Georg Pinkus am 10. November 1938 in Schutzhaft genommen wurde. „Er war im Zuchthaus Neustrelitz inhaftiert und blieb dort bis zum 2. Dezember“. Infolge der Pogromnacht wurden viele Juden in Schutzhaft genommen, nachdem ihre Ladengeschäfte verwüstet worden sind.

Vier Stolpersteine erinnern in Penzlin an Familie Pinkus
1938, also vor 81 Jahren, waren Georg und seine Frau Herta die einzigen Juden, die noch in Penzlin lebten und die 1942 direkt aus Penzlin ins Vernichtungslager nach Auschwitz deportiert wurden. Die Tochter Johanna-Lore wurde von Hamburg aus deportiert. Sohn Werner konnte nach England emigrieren.
Pinkus’ Sohn, erzählt Susan Lambrecht, war das einzige Familienmitglied, das die Judenverfolgung überlebte, weil ihn seine Eltern über die Schweiz nach England brachten. Im November 1938 war Sohn Werner längst nicht mehr in Penzlin. Die Tochter Johanna-Lore muss die Reichskristallnacht jedoch noch bei ihren Eltern erlebt haben, bevor sie nach Hamburg ging. Das hat Penzlins Stadtarchivarin herausgefunden. Vermutlich wurde sie erst danach, aber noch im selben Jahr in die Obhut des Paulinenstiftes, einem Waisenhaus für jüdische Mädchen in Hamburg gegeben. So dachten die Eltern, ihr Mädchen am besten schützen zu können. Dabei war sie es, die dem NS-Regime als erste der Familie zum Opfer fällt. Noch 1941 wird sie deportiert und in Lodz ermordet.
Seit dem 22. März 2018 finden sich in der Penzliner Bahnhofstraße vier Stolpersteine. Sie geben der letzten jüdischen Familie, die 1938 noch in der Stadt weilte, ihre Namen zurück und halten Erinnerungen an ein düsteres Stadtkapitel aufrecht.
In Penzlin gab es seit dem 13. Jahrhundert Juden. 1828 zählte die jüdische Gemeinde sogar 17 Familien mit 88 Personen. Sieben Jahre darauf existierten drei jüdische Privatschulen in der Stadt. In der Folgezeit nahm die jüdische Bevölkerung Penzlins jedoch stetig ab. 1874 umfasste die jüdische Gemeinde nur noch 19 Mitglieder. 1917 wurde sie ganz aufgelöst.
Interessant dabei: Im selben Jahr erwarb Herta Pinkus die Synagoge und verkaufte diese später an den Bischofsstuhl in Osnabrück. In der ehemaligen Synagoge fand 1925 der erste katholische Gottesdienst statt. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee 1945 wurde sie mit zahlreichen anderen Häusern der Stadt niedergebrannt.

09.11.2019 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Frau Gesa Pasch
Amt für Hauptverwaltung und Bürgerdienste
Öffentlichkeitsarbeit, Kultur, Schule
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon+49 3962 2551-78
Fax+49 3962 2551-52
g.pasch@penzlin.de