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28.01.2019

Kerzen und Blumen zur Erinnerung

In Alt Rehse wurden in der NS-Zeit Mediziner im ideologischen Rassenwahn und „Euthanasie“ geschult. Dort und in Neubrandenburg wurde der Opfer gedacht.

Alt Rehse/Neubrandenburg. Zahlreiche Menschen haben zum Holocaust-Gedenktag in Alt Rehse und Neubrandenburg an die Opfer der „Euthanasie“ und Zwangssterilisierungen in der NS-Zeit erinnert. Nach einem Gottesdienst in der Dorfkirche mit gut 100 Teilnehmern wurden am Gedenkstein im Gutspark gelbe Rosen und Kerzen niedergelegt. Die Menschen verharrten im stillen Gedenken und im Gebet. Im Anschluss wurde die Veranstaltung in Neubrandenburg am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum fortgesetzt. Dort standen Vorträge mit historischem Bezug auf dem Programm.
In Alt Rehse war während des Dritten Reiches die „NS-Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ untergebracht. An das in 1930er Jahren errichtete NS-Musterdorf erinnern heute noch zahlreiche reetgedeckte Fachwerkhäuser. Pröpstin Britta Carstensen von der Propstei Neustrelitz sagte in ihrer Predigt, in Alt Rehse sei zwar niemand umgebracht, in der „Führerschule“ sei aber die giftige Saat gesät worden, die an Hunderten Orten „schreckliche Früchte“ getragen habe. Tausende Mediziner, Apotheker, Hebammen und anderes medizinisches Personal seien unter anderem in Rassenhygiene oder dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses geschult worden. In der Folge seien rund 60 000 Menschen allein dem „Euthanasie“-Programm zum Opfer gefallen, hieran hätten auch Christen mitgewirkt. „Wir gedenken all derer, die geschädigt und ermordet wurden.“
Nach den Worten der Pröbstin ist die Geschichte in Alt Rehse immer noch präsent. Das Gelände der ehemaligen „NS-Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ habe nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches zahlreiche Umnutzungen erfahren. Den aktuellen Umbau des Parks Alt Rehse zu einer Erholungsanlage nannte die Geistliche ein „spannendes Projekt“. Mit Fingerspitzengefühl könnte die Anlage beides sein, ein Erinnerungsort und ein Platz zum Leben. Die Schlosspark Alt Rehse Entwicklungs GmbH will auf dem Areal u. a. ein Meditationszentrum errichten.
Das Gedenken in Alt Rehse und Neubrandenburg war Teil der landesweiten Veranstaltungsreihe „Erinnern – Betrauern – Wachrütteln“, die seit 2007 stattfindet. Initiator ist der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V. zusammen mit Partnern. Diesmal waren Ausrichter das Zentrum für seelische Gesundheit am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg und die Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse.

28.01.2019 
Quelle: Nordkurier 

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