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02.10.2019

Motorsportverein will mit skurriler Sportart in Bocksee heimisch werden

Nur Lärm oder doch eine Bereicherung für das kleine Dorf bei Ankershagen? Bei einem Treffen der Einwohner wurde der Plan eines kleinen Vereins diskutiert.

Bocksee. Einige Emotionen schlugen schon hoch am Montagabend in Bocksee, als Bürgermeister Thomas Will zur Einwohnerversammlung geladen hatte. Denn das Thema bewegt das kleine Dorf bei Ankershagen seit Monaten. Der Motorsportclub Nordic Darkness aus Ankershagen will den seit Jahren brach liegenden Sportplatz und das von Vandalismus heimgesuchte Vereinshaus wieder beleben. Dafür soll ein Pachtvertrag mit der Gemeinde geschlossen werden.
Die fünf Mitglieder des kleinen Vereins widmen sich einer zugegeben sehr seltenen Art des Motorsports, auch international hat er nur 70 bis 80 Anhänger. Sie schrauben die Vorderräder ihrer Motorräder ab und ersetzen sie durch Kufen. Dann „fahren“ sie mit diesen Gefährten Rennen über eine Distanz von 100 Fuß, das entspricht genau 30,48 Metern. Die Sportart nennt sich Unimoto Drag Race und ist in den 1980er Jahren in den USA erfunden worden.
Das Vorhaben stößt in Bocksee allerdings auf gemischte Gefühle und so einige Gerüchte. Um Klarheit zu schaffen, hatte Bürgermeister Thomas Will (Bauernverband Ländlicher Raum) nun zu einer Einwohnerversammlung geladen und den Vorsitzenden des Vereins, Michael Kuntze aus Ankershagen, eingeladen. 50 Einwohner kamen – das ist viel für das 400-Seelen-Dorf.
Kuntze stellte die Pläne des Vereins im Detail vor. Man wolle einmal im Jahr ein Rennen mit internationaler Beteiligung organisieren, die Teilnehmer kämen dann aus Estland, Frankreich, Polen, Belgien, aus den Niederlanden und der Schweiz. Zudem plane man Veranstaltungen für die Gemeinde: Kinderfest, Sportfest, Halloween. Drei bis vier Trainings pro Monat seien auch vorgesehen.
Der Verein hat aufgrund einer mündlichen Zusage aus dem Amt Penzlin schon viel Geld und Arbeit investiert und das verfallene Vereinsgebäude erneuert. Sanitär, Elektro, Wasserleitung, Trockenbau, Türen, das Dach – Kuntze zählt so einiges auf, was die Mitglieder geschafft haben, und zwar alles aus der eigenen Tasche. Der Verein hat noch keine Sponsoren, die werden noch gesucht, sagte Michael Kuntze dem Nordkurier.
Die Bedenken der Bockseer gehen vor allem in Richtung Lärm, und zwar nicht nur durch die Motorräder. Befürchtet wird auch laute Musik bei Abendveranstaltungen „bis in die Puppen“. Und einige zeigten sich überrascht, dass in diesem April urplötzlich ein Unimoto-Rennen stattfand. Das nahm Bürgermeister Will auf seine Kappe. Eigentlich sei das Rennen woanders geplant gewesen, sagte er. Dieser Plan sei geplatzt und man habe kurzfristig innerhalb von zwei Wochen Hilfe zugesagt. Das hätte er besser kommunizieren sollen.
Der Verein fand aber auch Fürsprecher, gerade unter älteren Einwohnern. Beispielsweise meinte Heidi Hennig, sie finde es gut, dass in dem Dorf endlich mal wieder was passiert, auch für die Kinder. Sie habe das Rennen im April besucht und fand es „prima“. Früher habe es dort Reitveranstaltungen gegeben, da war es dann nachts auch laut. Eine andere Einwohnerin erinnerte daran, dass es vor 30 Jahren noch ein Kulturhaus gab, wo jeden Freitag und Samstag Disco mit entsprechendem Autoverkehr war – da sei es auch laut gewesen und niemand habe sich beschwert.
Am Ende der Versammlung dankte Bürgermeister Will für ein konstruktives und ruhiges Gespräch – trotz aller Emotionen, die auch zum Vorschein kamen. Es zeichnete sich eine Mehrheit dafür ab, dass die Gemeinde und der Verein zusammenarbeiten wollen. Allerdings sollen Trainingszeiten und Veranstaltungen im Pachtvertrag genau geregelt werden. An diesem Freitag wollen sich Thomas Will und Vereinschef Kuntze zusammensetzen und einen Entwurf besprechen, der dann den Gemeindevertretern vorgelegt wird.

02.10.2019 
Quelle: Nordkurier 

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